Covid-19 (2019-nCoV)

Klinische Studien – Ebola-Medikament könnte auch Corona heilen

von Robert Klatt

Der Wirkstoff Remdesivir wurde eigentlich zur Bekämpfung von Ebola entwickelt. Bei einer experimentellen Behandlung eines Corona-Patienten in den USA konnte das Medikament die Symptome der Krankheit aber auch schnell reduzieren. 

Alberta (Kanada). Menschen, die am Ende 2019 in China ausgebrochen Coronavirus (2019-nCoV) erkranken, können bisher nur unterstützend behandelt werden. Einen Wirkstoff, der direkt gegen die Viren vorgeht, gibt es hingegen bisher nicht. Auch das kürzlich entdeckte Molekül CR-31-B kann in Zellkulturen zwar die Vermehrung des Coronavirus hemmen, besitzt aber noch keine Zulassung als Medikament. Neue Hoffnung machen nun klinische Studien der University of Alberta und des Pharmakonzerns Gilead.

Einige antivirale Mittel, die eigentlich für andere Erreger entwickelt wurden, könnten auch gegen den Coronavirus helfen. Derzeit wird die Wirkung verschiedener Medikamente gegen HIV und die des Grippe-Medikaments Tamiflu untersucht. Außerdem werden auch Wirkstoffe analysiert, die in Tierversuchen gegen SARS und Mers-CoV wirksam waren, weil diese Viren große Gemeinsamkeiten mit dem Coronavirus besitzen.

Ebola Medikament Remdesivir als Corona Heilmittel?

Die bisher größten Erfolge wurden jedoch mit dem Wirkstoff Remdesivir erzielt, der von Gilead zur Bekämpfungvon Ebola entwickelt wurde, sich in klinischen Studien aber als wenig effektiv zeigte. Tierversuche mit Remdesivir bestätigten dem Wirkstoff überraschend eine hohe Effektivität gegen SARS, Mers-CoV und andere RNA-Viren. Außerdem wurde der Wirkstoff anhand von Untersuchungen an Ebola-Patienten und gesunden Probanden bereits eine gute Verträglichkeit und geringe Nebenwirkungen bestätigt.

Remdesivir ersetzt Nukleotidbausteine in den RNA-Viren

Der Wirkstoff Remdesivir gehört zu den Nukleotidanalogen. Es handelt sich dabei um Wirkstoffe, deren Struktur der Bausteine ähnelt, die RNA-Viren zur Vermehrung benötigen. Es kann so die viralen Enzyme, die bei der Vermehrung der Viren die Erbgutstränge aufbauen, täuschen und deren Arbeit stören. Durch die strukturellen Gemeinsamkeiten der RNA-Bausteine und des Wirkstoffs bauen die Enzyme statt der Nukleotidbausteine deshalb den Wirkstoff Remdesivir in die Viren-RNA ein.

Wie Matthias Götte von der University of Alberta erklärt, „kann sich das Virus nicht länger replizieren, wenn der Wirkstoff einmal in die wachsende RNA eingebaut ist.“ Laut einer Studie, die im Journal of Biological Chemistry veröffentlicht wurde, könnte dieses Wirkungsprinzip auch bei Coronaviren wie SARS und Mers-CoV funktionieren.

Es gibt laut den Wissenschaftlern „zwar leichte Unterschiede gegenüber dem Wirkmechanismus gegen Ebola“, das Grundprinzip funktioniert aber in beiden Fällen. Götte ist daher „vorsichtig optimistisch, dass die Wirkung gegen Mers-CoV auch für Covid-19 gelten könnte.“

Behandlungen mit Remdesivir bestätigen Annahmen

Erste Behandlungserfahrungen mit Remdesivir aus den USA und China, wo das Medikament bei Patienten mit dem neuen Coronavirus eingesetzt wurde, bestätigen die Annahmen der Wissenschaftler. Bei einem Patienten in den USA, der den Wirkstoff am siebten Tag seiner Erkrankung erhielt, sind laut einer Veröffentlichung im New England Journal of Medicine die Symptome bereits nach einem Tag deutlich schwächer. Studien mit 700 Patienten in Wuhan und Peking sollen diese Wirkung nun bestätigen.

Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) erklärt jedoch, dass „obwohl Remdesivir bereits einigen Patienten mit Covid-19 verabreicht worden ist, bisher nicht genügend verlässliche Daten vorliegen, um zu wissen, ob es wirklich den Verlauf beeinflussen kann.“

Studienergebnisse Anfang April erwartet

Neben den Studien in Peking und Wuhan führt derzeit auch das Medical Center der University of Nebraska in Omaha eine Studie mit dem Wirkstoff Remdesivir durch. Bei der randomisierten klinischen Studie wird Patienten mit einer durch den Coronavirus verursachten Lungenentzündung am ersten Behandlungstag 200 Milligramm Remdesivir intravenös verabreicht und an den folgenden Tagen jeweils 100 einer. Laut Fauci „ist eine randomisierte Placebo-kontrollierte Studie der Goldstandard, um herauszufinden, ob eine experimentelle Therapie den Patienten wirklich helfen kann.“

Auch in Asien wird eine Großstudie mit 1.000 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, durchgeführt. Die Dosierung ist dabei ähnlich und soll untersuchen, ob das Ebola Medikament auch bei mittleren und schweren Formen der Krankheit helfen kann und wie lange der Wirkstoff verabreicht werden muss. Merdad Parsey, Medizinischer Forschungsleiter bei Gilead erklärt, dass „diese ergänzenden Studien dabei helfen, in kurzer Zeit eine breitere, globale Datenbasis zum Wirkprofil des Mittels zu schaffen.“

Die Ergebnisse der beiden Studien werden Anfang April erwartet. Sollte der Wirkstoff Remdesivir auch gegen SARS-CoV-2 wirken, könnte dies zwar nicht die Verbreitung stoppen, weitere Todesfälle durch Covid-19 aber deutlich einschränken. Trotzdem ist Götte der Ansicht, dass auch bei einer Wirksamkeit gegen den Virus Remdesivir allein nicht als Gegenmittel bei einer globalen Pandemie ausreichen würde.

Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.AC120.013056

New England Journal of Medicine, doi: 10.1056/NEJMoa2001191

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