Infektionskrankheiten

Impfgegner in Deutschland stark vertreten

Robert Klatt

Impfgegner sind im europäischen Vergleich in Deutschland überdurchschnittlich stark vertreten. Ausgelöst wird dies durch mangelndes Vertrauen in das Gesundheitssystem und unseriöse Informationsquellen.

Grenoble (Frankreich). Die Ausbreitung vieler Infektionskrankheiten, darunter zum Beispiel Masern, Röteln und Windpocken könnte durch moderne Impfstoffe eigentlich nahezu vollkommen verhindert werden. Eine in vielen Ländern herrschende Impfmüdigkeit sorgte in den letzten Jahren jedoch dafür, dass vermehrt Neuinfektionen mit diesen Krankheiten auftreten. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich Impfgegner deshalb inzwischen zu einer globalen Bedrohung entwickelt.

Besonders deutlich wird die paradoxe Situation im Anbetracht der Corona-Pandemie und der verzweifelten Forschung an möglichen Impfstoffen. Wie Michael Baumann vom Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) erklärt, „erleben wir mit der Covid-19-Pandemie derzeit hautnah, welche zentrale Bedeutung Impfungen für unsere Gesundheit haben.“ Wie Baumann hinzufügt, „passt das nicht gut mit unseren jahrelangen Beobachtungen zusammen, dass Impfungen, die gegen schwere oder sogar lebensbedrohliche Erkrankungen heute bereits zur Verfügung stehen, nicht ausreichend eingesetzt werden.“

15.000 Eltern zu Impfungen befragt

Wissenschaftler vom Hospital Grenoble in Frankreich haben nun Ergebnisse einer Befragung von 15.000 Eltern mit neugeborenen bis zweijährigen Kindern veröffentlicht, die zeigt, welche Einstellungen zu Impfungen in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien bestehen. Durchgeführt wurde die Onlinebefragung bereits Ende 2019, also vor dem Beginn der Corona-Pandemie in Europa.

Laut den Studienergebnissen liegt der Anteil der Eltern mit einer grundsätzlich positiven Einstellung gegenüber Schutzimpfungen bei den untersuchten Ländern zwischen 73 und 94 Prozent. Die geringste Akzeptanz fanden die Wissenschaftler um Jean Paul Stahl in Frankreich, die höchste Akzeptanz in Spanien. In Deutschland sind 88 Prozent der Probanden positiv gegenüber Schutzimpfungen eingestellt.

Gesundheitssystem beeinflusst Vertrauen in Impfungen

Als Grund für die deutlichen Differenzen bei der Impfbereitschaft sehen die Wissenschaftler das Vertrauen in das Gesundheitssystem der jeweiligen Länder. Spanien, das bei der Impfbereitschaft am besten abgeschnitten hat, erreicht in der Befragung mit acht von zehn Punkten auch das höchste Vertrauen in das Gesundheitssystem. Frankreich kommt hier nur auf sieben von zehn Punkten, in Deutschland wurden 7,5 Punkte erreicht.

Überdurchschnittlich viele Impfgegner in Deutschland 

Neben der generellen Einstellung zu Impfungen untersuchten die Wissenschaftler auch, wie stark die völlige Ablehnung von Impfungen vertreten ist. In Großbritannien weigern sich 3,2 Prozent der Eltern ihre Kinder selbst gegen schwere Infektionskrankheiten zu impfen. Auch Deutschland liegt mit 2,6 Prozent strikter Impfgegner über dem Durchschnitt. Ähnliche Ergebnisse liefern auch die Fragen zu einer generellen Impfpflicht, die in Deutschland nur 73,1 Prozent der Eltern befürworten. In Spanien halten 87 Prozent der Probanden ein entsprechendes Gesetz für sinnvoll.

Informationsquellen über Impfungen entscheidend

Neben dem Vertrauen in das Gesundheitssystem sind laut Stahl auch die Informationsquellen der Eltern von hoher Bedeutung. In Deutschland und Großbritannien, bei denen Impfgegner überdurchschnittlich oft vorkommen, werden Informationen zu Impfungen von 37,2 Prozent der Probanden hauptsächlich im Internet eingeholt. In Spanien und Italien, die deutlich weniger Impfgegner haben, beziehen nur 15 Prozent der Eltern ihr Wissen über Impfungen größtenteils online.

Inzwischen als falsch belegte Informationen laut denen beispielsweise Impfungen das Allergie-Risiko erhöhen erhalten so mehr Aufmerksamkeit als wissenschaftliche Studien oder seriöse Informationsquellen und sorgen dafür, dass Eltern vermehrt ein falsches Bild von Impfungen erhalten.

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