Zur mobilen Website wechseln?

Organmangel

Antivirale Medikamente ermöglichen Organspenden trotz Hepatitis C

Ärzten ist es gelungen sieben Spendernieren trotz Hepatitis-C-Infektion zu transplantieren. Eine  anschließende Behandlung mit einem antiviralen Medikament konnte bei allen Empfängern den Virus unterdrücken.

Essen (Deutschland). Aktuell warten allein in Deutschland laut einer Statistik der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) etwa 9.500 Menschen auf eine Organspende. Neben der kurzen Aufbewahrungszeit zwischen Entnahme und Transplantation, die derzeit bei neun Stunden liegt und möglicherweise bald das sogenannte Supercooling-Verfahren auf etwa einen Tag erhöht werden könnte, ist auch die geringe Anzahl von Organspendern dafür verantwortlich, dass viele Patienten, denen Ärzte durch ein Spenderorgan das Leben retten könnten, sterben müssen.

Viele Spenderorgane können außerdem derzeit nicht genutzt werden, weil ihr Zustand die Gesundheit des Empfängers gefährden wurde, zum Beispiel weil eine Infektion mit einer ansteckenden Krankheit wie Hepatitis-C oder HIV vorliegt.

Antivirale Medikamente unterdrücken Hepatitis C

Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen haben aus diesem Grund untersucht, ob Organe von Personen mit Hepatitis-C auch als Spenderorgane genutzt werden können. Bisher wurden diese Organe nicht transplantiert, da bei der Operation unvermeidbar auch Krankheitserreger der leberzerstörenden Infektion auf den Empfänger übergehen würden. Laut eines im Fachmagazin Tranplant Infectious Disease veröffentlichten Artikels eignen sich infizierte Spenderorgane inzwischen trotzdem, weil antivirale Medikamente Hepatitis-C beim Empfänger wirksam behandeln können.

Sieben erfolgreiche Transplantation trotz Hepatitis C Infektion

Laut den Ärzten des Universitätsklinikums Essen wurden bereits sieben Patienten, für die es kein geeignetes Spenderorgan eines Hepatitis-freien Organspenders gab, Nieren eines Hepatitiskranker verpflanzt. Wie erwartet konnten die Ärzte den Hepatitis-Virus bereits wenige Tage nach der Operation im Körper der Empfänger nachweisen. Anschließend wurde umgehend eine Behandlung mit einem antiviralen Medikament eingeleitet, die acht bis zwölf Wochen andauert.

Laut den Forschern verlief dies in allen Fällen erfolgreich, was bedeutet, dass die transplantierte Niere ihre Aufgabe erfüllte und dass die Leber des Empfänger trotz des Hepatitis-C-Virus nicht geschädigt wurde. Auch im Blut der Patienten war der Virus nach der Behandlung nicht mehr nachweisbar.

Nutzung infizierter Spenderorgane sicher

Ute Eisenberger, Co-Autorin konstatiert daher, dass „dank der Expertise ihrer Kliniken und Chirurgen konnten in Essen Organe erfolgreich transplantiert wurden, die zuvor als nicht benutzbar galten.“ Die Stichprobe ist laut Eisenberger „zwar noch klein, zeigt aber, dass eine frühzeitige antivirale Medikamentierung machbar und auch sicher ist.“ Weitere Untersuchungen sollen nun herausfinden, welcher therapeutischer Ansatz dabei optimal für den Patienten sind.

Tranplant Infectious Disease, doi: 10.1111/tid.13146

1 Kommentar

Manfred
Es muss doch die Frage gestellt werden, warum werden die Hepatitis erkrankten nicht rechtzeitig therapiert? Wichtig wäre auch, dass die Medikamente zur Behandlung der Hep-C deutlich weniger Kosten verursachen!
Schreib uns deine Meinung
Diese Seite ist geschützt durch reCAPTCHA und es gelten folgende Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen von Google.