22 Prozent

Covid-19-Mortalitätsraten in deutschen Krankenhäusern ermittelt

Robert Klatt

In deutschen Krankenhäuser liegt die Covid-19-Mortalitätsrate bei 22 Prozent, bei beatmeten Patienten sind es 53 Prozent, bei Nierenkranken sogar 73 Prozent. Deutschland liegt damit etwa auf dem Niveau von Frankreich. Andere Staaten wie Großbritannien haben eine deutlich höhere Sterblichkeit.

Berlin (Deutschland). Bei gesunden Menschen verläuftein hoher Anteil der SARS-CoV-2-Infektionen ohne Symptome. Ob Covid-19 einen milden oder schweren Krankheitsverlauf nimmt, hängt neben dem Alter und eventuellen Vorerkrankungen laut einer Reihe von Studien auch davon ab, ob der Patient Übergewicht hat, unter Bluthochdruck leidet oder ein Raucher ist. Kürzlich zeigte sich außerdem, dass frühere Infektionen mit heimischen Coronaviren eventuell zu einer Kreuzimmunität führen könnten, die den Krankheitsverlauf bei Covid-19 positiv beeinflusst.

Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) und der Lungenklinik Köln-Merheim haben nun die erste detaillierte Studie zu Mortalitätsraten unter deutschen Covid-19-Patienten im Fachmagazin The Lancet Respiratory Medicine publiziert. Die Wissenschaftler unter Leitung von Christian Karagiannidis haben dazu Gesundheitsdaten von 10.021 Patienten analysiert, die zwischen dem 26. Februar und 19. April 2020 in 920 Kliniken der Bundesrepublik behandelt wurden. Ein Großteil der Patienten war wegen schwere Covid-19-Symptome im Krankenhaus, leichte und mittlere Krankheitsverläufe sind aber zu kleinen Anteilen auch in den Studiendaten vertreten.

22 Prozent Covid-19-Sterberate in deutschen Krankenhäusern

Die Sterberate aller in deutschen Krankenhäusern behandelten Covid-19-Patienten liegt bei 22 Prozent. Laut den Studienautoren „entspricht das etwa dem, was aus Frankreich berichtet wird, ist aber deutlich niedriger als die Mortalität in Großbritannien, wo 39 Prozent der im Krankenhaus wegen Covid-19 behandelten Patienten starben.“ Die Behandlung war im Mittel nach 14 Tagen beendet, etwa ein Viertel der Beatmeten wurde länger als 21 Tage in einem Krankenhaus versorgt.

Insgesamt wurden in Deutschland 17 Prozent aller stationär behandelten Covid-19-Patienten künstlich beatmet. Die Sterblichkeit in dieser Gruppe lag bei 53 Prozent, bei nicht beatmeten Patienten lag die Mortalität bei 16 Prozent.

Unterschiede bei Geschlechtern deutlich

Wie schon vorherige Studien zeigt auch die aktuelle Forschungsarbeit aus Deutschland starke Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Es wurden zwar fast identisch viele Frauen und Männer in Krankenhäusern wegen Covid-19 behandelt, bei Männern mussten aber 22 Prozent beamtet werden, während es bei weiblichen Patienten nur 11 Prozent waren. Die Gesamtsterblichkeit liegt deshalb bei Männern bei 25 Prozent, während bei Frauen 19 Prozent verstarben.

Außerdem zeigt die Studie eine deutliche Korrelation zwischen dem Alter und dem Anteil der künstlich beatmeten Patienten. Bei Patienten bis zu 59 Jahren mussten 15 Prozent künstlich beamtet werden, bei den 60- bis 70-jährigen Patienten 25 Prozent und bei den über 70-jährigen Patienten mehr als 25 Prozent. Jürgen Klauber vom Wissenschaftlichen Institut der AOK erklärt „betreffen die schweren Verläufe eher ältere und gesundheitlich bereits beeinträchtigte Menschen, kommen aber auch bei jüngeren Patienten vor.“

73 Prozent Mortalität bei Nierenkranken

Auch der Einfluss von Vorerkrankungen auf die Covid-19-Mortalität wurde durch die Studiendaten erneut bestätigt. Mehr als 50 Prozent der Patienten mit schweren Krankheitsverläufen litt zuvor unter Bluthochdruck, etwa 25 Prozent hatten Herzrhythmusstörungen oder Diabetes. Außerdem waren Nierenschäden und Herzschwäche bei den schweren Krankheitsverläufen stark vertreten. Die höchste Sterblichkeit hatten in Deutschland mit 73 Prozent Patienten mit Nierenversagens, die per Dialyse versorgt werden mussten.

Zusammenfassend zeigen die Studiendaten laut den Wissenschaftlern, dass in Deutschland vor allen ältere Menschen und schwere Krankheitsverläufe in den Kliniken behandelt werden. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass auch moderne Behandlungsmöglichkeiten bei einem schweren Verlauf ein tödliches Ende oft nicht verhindern können. Klauber warnt deshalb, dass „auch wenn die Infektionszahlen in Deutschland im Moment niedrig sind, weiterhin alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden sollten, um das Infektionsrisiko in der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.“

The Lancet Respiratory Medicine, doi: 10.1016/S2213-2600(20)30316-7

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