Kostentransparenz

Kosten von Autobesitz in Deutschland stark unterschätzt

von Robert Klatt

In Deutschland werden die Kosten eines Autos im Mittel um 50 Prozent unterschätzt. Kostentransparenz würde die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Elektroautos deutlich erhöhen.

Essen (Deutschland). Laut einer Studie, die in Kooperation vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V., der Universität Mannheim und der Yale University entstanden ist und von der Stiftung Mercator finanziert wurde, unterschätzen Autobesitzer in Deutschland die monatlichen Kosten ihres Fahrzeugs deutlich. Im Mittel lagen die von den Probanden angegeben Kosten laut der im Fachmagazin Nature erschienenen Studie 50 Prozent oder 221 Euro pro Monat unterhalb der real anfallenden Kosten.

Nahezu keine Abweichungen zwischen den geschätzten und den tatsächlichen Kosten gab es bei den 5.483 Probanden lediglich bei den Ausgaben für Benzin und Diesel. Alle weiteren Kosten wie die Versicherung, die Steuern, Reparaturen und vor allem der Wertverlust wurde von einem Großteil der Befragten systematisch unterschätzt oder gar nicht berücksichtigt. Als Bezugsgrundlage zum Vergleich der geschätzten und realen Kosten nutzten die Wissenschaftler Daten des ADAC (PDF).

Weniger Autos bei richtiger Kalkulation

Außerdem untersuchten die Wissenschaftler, welche Auswirkungen es auf den privaten Autobesitz hätte, wenn die Konsumenten die daraus entstehenden Kosten nicht deutlich unterschätzen würden. Es stand dabei besonders im Fokus, ob alternative Verkehrsmittel im Anbetracht der hohen Kosten interessanter werden und ob mehr Kostentransparenz zu weniger privaten Autos führen würde.

Laut der Modellrechnung würden im Idealfall 37 Prozent weniger Autos in Deutschland fahren, wenn ihren Besitzern die vollen Kosten bewusst wären. Dies entspricht 17,6 Millionen Fahrzeugen, die etwa 37 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr reduzieren. Ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und Carsharing-Angebote könnte den Treibhausgasausstoß im Verkehrssektor somit um 20 Prozent reduzieren, was 4,3 Prozent der Gesamtemissionen der Bundesrepublik entspricht.

Elektroautos sowie Bus- und Bahnverkehr könnten steigen

Die Studie zeigt darüber hinaus auch, dass unter Berücksichtigung der tatsächlichen Kosten Elektroautos deutlich an Attraktivität gewinnen und die Nachfrage um 73 Prozent steigen könnte, weil diese laut den genutzten Daten tatsächlich günstiger sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Der Bus- und Bahnverkehr würde hingegen um 8 beziehungsweise 12 Prozent steigen.

Nature, doi: 10.1038/d41586-020-01118-w

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