Nanobeschichtung

Manuka-Honig schützt nach Operation vor multiresistenten Keimen

Robert Klatt

Manuka-Honig ist den Ureinwohnern Neuseelands schon lange als natürliches Antibiotikum bekannt. Experimente haben nun gezeigt, dass der natürliche antibakterielle Wirkstoff des Honigs nach Operationen auch im Körperinneren Infektionen verhindern kann.

Newcastle (England). Studien haben bereits vor einigen Jahren belegt, dass Manuka-Honig, der bereits von den Ureinwohnern Neuseelands als Medikament genutzt wurde, aufgrund der antibakteriellen Wirkung des Inhaltsstoffs Methylglyoxal als natürliches Antibiotikum genutzt werden. Wissenschaftler der Newcastle University haben nun herausgefunden, dass Manuka-Honig nicht nur zur Behandlung von äußeren Wunden und zur Desinfektion von medizinischen Instrumenten genutzt werden kann, sondern auch Infektionen im Körperinnerinnen unterdrücken kann.

Laut der im Fachmagazin Frontiers in Bioengineering and Biotechnology veröffentlichten Forschungsarbeit könnte Manuka-Honig zum Beispiel nach einer Leistenbruch-Operation, bei der Ärzte häufig ein Kunststoff-Netz in den Körper einnähen, um einen neuen Bruch zu verhindern, als Infektionsschutz genutzt werden. Wie Piergiorgio Gentile, Autor der Studie erklärt, „werden diese Netze implantiert, um den heilenden Geweben Stabilität zu verleihen, bieten aber leider auch Bakterien einen perfekten Nährboden.“ Eine anschließende Behandlung mit Antibiotika ist, sobald die Bakterien auf dem Kunststoff-Netz einen Biofilm gebildet haben nur noch schwer möglich.

Nanobeschichtung aus Manuka-Honig schützt vor Biofilm

Um die Bildung eines Biofilms und die Infektion der Wunde zu verhindern, entwickelten die Wissenschaftler eine Nanobeschichtung aus Manuka-Honig, die in ein biologisch abbaubares Polymer eingebettet wird. Die Honigschicht, die von beiden Seiten von einer Polymerschicht umgeben ist, ist zwischen zehn und 20 Nanometer dick und wird in mehrere Lagen über das Kunststoff-Netz gelegt.

Wie Gentile erklärt sorgt diese Polymer-Verpackung dafür, dass der Honig im Körper der Patienten in der richtigen Dosis abgegeben wird. Zu wenig Manuka-Honig würde das Entstehen einer Infektion nicht verhindern, zu viel Manuka-Honig würde dafür sorgen, dass gesunde Zellen sterben. Durch die 16 Polymerschichten konnten die Forscher sicherstellen, dass die richtige Menge Manuka-Honig kontrolliert in der Wunde freigesetzt wird.

Versuche mit Zellkulturen erfolgreich

Um das Honig-Polymer-Material zu erproben, legten es die Wissenschaftler damit behandelte Kunststoff-Netze in Zellkulturen aus menschliches Bindegewebszellen. Danach wurden die Zellkulturen mit verschiedenen Krankheitserregern, darunter auch multiresistente Krankenhauskeime infiziert. Es zeigte sich dabei, dass bei allen genutzten Keimen die Vermehrung durch die honigbeschichteten Kunststoff-Netze deutlich reduziert werden konnte. Auch die Bildung von Biofilmen wurde den Manuka-Honig unterdrückt. Gentile konstatiert, dass „die Ergebnisse sehr vielversprechend sind.“ Laut ihm „ist es das erste Mal, dass Honig sich auch bei Zellen aus dem Körperinneren als antiinfektiös erweist.“

Weitere Studien sollen nun die Wirkung mit Hilfe von Tierversuchen bestätigen, bevor der klinische Einsatz an menschlichen Probanden folgen kann. Sollte dies erfolgreich verlaufen, könnte Manuka-Honig in Zukunft auch bei anderen Operationen genutzt werden. Außerdem erklären die Wissenschaftler, dass die Kombination aus dem natürlichen Wirkstoff und der modernen Nanotechnologie im Gegensatz zu herkömmlichen Antibiotikabeschichtungen keine so schnelle Resistenzbildung provozieren sollte.

Frontiers in Bioengineering and Biotechnology, doi: 10.3389/fbioe.2019.00344

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