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Alle Regionen betroffen

Klimawandel wird Einkommen auch in Deutschland deutlich reduzieren

Ein ungebremster Klimawandel wird das BIP einzelner Länder bis 2100 um mehr als 10 Prozent reduzieren. Die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens würde den Rückgang auf nur einem Prozent begrenzen. Eine Abwendung des Klimawandels ist also nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch aus ökonomischer Sicht wichtig.

Cambridge (England). Das die Folgen des Klimawandels die Lebensbedingungen auf der Erde in den kommenden Jahrzehnten deutlich verändern werden gilt in der Wissenschaft als nahezu unumstritten. Neben neuen Rekordtemperaturen und Hitzewellen in vorher eher gemäßigten Regionen wie Mitteleuropa und einem exponentiell steigenden Energiebedarf, der vor allem für den Betrieb von Klima- und Kühlanlagen anfallen wird, verursacht der Klimawandel in vielen Regionen ein Waldsterben und extremere Hochwasser sowie steigende Meeresspiegel. Prognosen gehen sogar davon aus, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die Temperaturen im mittleren Osten so hoch werden, dass die gesamte Region für Menschen praktisch unbewohnbar wird.

Neben den Auswirkungen auf das Ökosystem wird der Klimawandel auch die Weltwirtschaft nachhaltig beeinflussen. Bisher veröffentlichte Studien gingen davon aus, dass die finanziellen Folgen vor allen ärmere Länder in Afrika, Asien und Südamerika treffen werden. Laut einer Analyse der University of Cambridge wird der Klimawandel aber auch in den nördlich gelegenen Industrieländern wie zum Beispiel Deutschland enorme wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Neues ökonomisch-mathematisches Modell berechnet Folgen des Klimawandels

Laut der im Fachmagazin NBER Working Paper publizierten Forschungsarbeit haben die Wissenschaftler zur Berechnung der wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels ein neues ökonomisch-mathematisches Modell entwickelt, mithilfe dessen berechnet werden kann wie sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) einzelner Ländern entwickeln wird, wenn die Temperatur von der bisher vorhandenen Durchschnittstemperatur abweicht. Als Basis wurden die Temperaturdaten von 174 Ländern der Jahre 1960 bis 2014 genutzt. Anschließend erstellen die Forscher zwei Berechnungen, die einmal auf einer ungebremsten Erwärmung ausging und einmal die Folgen der Erderwärmung auf Basis der Ziele des Pariser Klimaabkommens modellierte. 

Temperaturabweichungen sorgten bereits in der Vergangenheit für ökonomische Folgen

Die Betrachtung der Ergebnisse zeigt, dass bereits in den vergangenen Jahrzehnten durch anhaltende Temperaturabweichungen in einigen Ländern die Wirtschaft negativ beeinflusst wurde. Eine Differenz von 0,01 Celsius von der historischen Durchschnittstemperatur soll laut dem Modell der Wissenschaftler dazu führen, dass das Einkommenswachstum im Mittel um 0,054 Prozent geringer ausfällt. Die Autoren der Studie konstatieren, dass „anhaltende Veränderungen des Klimas klar negative langfristige Auswirkungen auf das ökonomische Wachstum haben. Die Ökonomie des Klimawandels reicht weit über die Auswirkungen auf Ernten hinaus.“

Globales Pro-Kopf-Einkommen könnte um sieben Prozent sinken

Konkret geht die Prognose auf der Basis der Modellberechnung davon aus, dass ein ungebremster Klimawandel bis 2100 im globalen Durchschnitt die Pro-Kopf-Einkommen um sieben Prozent reduzieren würde. Wie die Forscher erklären „könnte eine rechtzeitige Anpassung an die Klimafolgen diese negativen Langzeiteffekte mildern“, sie komplett auszugleichen ist aber sehr unwahrscheinlich.

Reduzierung des BIP einzelner Länder bis 2100 bei ungebremsten Klimawandel:

  • USA 10,5 Prozent
  • Japan 9 Prozent
  • Indien 9 Prozent
  • Neuseeland 9 Prozent
  • Russland 9 Prozent
  • EU-Mitgliedsstaaten darunter Deutschland 5 Prozent
  • China 5 Prozent
  • Schweiz 2 Prozent

Ein Erreichen der Pariser Klimaziele, die eine Erwärmung des Planeten von maximal zwei Grad vorsehen, würde zwar kurzfristig hohe Kosten verursachen, um zum Beispiel Kohlekraftwerke, die einen großen Anteil am Klimawandel haben, zu ersetzen, würde aber langfristig die Reduzierung des Pro-Kopf-Einkommens bis 2100 auf etwa ein Prozent begrenzen. Eine Einhaltung des Pariser Klimaabkommens ist also besonders für Industrieländer nicht nur aus ökologischer Perspektive, sondern auch aus wirtschaftlichen Beweggründen ein erstrebenswertes Ziel.

NBER Working Paper, doi: 10.3386/w26167

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