Klimawandel

Menschen wünschen sich eine fairere Verteilung der CO₂-Emissionen

 Robert Klatt

Wohlhabende Menschen sollen weniger CO₂ emittieren )kcotS ebodAza.somied(Foto: © 

Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung, also auch ein Großteil der Deutschen, ist für die Hälfte der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Eine große Umfrage zeigt nun, dass viele Menschen sich eine fairere Verteilung der CO₂-Emissionen wünschen. Vermögende Menschen müssten dafür ihren Lebensstil anpassen und auf Urlaubsreisen, Autos und eine fleischreiche Ernährung verzichten.

Konstanz (Deutschland). Die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre hat laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in den letzten 20 Jahren um 11,4 Prozent zugenommen und damit den Klimawandel beschleunigt. Die dafür verantwortlichen CO₂-Emissionen des Menschen sind jedoch nicht gleichverteilt, sondern konzentrieren sich hauptsächlich auf die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung, die etwa die Hälfte der globalen CO₂-Emissionen verantworten. Eine Studie von Oxfam kam kürzlich sogar zu dem Ergebnis, dass die 50 reichsten Milliardäre in 90 Minuten höhere CO₂-Emissionen verursachen als ein Durchschnittsmensch in seinem ganzen Leben.

Forscher der Universität Konstanz haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, wie Menschen die starke Ungleichheit bei den individuellen CO₂-Emissionen wahrnehmen und welche Verteilung der CO₂-Emissionen sie für gerecht halten. An der Umfrage im Rahmen der Konstanzer Life-Studie haben mehr als 1.300 Menschen teilgenommen.

Menschen fairer verteilte CO₂-Emissionen

Laut der Publikation im Fachmagazin Nature Communications wissen die meisten Menschen bereits, dass wohlhabende Personen im Durchschnitt deutlich höhere individuelle CO₂-Emissionen haben als Menschen aus weniger vermögenden Bevölkerungsgruppen. Die Umfrageteilnehmer wünschen sich jedoch größtenteils umgekehrte Verhältnisse und sprechen sich unabhängig von ihrem eigenen Vermögen dafür aus, dass reichere Menschen in Zukunft ihre persönliche Klimabilanz verbessern sollten. Vermögende Menschen müssten dafür ihren Lebensstil anpassen und auf Urlaubsreisen, Autos und eine fleischreiche Ernährung verzichten.

„Aus dem Kontrast zwischen wahrgenommener Realität und gewünschter Idealverteilung lässt sich ein klarer gesellschaftlicher Veränderungswunsch ablesen.“

Zudem zeigt die Umfrage, dass die extrem ungleiche Verteilung der CO₂-Emissionen bereits als gesellschaftliches Problem angesehen wird.

„Die Ungleichverteilung der Emissionen wird als gesellschaftliches Problem erkannt, und es gibt einen breiten Wunsch nach Veränderung – doch viele sehen sich persönlich bereits als Teil der Lösung.“

Wahrnehmungslücke bei CO₂-Emissionen

Obwohl ein entsprechendes Problembewusstsein somit zweifelsohne besteht, schätzen die meisten Menschen ihre persönlichen CO₂-Emissionen deutlich geringer ein, als diese in ihrer Vermögensgruppe im Mittel sind. Die Wissenschaftler erklären, dass die deutliche Differenz zwischen der Selbsteinschätzung und den realen CO₂-Emissionen eine deutliche Wahrnehmungslücke zeigt, die sich aus drei Elementen zusammensetzt.

  • Status quo – Die aktuelle Situation wird von den Befragten gut eingeschätzt und es besteht ein klares Bewusstsein dafür, dass wohlhabendere Bevölkerungsgruppen erheblich höhere CO₂-Emissionen verursachen als weniger vermögende.
  • Idealbild – Die Befragten wünschen sich eine umgekehrte Verteilung, bei der reiche Gruppen künftig eine deutlich emissionsärmere Klimabilanz aufweisen.
  • Selbstwahrnehmung – Die Selbstwahrnehmung stimmt jedoch nicht mit dem Bild überein und viele wohlhabende Menschen halten ihre eigene Klimabilanz für deutlich besser, als sie tatsächlich ist.

Laut den Forschern liefet die Studie neues Wissen, dass die Politik für Klimaschutzmaßnahmen nutzen kann.

„Die bestehenden gesellschaftlichen Wahrnehmungen sind überaus ermutigend. Der breite Konsens, dass sich etwas ändern muss, ist eine wichtige Grundlage für klimapolitische Maßnahmen.“

„Da die Wahrnehmung einen großen Einfluss auf unser Handeln hat, ist es wichtig, diese Wahrnehmungslücke bei der Gestaltung klimapolitischer Maßnahmen zu adressieren, sodass sie als gerecht empfunden werden und folglich in der Bevölkerung breite Unterstützung finden.“

Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-025-61505-7

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