Frühere Erkältungen

Covid-19 – Hinweise auf Kreuzimmunität gefunden

Robert Klatt

Das Immunsystem von Menschen, die bereits Kontakt mit heimischen Coronaviren hatten, erkennt auch Fragmente des SARS-CoV-2-Spike-Proteins. Dies könnte eine Kreuzimmunität auslösen.

Berlin (Deutschland). Wissenschaftler der Charité und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik (MPIMG) haben im Fachmagazin Nature eine Studie veröffentlicht, laut der teilweise auch gesunde Menschen Immunzellen besitzen, die SARS-CoV-2 erkennen können. Als Ursache dafür nennt das Team um Julian Braun frühere durch heimische Coronaviren ausgelöste Erkältungskrankheiten, die möglicherweise zu einer Kreuzreaktivität führen.

Die Untersuchung basiert auf Blutproben von 18 COVID-19-Patienten, die aufgrund eines positiven PCR-Tests in der Berliner Klinik behandelt wurden, sowie Blutproben von 68 Probanden, die nachweislich keinerlei Kontakt mit SARS-CoV-2 hatten. Die Forscher isolierten aus diesen Proben die Immunzellen, die anschließend mit Fragmenten eines SARS-CoV-2-Spike-Proteins stimuliert wurden.

Gedächtniszellen erkennen SARS-CoV-2

Wie erwartet zeigen 15 der 18 Immunzellen der zuvor infizierten Patienten eine starke Reaktion. Überraschend war hingegen, dass es auch bei 35 Prozent der gesunden Probanden zu einer Reaktion kam, die belegt, dass deren Immunsystem über Gedächtniszellen verfügt, die SARS-CoV-2 erkennen können.

Dabei kam es aber zu deutlich Unterschieden. Während die Immunzellen der zuvor mit SARS-CoV-2 infizierten Patienten das Spike-Protein auf ganzer Länge erkannten, konnten die Immunzellen der gesunden Probanden lediglich die Fragmente erkennen, deren Struktur starke Ähnlichkeit mit schon lange in Europa verbreiteten relativ harmlosen Coronaviren haben.

Laut Claudia Giesecke-Thiel, Leiterin der Servicegruppe Durchfluss­zytometrie am MPIMG, „deutet das darauf hin, dass die T-Helferzellen der Gesunden auf SARS-CoV-2 reagieren, weil sie sich in der Vergangenheit mit heimischen Erkältungs-Coronaviren auseinander­setzen mussten.“

Kreuzreaktivität nachgewiesen

Um zu untersuchen, ob heimische Coronaviren tatsächlich zu einer Kreuzreaktivität bei SARS-CoV-2 führen, wurde ein weiteres Experiment durchgeführt, bei dem die Immunzellen der gesunden Probanden in Kontakt mit heimischen Coronaviren gebracht wurden. Auch dabei kam es zu Reaktionen, was die Kreuzreaktivität belegt.

Die Wissenschaftler konstatieren, dass ein besserer Schutz des Immunsystems durch die Kreuzreaktivität grundsätzlich denkbar ist, weil dies die Bildung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 beschleunigen kann. Möglicherweise tritt aber auch ein gegenteiliger Effekt auf, der dadurch ausgelöst werden könnte, dass die kreuzreaktive Immunität eine falsche Immunantwort auslöst.

Die Charité-Corona-Cross-Studie der Technische Universität Berlin, der Charité und des MPIMG untersucht nun, welche der Möglichkeiten vorliegt.

Nature, doi: 10.1038/s41586-020-2598-9

Spannend & Interessant
VGWortpixel