Lebensmittel

Vegane Fleischalternativen verändern die Muttermilch in wenigen Tagen

 Robert Klatt

Pflanzlicher Fleischersatz verändert Zusammensetzung der Muttermilch )moc.sotohptisopedokhsuteVrogI(Foto: © 

Mütter, die statt Rindfleisch eine vegane Fleischalternative essen, produzieren nach kurzer Zeit eine Muttermilch mit deutlich weniger langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Dies könnte potenziell zu Nachteilen bei der kognitiven Entwicklung und dem Immunsystem der Babys führen.

Austin (U.S.A.). Die Produktion von tierischen Lebensmitteln verursacht signifikante Umweltschäden und beschleunigt durch die hohen CO₂- und Methanemissionen den Klimawandel. Besonders hoch sind laut einer Studie des Bard College die Emissionen von Rindfleisch, das bis zu 40-mal CO₂-intensiver als andere Proteinquellen ist. Immer mehr Menschen reduzieren deshalb ihren Fleischkonsum oder leben komplett vegan oder vegetarisch.

Forscher der University of Texas at Austin (UT) haben nun untersucht, ob eine Ernährung, bei der die Mutter Rindfleisch durch eine vegane Fleischalternative ersetzt, die Zusammensetzung der Muttermilch verändert. An der Studie haben 24 teilgenommen, bei denen die Mütter für einen Zeitraum von 25 Tagen Mahlzeiten erhalten haben, deren Makronährstoffe identisch waren. Die Ernährung hat sich lediglich durch die Hauptproteinquelle unterschieden, die entweder aus unverarbeitetem Rindfleisch oder aus einem kommerziellen pflanzlichen Fleischersatzprodukt bestand.

Fettsäuren der Muttermilch

Die untersuchten Muttermilchproben zeigen, dass die Ernährung bereits nach kurzer Zeit die Muttermilch verändert. Die Gesamtmenge an Fett in der Muttermilch blieb konstant. Mütter, die die pflanzliche Fleischalternative gegessen haben, haben aber Milch mit deutlich weniger langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren produziert. Diese Fettsäuren gelten als essenziell für die neurologische Entwicklung von Säuglingen. Ihre Muttermilch enthielt stattdessen mehr gesättigte Fettsäuren, also Fettsäuren, die oft in stark verarbeiteten Lebensmitteln vorkommen.

„Wir wussten bereits, dass die Muttermilch widerspiegelt, was Mütter essen, aber wir waren überrascht, wie schnell und eindeutig wir diese Veränderungen gesehen haben und das durch den Austausch nur eines Lebensmittels. Diese Art von Forschung hilft, eine wichtige Lücke für stillende Familien zu schließen, die fundierte Entscheidungen treffen möchten, besonders in einem Markt voller stark verarbeiteter pflanzlicher Alternativen, die möglicherweise nicht ernährungsphysiologisch gleichwertig mit vollwertigen Lebensmitteln wie Rindfleisch sind.“

Wie die Forscher erklären, belegen die Veränderungen im Fettsäureprofil der Muttermilch nicht, dass es dadurch zu gesundheitlichen Auswirkungen bei den Säuglingen kommt. Um zu untersuchen, ob es tatsächlich zu Veränderungen kommt, die potenziell zu Nachteilen bei der kognitiven Entwicklung und dem Immunsystem der Babys führen könnten, wäre ein deutlich längerer Beobachtungszeitraum der Kinder nötig.

„Als Wissenschaftlerin im Bereich Verhaltens- und Ernährungsforschung beschäftige ich mich ständig mit der Frage, wie Lebensmittelentscheidungen mit Gesundheit, Identität und Zugang zusammenhängen. Wir sagen nicht, dass ein Lebensmittel ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ ist, aber wir möchten, dass Menschen verstehen, dass selbst Produkte mit ähnlichen ‚Nährwertangaben‘ wichtige Unterschiede aufweisen. In den vergangenen Jahren haben viele epidemiologische Studien Zusammenhänge zwischen stark verarbeiteten Lebensmitteln und schlechteren Gesundheitsergebnissen gezeigt. Jetzt beginnen wir besser zu verstehen, wie groß diese Effekte sind und warum sie auftreten.“

Quellen:

Pressemitteilung der University of Texas at Austin (UT)

Studie im Fachmagazin The American Journal of Clinical Nutrition, doi: 10.1016/j.ajcnut.2025.11.001

Spannend & Interessant
VGWortpixel