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Umwelt, Gesundheit, Wirtschaft

Folgen des Klimawandels treffen Deutschland schon jetzt

Die Folgen des Klimawandels treffen Deutschland schon jetzt und verursachen neben Schäden in der Umwelt, Landwirtschaft und Wirtschaft auch neue Gesundheitsprobleme und Hitzetote. Gestoppt werden kann der Klimawandel laut einer deutschen Studie nur durch eine CO2-Steuer, die laut einer Umfrage von der Bevölkerung eine Mehrheit erhalten würde. 

Bonn (Deutschland). Dass die Folgen des Klimawandels auch Deutschland treffen, haben zahlreiche Studien in den letzten Jahren belegt. Bereits jetzt sind Hochwasser aufgrund der in den letzten Jahren gestiegenen Regenmengen in Mitteleuropa deutlich häufiger. Gleichzeitig treten Hitzewellen auch in zuvor eher gemäßigten Klimaregionen häufiger und länger auf und führen zu neuen Temperaturrekorden. Dies bedroht nicht nur die Ostsee, in der sich Todeszonen bilden, sondern sorgt auch dafür, dass die Nahrungsmittelproduktion des Menschen gefährdet wird und die Einkommen auch in Deutschland sinken.

Der nun veröffentlichte Monitoringbericht des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) fasst die Folgen des Klimawandels zusammen für Deutschland zusammen. Die durchschnittliche Lufttemperatur ist laut der Auswertung des BMU von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad gestiegen. Dies liegt über der globalen Durchschnittstemperatursteigerung von einem Grad. Besonders stark war der Anstieg der Mitteltemperaturen in den vergangenen fünf Jahren, wo diese um 0,3 Grad anstieg.

Jahresmitteltemperaturen in Deutschland mit hohen Schwankungen

Laut dem Bericht des BMU sind die periodischen Schwankungen der Jahresmitteltemperaturen, die einige Jahre bis wenige Jahrzehnte anhalten können und die durch die Meeresströmungen beeinflusst wurden, in Deutschland deutlich höher als im globalen Mittel. Die Entwicklung der Durchschnittstemperaturen zeigt aber mit wenigen Ausreißern einen klaren und anhaltenden Aufwärtstrend. Am stärksten davon sind die Bundesländer im Süden und Westen des Landes, der Norden und Osten erwärmte sich hingegen etwas weniger als der Bundesmittelwert.

Meeresspiegel und Regenmengen steigen an

Auch die Meeresspiegel der Nord- und Ostsee sind bereits aufgrund des Klimawandels deutlich angestiegen. Der Tidenmittelwert liegt beispielsweise in Cuxhaven bei aktuell 5,17 Meter, im Jahr 1850 waren es noch 4,83 Meter. In Travemünde liegt der Tidenmittelwert laut dem BMU inzwischen 24 Zentimeter höher als im Jahr 1850.

Auch die Niederschlagsmengen wurden durch den Klimawandel bereits deutlich erhöht. Laut dem Bericht „sind die Regenmengen im Sommer weitestgehend unverändert geblieben, während es insbesondere im Winter signifikant feuchter geworden ist.“ Seit dem Jahr 1881 soll die Regenmenge im Winter um 25 Prozent gestiegen sein. Lediglich im Nordosten ist das Wachstum der Niederschlagsmenge etwas geringer. Neben den Niederschlagsmengen ist laut dem Bericht auch die Häufigkeit von Starkniederschlägen der Dauerstufe 24 Stunden während der Winter in den letzten 65 Jahren um 25 Prozent angestiegen, was zu einer Zunahme der Hochwasserereignisse führte.

Hitzewellen während des Sommers werden Normalität

Neben extrem starken Regenfällen im Winter werden auch Hitzewellen und Dürre im Sommer in Mitteleuropa häufiger. Laut dem Monitoringbericht ist seit 1951 die Anzahl der heißen Tage im Flächenmittel von etwa drei Tagen pro Jahr auf derzeit im Mittel etwa zehn Tage pro Jahr angestiegen. Besonders oft sind der Osten und das Rhein-Main-Gebiet von diesen Hitzetagen betroffen. Im Durchschnitt waren es in diesen Regionen 18 Hitzetage in den letzten Jahren.

Längere Hitzewellen mit Temperaturen von mehr als 30 Grad, die für mindestens zwei Wochen andauern, sind ebenfalls häufiger in Deutschland. In dem Bericht heißt es dazu, dass „zu erkennen ist, dass solche extremen Hitzewellen seit den 1990er Jahren häufiger auftreten. In Hamburg fanden sich zum Beispiel im Zeitraum 1950–1993 nie solche Ereignisse, seit 1994 gab es inzwischen fünf extreme Hitzewellen.“

Wassermangel und Todesfälle durch den Klimawandel

Einer der größten Verlierer des Klimawandels ist in Deutschland die Landwirtschaft. Sowohl in den Bundesländern im Osten und im Rhein-Main-Gebiet, die am häufigsten von Hitzewellen getroffen werden, sind die Tage mit Bodenfeuchtewerten unter 30 Prozent seit 1961 massiv angestiegen. Dies führt dazu, dass die Photosyntheseleistung der angebauten Pflanzen deutlich sinkt und diese kaum noch wachsen. Allein durch Hitzewellen im Jahr 2018 entstanden so Ernteausfälle im Gesamtwert von 700 Millionen Euro.

Während der besonders heißen Jahre 2003, 2006 und 2015 sind laut dem Bericht des BMU durch Krankheiten und hitzebedingte Gesundheitsprobleme, die ohne die Hitzewellen nicht aufgetreten wären, pro Jahr etwa 6.000 bis 7.500 Menschen gestorben. Außerdem fördern die gestiegenen Meerestemperaturen die Ausbreitung von Bakterien über weite Strecken, was wiederum neue Gesundheitsrisiken auslöst, die es ohne den Klimawandel nicht gegeben hätte. 

Kommt eine CO2-Steuer?

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA) fasst die Botschaft des Monitoringberichts zusammen und erklärt, dass „die Zukunft uns bereits erreicht hat.“ Deutschland steckt wie Krautzberger konstatiert, „mittendrin in der Erderhitzung, mit weitreichenden Folgen für Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit.“ Laut einer deutschen Studie ist nur durch die Einführung einer CO2-Steuer eine Bremsung des Klimawandels möglich. Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) ermittelten anhand einer Befragung bereits, dass die Einführung einer zweckgebundenen CO2-Steuer sowohl in Deutschland als auch den U.S.A. eine Mehrheit in der Bevölkerung finden könnte, wenn sie in allen Industrienationen eingeführt werden würde.

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