Wake-Effekte

Windparks verändern die Meeresströmungen in der Nordsee

 Robert Klatt

Windpark in der Nordsee )moc.sotohptisopedkcotseriW(Foto: © 

Die Offshore-Windparks in der Nordsee werden massiv ausgebaut. Nun wurde entdeckt, dass ihr Wake-Effekt dafür sorgt, dass sich die Strömungsmuster des Meeres stark verändern.

Geesthacht (Deutschland). Im deutschen Nordseegebiet soll die installierte Windkraftleistung bis 2050 auf 70 Gigawatt (GW) ausgebaut werden, unter anderem durch den größten Windpark He Dreiht, der rund 1,1 Millionen Haushalte mit Strom versorgen kann. Umweltschutzorganisationen kritisieren diese starken Eingriffe in das Ökosystem jedoch teils stark, etwa weil die Offshore-Windparks manche Wasservögel vertreiben.

Forscher des Helmholtz-Zentrums Hereon haben nun eine neue Studie publiziert, die untersucht hat, wie die sogenannten Wake-Effekte der geplanten Windparks sich auf die Strömungsmuster des Meeres auswirken. Laut den Ergebnissen der Simulation können die Wirkung der Rotorblätter, die dem Wind seine Energie entziehen und dadurch die Oberflächenströmung verändern, sowie die Wirkung der Fundamente, die die Gezeitenströmung beeinflussen, dazu führen, dass die Oberflächengeschwindigkeiten in der Nordsee um bis zu 20 Prozent sinken.

„Unsere Simulationen zeichnen ein neues, fein strukturiertes Strömungsbild, das sich nicht nur innerhalb der Windparks zeigt, sondern sich in der Nordsee ausbreiten kann – mit bis zu 20 Prozent verlangsamten Oberflächengeschwindigkeiten bei einem Ausbauszenario für 2050.“

Reduzierte Oberflächenströmung in der Nordsee

Laut den Forschern kann nur schwer prognostiziert werden, welche Auswirkungen die reduzierte Oberflächenströmung in der Nordsee haben wird, unter anderem, weil noch nicht bekannt ist, ob dadurch weniger Sediment zum Land gespült wird. Wie Corinna Schrum, Leiterin des Instituts für Küstensysteme am Helmholtz-Zentrum Hereon, erklärt, ist dies besonders in Hinblick auf den Küstenschutz relevant. Zudem erwarten die Forscher, dass die schwächere Meeresströmung Auswirkungen auf die Umwelt, die Fischerei, das Katastrophenmanagement und den Schiffsverkehr haben wird.

Die Effekte können teilweise positiv sein. Ein ruhigerer Wellengang könnte etwa dazu führen, dass Schiffe besser die Nordsee befahren können, und die reduzierte Strömung könnte das Planktonwachstum anregen und dadurch zu größeren Fischbeständen führen. Angesichts der starken Unklarheiten wollen die Forscher die Wechselwirkungen genauer untersuchen. Sie sprechen sich aber dafür aus, die Gegebenheiten in der Nordsee so gering wie möglich zu verändern.

„Jede Hafenanlage, sogar jedes Schiff hat Einfluss. Erstrebenswert ist eine möglichst geringe Veränderung des natürlichen Zustands.“

Der bisherige Forschungsstand zeigt schon, dass Windräder die Meeresströmungen je weniger beeinflussen, je höher sie sind und je weiter sie sich voneinander befinden. Die Forscher empfehlen daher, dass dies bei der Planung von neuen Windparks berücksichtigt werden sollte.

„Die Reduzierung des Winds passiert dann in einer höheren Schicht der Atmosphäre und wirkt sich nicht so sehr auf die Meeresoberfläche aus.“

Quellen:

Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums Hereon

Studie im Fachmagazin Communications Earth & Environment, doi: 10.1038/s43247-026-03186-8

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