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Deutsche Reederei

Konzepte für Schifffahrt ohne CO2-Emissionen ausgearbeitet

Fracht- und Handelsschiffe erzeugen bereits jetzt mehr CO2-Emissionen als Deutschland. Analysen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 der Ausstoß des Treibhausgases um 50 bis 250 Prozent zunehmen wird. Wissenschaftler haben aus diesem Grund Konzepte für eine CO2-neutrale Schifffahrt erstellt, die in der Nord- und Ostsee erprobt werden sollen.

Zürich (Schweiz). Laut einer Publikation des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) werden etwa 90 Prozent des globalen Handels über den Seeweg abgewickelt. Experten des Umweltbundesamt (UBA) gehen davon aus, dass der Schiffsverkehr jährlich um weitere zwei bis drei Prozent zunehmen wird. Etwa ein Drittel des weltweiten Schiffsverkehrs hat als Start oder Ziel einen Hafen in der Europäischen Union (EU). Besonders stark befahren sind die Nord- und Ostsee, in der sich täglich etwa 2.000 große Frachtschiffe aufhalten. Auch der relativ kleine Nord-Ostsee-Kanal ist mit mehr als 30.000 Schiffen jährlich nahe seiner Auslastungsgrenze.

Insgesamt haben die Frachtschiffe auf den Meeren laut einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) so im Jahr 2015 932 Millionen Tonnen CO2 erzeugt. Dies entspricht etwa 2,6 Prozent der globalen Emissionen und übertrifft damit die gesamten CO2-Emissionen von Deutschland. Eine Analyse der International Maritime Organization (IMO) kam sogar zu dem Ergebnis, dass die CO2-Emissionen der Schifffahrt bis zum Jahr 2050 um 50 bis 250 Prozent steigen werden.

Schifffahrt ohne CO2-Emissionen möglich

Wissenschaftler der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH), die zum sus.lab gehören, das das Ziel hat gemeinsam mit Unternehmen wissenschaftliche Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit umzusetzen, haben aus diesem Grund Konzepte erarbeitet, die eine Schifffahrt ohne CO2-Emissionen ermöglichen sollen. Der Auftrag dafür kam von der Reederei Nord, die derzeit 55 große Schiffe betreibt.

Analysiert haben die Wissenschaftler die Nord- und Ostsee, die laut Studienleiterin Petrissa Eckle zu den Innovationstreibern der Branche gehört. Außerdem ermöglicht das im Vergleich zu anderen Ozeanen relativ kleine Gebiet einen Praxistest der möglichen Lösungsansätze.

Erfassung des aktuellen Zustands

Zur Ausarbeitung des Konzepts, haben die Forscher des Towards Net-Zero genannten Projekts mithilfe externen Experten und vorhandener Studien die Reiserouten, die vorhandenen Technologien und die Nachhaltigkeit sowie Kosten neuer Treibstoffe erfasst. Der Fokus der Wissenschaftler lag dabei auf Energieträgern, die keine CO2-Emissionen freisetzen und die in fünf bis zehn Jahren für eine Nutzung im großen Umfang zur Verfügung stehen. Außerdem wurde darauf geachtet, dass ein eventuell gefundenes Konzept skalierbar ist und auch international eingesetzt werden.

Elektrische Antriebe auch auf dem Meer

Das größte Potential liegt laut den Wissenschaftlern in mit Ammoniak betriebenen Verbrennungsmotoren, Elektromotoren mit Batterien und Antrieben mit Brennstoffzellen. Der optimale Energieträger ist dabei abhängig von der Größe des Schiffs und der Wegstrecke. Wie Eckle erklärt, „werden in der Nord- und Ostseeregion auf kurzen Strecken bereits elektrisch betriebene Schiffe eingesetzt, was Sinn macht.“

Auf langen Strecken könnte Ammoniak das aktuell genutzte Schweröl ersetzen. Dieser Treibstoff ist jedoch giftig und derzeit nicht zur Verwendung in der Schifffahrt zugelassen. Derzeit fehlen für einen Wasserstoffantrieb noch Verflüssigungs-​ und Transportkapazitäten, Tankschiffe sollen aber zeitnah getestet werden. Eckle erklärt, dass „die Wissenschaftler Reedereien brauchen, emissionsfrei angetriebene Schiffe testen“, um die noch offenen Fragen zu klären und die gefundenen Lösungen in Pilotprojekten einem Praxistest zu unterziehen.

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