Tau-Proteine

Hoher Salzkonsum könnte Alzheimer auslösen

von Robert Klatt

Tierversuche mit Mäusen haben gezeigt, dass ein zu hoher Salzkonsum Ablagerungen im Gehirn verursacht. Da dieselben Ablagerungen auch bei Menschen mit Alzheimer gefunden werden, ist es wahrscheinlich, dass die kognitive Erkrankung durch zu viel Salz begünstigt wird.

New York (U.S.A.). Natriumchlorid ist für den Menschen essentiell zur Aufrechterhaltung der Gesundheit. Eine zu salzreiche Ernährung begünstigt aber die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien und Bluthochdruck und sorgt dafür, dass an den Folgen jährlich Millionen Menschen sterben. Außerdem haben Studien belegt, dass ein hoher Salzkonsum bei Mäusen zu einer geringeren Gedächtnisleistung führt. Ausgelöst wird dies durch Immunzellen, die durch erhöhten Salzkonsum im Darm der Tiere im Übermaß gebildet werden und die anschließend im Gehirn die Durchblutung einschränken.

Um den bisher kaum erforschten Zusammenhang zwischen einem zu hohen Salzkonsum und der Gehirnfunktion besser verstehen zu können, haben Wissenschaftler vom Weill Cornell Medical College Tierversuche mit Mäusen durchgeführt, bei denen laut der im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie die Tiere mehrere Wochen mit einem sehr salzhaltigem Futter gefüttert wurden.

Gedächtnisleistung der Tiere sinkt

Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die weiterhin das normale Futter erhielt, nahmen die Mäuse das zwischen acht- und 16-Fache an Salz auf. Anschließende Gedächtnistests, bei denen sich die Tiere beispielsweise einen Weg durch ein Labyrinth merken sollten oder Objekte erkennen mussten, wurden von den Tieren mit der salzhaltigen Ernährung deutlich schlechter abgeschlossen.

Eine mögliche Erklärung dafür lieferte eine Untersuchung der Gehirne, in denen sich im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich mehr Tau-Proteine angesammelt hatten. Außerdem wurde festgestellt, dass der hohe Salzkonsum die Stickoxid-Synthese hemmt und dass ein Enzym, dass für die Phosphorylierung des Tau-Proteins nötig ist, vermehrt aktiviert wurde. Die Folge dessen war eine deutlich stärkere Hyperphosphorylierung, die dazu führte, dass die funktionslosen Tau-Proteine sich als Ablagerungen im Gehirn sammelten.

Ablagerungen wie bei Alzheimer

Ähnliche Ablagerungen findet man auch in menschlichen Gehirnen von Alzheimer-Patienten. In der Medizin stehen Tau-Proteine mit Fehlbildungen daher schon seit längerem im Verdacht ein Auslöser von Alzheimer zu sein.

Weitere Versuche, bei denen den Mäusen vor der salzhaltigen Nahrung Antikörper gegen Tau-Proteine verabreicht wurden, zeigten, dass bei den Tieren die Gedächtnisleistung in diesem Fall unverändert bleibt. Laut Guiseppe Faraco „deuten diese Ergebnisse auf eine kausale Verbindung zwischen dem über die Ernährung aufgenommenem Salz und der Tau-Pathologie hin.“ Der Studienleiter betont außerdem, dass „es sich hierbei um einen bisher völlig unbekannten Zusammenhang handelt.“

Noch ist unklar, ob auch beim Menschen ein zu hoher Salzkonsum, der bei einem Großteil der Bevölkerung vorliegt, zu Ablagerungen im Gehirn führt. Sollten weitere Studien diesen Zusammenhang bestätigen, bedeutet dies, dass ein deutlich reduzierter Salzkonsum das Risiko für Alzheimer und andere kognitiven Krankheiten verringern.

Nature, doi: 10.1038/s41586-019-1688-z

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