Robert Klatt
Palmerston North (Neuseeland). Viele Personen sind der Ansicht, dass eine vegane Ernährung den Proteinbedarf nicht komplett decken kann und gesunde Menschen zwingend tierische Lebensmittel benötigen. Forscher der Massey University haben deshalb untersucht, ob vegane Menschen ausreichend Proteine und ein komplettes Aminosäurenprofil über ihre Ernährung aufnehmen.
Laut der Publikation im Fachmagazin PLOS ONE haben an der Studie 193 seit Langem vegan lebende Erwachsene aus Neuseeland teilgenommen. Die Probanden haben ihre Ernährung selbst dokumentiert. Im Mittel bestand diese hauptsächlich aus Getreide und Nudeln (37,3 %), gefolgt von Hülsenfrüchten (26,8 %) sowie Nüssen und Samen (14,2 %). Vegane Ersatzprodukte für Milch und Fleisch haben sie kaum konsumiert.
Die Forscher haben anschließend mithilfe von Nährwertdatenbanken berechnet, wie viele Proteine und welche Aminosäuren die Probanden über ihre Ernährung aufnehmen. Dabei haben sie die True Ileal Digestibility (TID) berücksichtigt, einen Wert, der angibt, wie gut Menschen Proteine verwerten können. Proteine aus Hühnereiern haben eine TID von 100 Prozent, während die meisten anderen Proteinquellen, darunter Sojabohnen (96 %), Joghurt (83 %), Rindfleisch (80 %) und Weizen (59 %), schlechter vom Körper verwendet werden können.
Laut der Analyse liegt die Proteinaufnahme der meisten Veganer über dem empfohlenen Mindestwert. Etwa die Hälfte der Probanden nimmt unter Einbeziehung der Verwertbarkeit jedoch die Aminosäuren Lysin und Leucin in zu geringen Mengen auf. Die Forscher empfehlen deshalb, dass Veganer nicht nur auf die Menge der Proteine, sondern auch auf die Qualität der Proteinquellen achten sollten. Empfehlenswert ist laut ihnen ein hoher Anteil an Hülsenfrüchten sowie Nüssen und Samen, also vegane Lebensmittel mit einer hohen TID.
PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0314889