Emissionshandel

Klimawandel - Deutsche Wissenschaftler fordern einheitlichen CO2-Preis

Robert Klatt

Deutsche Wissenschaftler fordern eine europaweit einheitliche Bepreisung von CO2-Emissionen. Dies soll alternative Energien attraktiver machen und somit den Klimawandel begrenzen.

Halle (Saale) (Deutschland). In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V. (acatech), die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften (Akademienunion) und die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) die Einführung eines einheitlichen und stabilen Preises für alle CO2-Emissionen in Europa. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) könnte eine solche CO2-Steuer auch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen eine Mehrheit in der Bevölkerung finden.

Laut den Autoren der Stellungnahme, die anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ab dem 1. Juli 2020 verfasst wurde, sorgt ein allgemeiner CO2-Preis für einen ökonomisch effizienten Rahmen für die Energiewende. Langfristig würde ein CO2-Preis klimaschädliche Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas teurer machen und damit die Attraktivität erneuerbarer Energien erhöhen. Die Wissenschaftler sehen die CO2-Steuer somit als zentrales Mittel gegen den Klimawandel.

Investitionen im Energiesektor sehr langfristig

Laut den Wissenschaftler „betragen Investitionszeiträume im Energie- und Industriebereich oft 30 bis 50 Jahre.“ CO2-Emittenten wie neue Kohlekraftwerke, die aktuell gebaut werden, sind also zu großen Teilen noch im Jahr 2050 in Betrieb. Als gesetzliche Rahmenbedingungen für einen Umbau des Energiesystems ist deshalb laut der Stellungnahme „eine wirksame, umfassende und einheitliche Bepreisung von Treibhausgas-Emissionen“ nötig.

Dabei ist es unerheblich, ob dies durch eine Ausweitung des Emissionshandels oder eine direkte Steuer erfolgt. Wichtig ist einzig die Umsetzung entsprechender Maßnahmen vor 2030. Verstärkt wird die Dringlichkeit auch durch die Coronakrise, die in der Wirtschaft die Nachfrage nach Öl, Gas und Kohle deutlich reduziert hat, was Investitionsanreize in alternative Energie nochmals verringert.

25 Euro je Tonne CO2 in Deutschland

Derzeit gibt es europaweit lediglich einen Handel mit Emissionsrechten, der vor allem Kraftwerke, Fabriken und den Flugverkehr betrifft. Deutschland hat außerdem beschlossen, dass ab 2021 eine Abgabe für Kohlendioxid-Emissionen aus dem Straßenverkehr und aus Heizungen erfolgt.

Unternehmen, die Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas verkaufen, müssen diesen direkt an den Staat errichten. Der Pauschalpreis liegt anfangs bei 25 Euro je Tonne CO2 und soll im Verlauf deutlich steigen. Würde die Forderung der Akademien Anklang finden, würde das deutsche System auf alle europäischen Länder ausgeweitet werden.

Abgaben auf importierte Produkte

Um durch die höheren Produktionskosten keinen wirtschaftlichen Nachteil zu erzeugen, soll die Europäische Union (EU) laut dem Vorschlag der Wissenschaftler Grenzausgleichsmechanismen einführen. Gemeint ist damit eine Art Zoll für importierte Produkte, deren Herstellung mehr CO2 erzeugt als die Herstellung eines vergleichbaren Produkts unter den strengen Auflagen der EU. Auch die EU-Kommission sieht im Green Deal eine ähnliche Regelung vor, die die EU bis 2050 klimaneutral machen soll.

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