Tempolimit empfohlen

Autolärm erhöht Risiko für Angststörungen und Depressionen stark

Robert Klatt

Straßenkreuzung mit lautem Autoverkehr )kcotS ebodAcinorteye(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • Regelmäßiger Verkehrslärm erhöht das Risiko, an Angststörungen und Depressionen zu erkranken, deutlich
  • Das Umweltbundesamt empfielht zum Schutz Bevölkerung ein Tempolimit von 30 km/h in Städten sowie einen Schutz vor nächtlicher Lärmbelastung

Menschen, die regelmäßig Verkehrslärm ausgesetzt sind, erkranken öfter an Angststörungen und Depressionen. Ein Tempolimit von 30 km/h in Städten könnte das Gesundheitsrisiko reduzieren.

Berlin (Deutschland). Zahlreiche Studien zeigen, dass dauerhafter Lärm sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit des Menschen auswirken kann. Autolärm erhöht laut einer Beobachtungsstudie des The Maersk Mc-Kinney Moller Institute etwa das Demenzrisiko deutlich. Eine nun publizierte Studie im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) belegt zudem, dass ständiger Verkehrslärm auch das Risiko für Angststörungen und Depressionen erhöhen kann.

Eine Erhöhung des Lärms von Straßenverkehr, Schienenverkehr oder Flugverkehr um 10 Dezibel kann das Risiko für eine Depression um bis zu vier, fünf und elf Prozent erhöhen. Bei Angststörungen zeigt sich eine Zunahme des Risikos von bis zu drei bzw. 15 Prozent. Laut Dirk Messner, Präsident des UBA, zeigen die Studienergebnisse somit, dass Lärm ein noch stark unterschätztes Gesundheitsrisiko ist.

„Lärm ist nach wie vor ein viel zu stark unterschätztes Gesundheitsrisiko in Deutschland. Viele Menschen sind hohen Lärmbelastungen ausgesetzt, die ihre Gesundheit beeinträchtigen und die Lebensqualität mindern. Unsere Städte ruhiger und damit attraktiver zu machen, ist deshalb eine wichtige Aufgabe für Wissenschaft und Politik!“

Tempolimit von 30 km/h für Städte

Um einen angemessenen Schutz der Bevölkerung vor den negativen Folgen von Umgebungslärm auf das psychische und physische Wohlbefinden zu gewährleisten, empfiehlt das Umweltbundesamt ein Tempolimit von 30 km/h in Städten einzuführen. Des Weiteren sollte der Schutz vor nächtlicher Lärmbelastung verstärkt werden.

Dazu gehört die Einführung eines Aufwachkriteriums im Schienenverkehr sowie die Beschränkung des regelmäßigen Flugbetriebs zwischen 22 und 6 Uhr an Flughäfen, die von dicht besiedelten Gebieten umgeben sind. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, die negativen Auswirkungen von Lärm auf die Gesundheit der Bevölkerung zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Nächtliches Aufwachen durch Schienenverkehrslärm

Die Untersuchung liefert darüber hinaus empirische Befunde bezüglich der langfristigen gesundheitlichen Konsequenzen, die durch nächtliches Erwachen infolge von Schienenverkehrslärm verursacht werden können. Die Auswertung der Daten der LIFE Adult-Studie zeigt, dass sich das Risiko, an einer Angststörung oder Depression zu erkranken, etwa verdoppelt, wenn drei oder mehr nächtliche Aufwachreaktionen durch Schienenverkehrslärm eintreten.

Es ist jedoch anzumerken, dass die LIFE Adult-Studie eine verhältnismäßig junge Kohortenuntersuchung ist, die im Jahr 2011 ins Leben gerufen wurde. Etwa 43 Prozent der Teilnehmenden, die bei der ersten Datenerhebung anwesend waren, konnten nach fünf Jahren zunächst nicht erneut untersucht werden. Dies könnte möglicherweise mit den erschwerten Bedingungen während der Corona-Pandemie zusammenhängen. Daher lassen sich selektionsbedingte Verzerrungen der Forschungsergebnisse der LIFE Adult-Studie nicht gänzlich ausschließen.

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