Herzschäden möglich

Lange Arbeitszeiten erhöht Risiko für versteckten Bluthochdruck

Robert Klatt

Mehr als 40 Stunden Wochenarbeitszeit erhöhen das Risiko für Bluthochdruck signifikant und begünstigen so die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Versteckter Bluthochdruck kann durch Einzelmessungen nicht erkannt werden. Risikogruppen sollten daher regelmäßig Langzeitmessungen durchführen.

Dallas (U.S.A.). Eine Vielzahl von Studien hat bereits unterschiedliche Gesundheitsrisiken belegt, die durch die von der Industrialisierung und Digitalisierung geprägten Arbeitswelt ausgelöst werden. Dazu gehört der zunehmende Stress, der die Anzahl an Krankmeldungen erhöht und nächtliche Schichtarbeit, die laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Krebs auslösen kann. Einige Unternehmen wie Toyota testen aufgrund der steigenden Produktivität und der Auswirkungen auf die Gesundheit deshalb bereits den 6-Stunden-Arbeitstag mit positiven Resultaten.

Wissenschaftler der American Heart Association haben nun im Fachmagazin Hypertension eine Studie veröffentlicht, laut der mehr als 40 Stunden Wochenarbeitszeit bei Büroarbeiten das Risiko für versteckten Bluthochdruck steigern kann. Untersucht wurden für die Studie 3.500 Büroangestellte für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Blutdruckmessung während des gesamten Tages

Neben einer Blutdruckmessung morgens vor der Arbeit und abends nach der Arbeit durch Fachkräfte wurde der Blutdruck der Probanden auch während der Arbeit alle 15 Minuten durch ein Blutdruckmessgerät automatisch aufgezeichnet. Es zeigte sich dabei, dass 13 Prozent der Studienteilnehmer an einem versteckten Bluthochdruck leiden. Dabei handelt es sich um Blutdruckspitzen und Phasen erhöhten Drucks, die während des gesamten Tages auftreten können, die aber bei einer einmaligen Messung durch einen Arzt nicht erkannt werden können. In der Studie galten dabei Ruhewerte von mehr als 135/85 Millimeter Quecksilber (mm Hg) und Durchschnittswerte von 140/90 mm Hg während der Arbeit als erhöhter Blutdruck.

Langes Arbeiten kann zu Herzschäden führen

Die Studienergebnisse zeigen außerdem, dass eine Erhöhung der Arbeitszeit sich direkt auf das Risiko eines anhaltenden oder verstecktem Bluthochdrucks auswirkt. 41 bis 48 Arbeitsstunden pro Woche sorgten bei 54 Prozent der Probanden für einen versteckten Bluthochdruck und bei 41 Prozent für einen anhaltenden Bluthochdruck. 49 Stunden Wochenarbeitszeit sorgten bei 70 Prozent der Probanden für versteckten Bluthochdruck und bei 66 Prozent der Probanden für anhaltenden Bluthochdruck.

Laut Studienleiter Xavier Trudel „lassen sich die beobachteten Zusammenhänge durch den Arbeitsstress erklären, vor allem durch die Kombination von hohen Anforderungen und wenig Entscheidungsfreiheit.“ Außerdem spielen laut ihm „auch andere mit der Arbeit verknüpfte Stressfaktoren eine Rolle.“ Langfristig verursacht ein erhöhter Blutdruck unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann sogar durch Schäden des Gehirns zu einer reduzierten Gedächtnisleistung führen.

Reduzierung der Wochenarbeitszeit empfehlenswert

Die Studienautoren empfehlen daher Personen, deren Wochenarbeitszeit regelmäßig über 40 Stunden liegt, besonders gut auf ihre Gesundheit zu achten. Trudel betont, dass „diese Personen sich bewusst sein sollten, dass zu langes Arbeiten dem Herzen schaden kann.“ Sollte einer Reduzierung auf 40 Wochenarbeitsstunden nicht möglich sein, empfehlen die Studienautoren daher den möglicherweise betroffenen Personen eine 24-Stunden-Blutdruckmessung durchzuführen, um einen möglichen versteckten Bluthochdruck festzustellen.

Hypertension, doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.12926

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