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Baltic Sea Action Plan (BASAP)

Klimawandel und Nährstoffbelastung bedrohen die Ostsee

Der Klimawandel und die Nährstoffbelastung der Ostsee sorgen für Todeszonen und begünstigen die Verbreitung von Krankheitserregern. Eine perfekte Umsetzung des Baltic Sea Action Plans (BASAP) könnte die für die Umwelt und Wirtschaft katastrophalen Folgen noch verhindern.

Warnemünde (Deutschland). Der starke Einsatz von Düngemitteln und die daraus resultierende Nährstoffkonzentration hat im Jahr 2018 dazu geführt, dass im Atlantik ein etwa 8.850 Kilometer langer Algenteppich entstanden ist. Kürzlich kam eine Studie außerdem zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel und die dadurch steigenden Oberflächentemperaturen in den Weltmeeren eine Veränderung der Phytoplankton-Verteilung auslösen, die möglicherweise die Nahrungsketten in den Ozeanen gefährdet. Noch deutlich sensibler für Änderungen der Temperatur und Nährstoffeinträge ist allerdings die Ostsee, die aufgrund ihrer Lage kaum mit frischem Wasser versorgt wird und deshalb bereits unter zugewanderten Arten leidet, die durch Schiffe eingeschleppt wurden. Außerdem ist die Ostsee durch die giftige Blaualgenblüte gefährdet, die aufgrund ihres hohen Sauerstoffverbrauchs lebensfeindliche Todeszonen entstehen lässt.

Um die katastrophalen Auswirkungen des Menschen auf das empfindliche Ökosystem einzuschränken, haben sich die Anrainerstaaten auf den Baltic Sea Action Plan (BASAP) geeinigt, der festlegt, dass die Nährstoffeinträge in die Ostsee stark verringert werden. Die Umsetzung des vor mehr als zehn Jahren verabschiedeten Plans geht aber nur langsam voran. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) haben aus diesem Grund untersucht, wie die Zukunft der Ostsee aussehen wird. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachmagazin Ambio

Modellsimulation untersucht zwei Klimaszenarien

Die Wissenschaftler um Markus Meier haben dazu eine Modellsimulation erstellt, die die Folgen einer gemäßigten und starken Erwärmung des Meeres sowie drei Nährstoffbelastungsszenarien bis zum Jahr 2100 zeigt. Modelliert wurde dabei die vollkommene Umsetzung der BSAP-Ziele, die Beibehaltung des Ist-Zustandes und eine steigende Nährstoffbelastung der Ostsee.

Wie Meier erklärt „standen im Fokus der Modellierungen die Fragen: Kann die Ostsee einen guten ökologischen Zustand überhaupt noch erreichen? Wenn ja, wann und unter welchen Bedingungen?“ Außerdem untersuchten die Wissenschaftler welche Eintrittswahrscheinlichkeit für Extremereignisse besteht und wie diese sich auf die Tourismus- und Freizeitwirtschaft auswirken würden.

Klimawandel verändert Ostsee negativ

Laut Meier zeigen die Ergebnisse der Computersimulation, dass „die Ostseeregion sich durch den Klimawandel deutlich verändern wird.“ Bereits in dreißig Jahren könnten durch die zunehmenden Hitzewellen dazu führen, dass die Oberflächentemperatur der Ostsee ansteigt. Bis zum Jahr 2100 rechnen die Wissenschaftler mit zwei bis drei Grad höheren Durchschnittstemperaturen im Oberflächenwasser und bis zu einem Monat pro Jahr mehr, in dem die Temperatur des Meeres bei über 18 Grad liegt.

Trotz der höheren Temperaturen, die sich eigentlich positiv auf den Tourismus auswirken sollten, würde dies nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft der Region negative Folgen haben, weil die höheren Meerestemperaturen das Algenwachstum beschleunigen und so einen Sauerstoffmangel im Meer auslösen. Wie Meier erklärt „würde eine Nährstoffbelastung wie bisher oder eine Erhöhung sogar bei hohen Treibhausgaskonzentrationen im Vergleich zum heutigen Klima die Wahrscheinlichkeit für extreme Blaualgenblüten zum Ende des Jahrhunderts um 1.000 Prozent erhöhen.“

Krankheitserreger werden durch hohe Temperaturen verbreitet

Außerdem können sich krankheitserregende Bakterien durch das wärme Meerwasser besser verbreiten. Laut Meier „könnte dies dazu führen, dass Infektionen mit den lebensgefährlichen, Sepsis verursachenden Vibrio-Bakterien häufiger auftreten.“ Er konstatiert, dass „beim Nichterreichen der BSAP-Umweltziele mit zahlreichen weiteren negativen Folgen im Ökosystem Ostsee gerechnet werden muss.“ Laut den Studienergebnissen könnte nur eine perfekte Umsetzung des BASAP und eine Beschränkung des Klimawandels dafür sorgen, dass ein guter Umweltzustand der Ostsee erhalten bleibt und die gefährliche Algenblüte sich nicht weiter ausbreitet.

Ambio, doi: 10.1007/s13280-019-01235-5

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