Zellversuche erfolgreich

Neuer Wirkstoff hemmt die Vermehrung des Coronavirus

Robert Klatt

Das Molekül CR-31-B hemmt die Vermehrung des Coronavirus deutlich. Eine Zulassung als Medikament fehlt allerdings noch.

Marburg (Deutschland). Der Ende Dezember 2019 in China ausgebrochene Coronavirus (2019-nCoV) hat inzwischen mehr als 8.000 Menschen infiziert und fast 200 Todesfälle verursacht. Aufgrund der schnell steigenden Infektionszahlen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen den Notfall für die öffentliche Gesundheit von internationalem Ausmaß (PHEIC) ausgerufen.

Neben der schnellen Verbreitung der Krankheit sind laut der Medizin die fehlenden Behandlungsmöglichkeiten besonders problematisch. Aktuell können Ärzte zwar die Symptome behandeln und somit bei jungen und noch nicht vorbelasteten Menschen für überwiegend milde Krankheitsverläufe sorgen, eine Möglichkeit die Coronaviren direkt zu bekämpfen fehlt aber bisher. Nun haben Wissenschaftler der Universität Marburg im Fachmagazin Antiviral Research einen neuen Wirkstoff vorgestellt, der in Labortests die Vermehrung von Coronaviren erfolgreich hemmen konnte.

Wirkstoff auf pflanzlicher Basis

Wie Studienleiter Christin Müller erklärt, haben die Wissenschaftler auf der Suche nach einem Hemmstoff gegen den Virus Silvestrol untersucht. Es handelt sich dabei um einen Naturstoff, der von den Mahagoni-Gewächsen der Gattung Aglaia gebildet wird. Als traditionelles Heilmittel wird diese Pflanze unter anderem in Borneo schon seit langem gegen unterschiedliche Erkrankungen eingesetzt.

Die Wirkung gegen den Coronavirus basiert auf der Blockierung des Enzyms eIF4A in den Körperzellen der infizierten Personen, das die Viren benötigen, um ihre eigenen Proteine herzustellen und sich so zu vermehren. Wie Arnold Grünweller, Co-Autor der Studie erklärt, ist „Silvestrol chemisch leider sehr schwer herzustellen.“ In größeren Mengen kann die Substanz also nur direkt auf den Pflanzen gewonnen werden.

Künstlicher Wirkstoff gegen Coronaviren

Auf der Suche nach einem alternativen Wirkstoff, der in größeren Mengen erzeugt werden kann, fanden die Wissenschaftler das Molekül CR-31-B, dessen Struktur der von Silvestrol sehr ähnlich ist. Gleichzeitig ist das Molekül aufgrund einer fehlenden chemischen Gruppe deutlich weniger komplex und lässt sich so leichter künstlich synthetisieren.

Um zu untersuchen, ob die antivirale Wirkung des Moleküls CR-31-B auf dem Niveau von Silvestrol liegt, haben die Wissenschaftler Experimente mit Zellkulturen durchgeführt, die mit dem Coronavirus infiziert wurden. Es zeigte sich dabei, dass beide Wirkstoffe die Viruskonzentration in den Zellen gleichermaßen zurückgehen lassen. Neben dem Coronavirus wirken beide Stoffe auch gegen Zika-, Lassa- und Krim-Kongo-Fieber-Viren. Einzig beim Hepatitis E-Erreger ist die Wirkung von Silvestrol deutlich besser als die des künstlichen Wirkstoffs.

Zulassung als Medikament ausstehend

Grünweller konstatiert daher, dass „Die Ergebnisse bestätigen, dass CR-31-B eine ähnlich starke Wirksamkeit gegen ein breites Spektrum von Viren entfaltet wie Silvestrol.“ Derzeit kann aufgrund einer fehlenden Zulassung des Moleküls als Medikament der Wirkstoff allerdings noch nicht klinisch eingesetzt werden. Bei der Behandlung des aktuellen Ausbruchs des Coronavirus wird CR-31-B deshalb noch nicht verwendet werden.

Antiviral Research, doi: j.antiviral.2020.104706

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