666.333 Gesundheitsdaten

Kleine Männer haben ein höheres Alzheimer-Risiko

Robert Klatt

Das Alzheimer-Risiko von Männern nimmt linear mit einer steigenden Körpergröße ab. Ob auch große Frauen ein geringeres Alzheimer-Risiko besitzen, hat die Studie nicht untersucht.

Kopenhagen (Dänemark). Eine Genstudie mit 20.000 Probanden zeigte kürzlich, dass kleine Männer ein höheres Risiko für Haarausfall und Glatzen haben. Kleine Menschen leiden außerdem laut einer im wissenschaftlichen Journal Diabetologia veröffentlichten Studie häufiger an Diabetes, während große Menschen laut einer Veröffentlichung im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences häufiger an Krebs erkranken.

Gesundheitsdaten zeigen außerdem eine Korrelation, laut der Männer, die bereits als Jugendliche überdurchschnittlich groß waren seltener an Alzheimer erkranken. Ob ausschließlich die Körpergröße oder noch andere Einflussfaktoren dafür verantwortlich waren, konnte die Wissenschaft bisher allerdings noch nicht belegen. Ein Team der Universität Kopenhagen hat den Zusammenhang deshalb erneut analysiert und dabei auch genetische Einflussfaktoren, das Bildungsniveau und Umweltfaktoren miteinbezogen.

Daten von 666.333 Männern ausgewertet

Laut der im Fachmagazin eLife erschienenen Studie wurden dazu Gesundheitsdaten von 666.333 Männern aus dänischen nationalen Krankenregistern ausgewertet. 10.599 der Probanden, die in den Jahren 1939 bis 1959 geboren wurden, erkrankten in ihrem bisherigen Leben an Demenz. 70.608 der Männer sind Brüder, 7.388 Zwillinge, was es auch ermöglicht, zu untersuchen, ob genetische oder familiäre Faktoren das Alzheimer-Risiko beeinflussen.

Laut Studienleiter Terese Jørgensen „wollten die Wissenschaftler sehen, ob die Körpergröße bei jungen Männern mit der Diagnose Demenz in Verbindung steht, und gleichzeitig untersuchen, ob die Ergebnisse von Intelligenztests, das Bildungsniveau und die zugrunde liegenden Umweltbedingungen und genetischen Faktoren, die von den Brüdern geteilt werden, die Beziehung erklären.“

Höhere Körpergröße senkt Demenz-Risiko deutlich

Die Auswertung der Daten zeigt, dass Männer, die sechs Zentimeter größer sind als der Durchschnitt ihres Geburtsjahrgangs ein zehn Prozent geringes Demenz-Risiko haben. Die Entwicklung des Risikos verläuft nahezu linear, Männer die zwölf Zentimeter größer sind als Durchschnitt haben also ein um etwa 20 Prozent geringeres Demenz-Risiko. Gefunden wurde die Korrelation in allen der untersuchen Geburtsjahrgängen.

Merete Osler, Co-Autor erklärt, dass „die Ergebnisse auf einen Zusammenhang zwischen größerer Körpergröße bei jungen Männern und einem geringeren Risiko für eine spätere Diagnose von Demenz hindeuten.“

Zusammenhang auch bei Geschwistern vorhanden

Die Studie zeigt außerdem, dass die Genetik sowie andere durch die Familie beeinflussten Faktoren die beobachtete Korrelation kaum beeinflussen. Dies zeigt sich darin, dass sowohl bei verschiedenen alten Brüder als auch bei Zwillingen das Demenz-Risiko des jeweils größeren Mannes geringer ist.

Die Wissenschaftler nehmen daher an, dass die Beziehung aus Körpergröße und Alzheimer-Risiko eher in den Umweltbedingungen zu finden ist. Wie Osler erklärt, „bestätigen die Ergebnisse der Analyse der Daten über Brüder diese Annahme, dass der Zusammenhang möglicherweise gemeinsame Wurzeln in frühen Belastungen durch die Umwelt im Leben hat, die nicht mit familiären Faktoren zusammenhängen, die von Brüdern geteilt werden.“ Eine geringe Körpergröße kann laut den Studienautoren zum Beispiel die Folge einer Krankheit in der Kindheit oder einer schlechten Ernährung sein, die sich auch auf das Demenz-Risiko auswirken kann.

Alzheimer-Risiko von Frauen nicht untersucht

Ob derselbe Effekt auch bei Frauen vorkommt, wurde in der aktuellen Studie nicht untersucht. Laut den Wissenschaftlern „waren frühere Ergebnisse zu potenziellen Geschlechtsunterschieden in diesem Zusammenhang widersprüchlich.“ Sie konstatieren daher, dass „es eher fraglich ist, ob man die Ergebnisse ohne weiteres auf Frauen übertragen kann.“

Diabetologia, doi: 10.1007/s00125-019-04978-8

Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, doi: 10.1098/rspb.2018.1743

eLife, doi: 10.7554/eLife.51168

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