130/ 80 mmgH

Zu niedriger Blutdruck erhöht Mortalitätsrisiko bei Senioren

von Robert Klatt

Ein zu niedriger Blutdruck von 130/ 80 mmgH oder weniger sorgt bei Senioren für ein deutlich höheres Sterblichkeitsrisiko. Die Auswertung von Gesundheitsdaten von 415.980 Personen zeigt außerdem, dass ein zu niedriger Blutdruck sich stärker auf das Mortalitätsrisiko auswirkt als ein zu hoher Blutdruck.

Exeter (England). Ein zu hoher Blutdruck, der zum Beispiel durch lange Arbeitszeiten ausgelöst werden kann, schädigt das Herz, die Blutgefäße und andere Organe. Dauerhafte Werte von über 140/ 90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gelten in der Medizin deshalb schon lange als einer der Hauptgründe für Nierenschäden, Herzinfarkte und Schlaganfälle.  In den letzten Jahren haben Studien aber auch Indizien dafür gefunden, dass auch ein zu niedriger Blutdruck langfristig die Gesundheit des title="Menschen" negativ beeinflussen kann.

Indizien dafür hat unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. gefunden, laut der wie im Fachmagazin The Lancet publiziert wurde, ab einem Wert von 120 mmHg und weniger das Herz-Kreislauf-Risiko ansteigt. Die Wissenschaft konnte bisher aber noch nicht belegen, wie genau ein zu geringer Blutdruck sich auf die Gesundheit auswirkt und wie sich das Alter auf diesen Risikofaktor auswirkt.

Gesundheitsdaten von 415.980 Senioren untersucht

Forscher der University of Exeter haben deshalb Gesundheitsdaten von 415.980 Senioren analysiert, die auch den Blutdruck über einen Zeitraum von zehn Jahren enthalten. Der Fokus der im wissenschaftlichen Journal Age and Ageing publizierten Studie lag dabei auf eventuellen Zusammenhängen zwischen einem niedrigen Blutdruck, dem allgemeinen Sterblichkeitsrisiko und kardiovaskulären Krankheiten.

Die Auswertung zeigt, dass Menschen über 75 Jahre mit einem niedrigen Blutdruck überdurchschnittlich oft sterben. Als kritische Untergrenze haben die Wissenschaftler 130/ 80 mmHg identifiziert. Am deutlichsten wird der Zusammenhang zwischen einem niedrigen Blutdruck und einem höheren Mortalitätsrisiko bei Senioren deutlich, deren Gesundheit bereits durch andere Faktoren beeinträchtigt ist. Konkret lag das Sterblichkeitsrisiko dieser Personengruppe innerhalb des Untersuchungszeitraums im Vergleich zu anderen Senioren mit normalem Blutdruck um 62 Prozent höher.

Zu niedriger Blutdruck gefährlicher als zu hoher Blutdruck

Die Studienergebnisse zeigen außerdem, dass ein zu niedriger Blutdruck sich stärker auf die Mortalitätsrate auswirkt als ein zu hoher Blutdruck, obwohl dieser verstärkt Herzinfarkten und andere ernste kardiovaskuläre Probleme auslöst. Besonders deutlich wird dies Senioren über 75 mit einem schlechten gesundheitlichen Gesamtzustand und generell bei Senioren über 85 Jahren.

Die Studienautoren betonen dabei, dass ihre Ergebnisse noch durch weitere Untersuchungen bestätigt werden müssen. Deutlich wird aber schon jetzt, dass ein möglichst geringer Blutdruck, den aktuell viele Ärzte in der Blutdruck-Therapie bei alten Patienten erreichen möchten, oft gegenteilige Auswirkungen hat und der Gesundheit in vielen Fällen nicht zuträglich ist. Jane Masoli betont daher, dass „wir mehr Forschung benötigen, um zu analysieren, ob eine aggressive Blutdruckkontrolle bei älteren Menschen sicher ist und welche Patientengruppen davon profitieren, um auf diese Weise eine personalisierte Blutdruck-Behandlung gestalten zu können.“

Die Wissenschaftler weisen außerdem darauf hin, dass trotz der neuen Forschungsergebnisse niemand eigenmächtig Medikamente zur Blutdrucksenkung absetzen sollte, weil eine Blutdruck-Therapie Schlaganfälle und Herzinfarkte verhindern kann.

The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(17)30754-7

Age and Ageing, doi: 10.1093/ageing/afaa028

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