Ernährung

Wie nachhaltig sind Insektenfarmen in Deutschland wirklich?

 Robert Klatt

Industrielle Insektenzucht )moc.sotohptisopedsdnertotohpkcots(Foto: © 

Insektenprotein gilt als deutlich umwelt- und klimafreundlichere Alternative zu Rindfleisch und Co. Nun wurde analysiert, ob die Proteinquelle tatsächlich nachhaltiger ist, wenn die Insekten in gemäßigten Klimazonen wie Deutschland gezüchtet werden.

Stockholm (Schweden). Die Produktion von tierischen Proteinen ist sehr CO₂-intensiv, vor allem die von Rindfleisch, das bis zu 40-mal höhere Emissionen als andere Proteinquellen verursacht. Die Wissenschaft und unterschiedliche Unternehmen arbeiten deshalb seit Langem an alternativen Lebensmitteln auf Basis von Insektenproteinen, weil diese weniger anspruchsvoll sind und deutlich kleinere Klima- und Umweltschäden verursachen.

Forscher des Stockholm Environment Institute (SEI) haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, wie umweltfreundlich große Insektenfarmen in wohlhabenden Ländern in gemäßigten Klimazonen, also beispielsweise in Deutschland, tatsächlich sind. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Umweltbilanz stark schwankt und vor allem davon abhängt, welches Futter die Insekten erhalten und wie viel Energie die Insektenfarmen benötigen.

„Nach aktueller Datenlage ist der ökologische Nutzen deutlich weniger eindeutig, als oft angenommen wird.“

CO₂-Emissionen von Insektenfarmen

Laut der Studie verursacht die Produktion eines Kilogramms Insektenprotein im Mittel 13,5 Kilogramm CO₂, also deutlich weniger als ein Kilogramm Protein aus Rindfleisch, das zwischen 75 und 170 Kilogramm CO₂ freisetzt.

„Die höchsten Emissions-Niveaus bei den Insekten liegen aber nahe an den oberen Werten für Geflügel.“

Der Flächenbedarf der Insektenfarmen ist deutlich geringer als bei der Fleischproduktion. Er kann aber den Flächenverbrauch von Soja übertreffen, wenn sie Insekten nicht mit organischen Abfällen, sondern mit frischen Pflanzen gefüttert werden.

Insekten als Lebensmittel oder Tierfutter?

Wie die Forscher erklären, ist es zudem wichtig, dass Insektenmehl oft nicht zu Lebensmitteln für den Menschen verarbeitet wird, sondern ähnlich wie Soja- und Fischmehl im Tierfutter landet. Es ersetzt also teilweise Produkte, die deutlich geringere CO₂-Emissionen verursachen. Insekten, die für die menschliche Ernährung verwendet werden, werden zudem zu Lebensmitteln wie Nudeln und Brot verarbeitet. Sie ersetzen also nur selten Fleisch, sondern ergänzen dieses eher.

„Statt eine alternative Proteinquelle darzustellen, spiegelt und verstärkt das Insektenfarming oft viele der Probleme in der konventionellen Tierhaltung.“

Zudem ist es problematisch, dass viele Insektenarten höhere Temperaturen brauchen und deshalb in eher kühlen Regionen von Nordamerika und Europa in beheizten Anlagen gezüchtet werden müssen. Wenn diese nicht mit CO₂-neutraler Energie beheizt werden, wird die Klimabilanz des Insektenproteins noch schlechter.

Laut den Autoren bedeuten die Ergebnisse aber nicht, dass Insektenprotein kein nachhaltiges Lebensmittel sein kann. In tropischen Ländern, in denen keine Heizung erforderlich ist und die Insekten mit organischem Müll gefüttert werden können, ist das Protein deutlich klimafreundlicher als die verfügbaren Alternativen. in gemäßigten Klimazonen wie Deutschland ist die industrielle Insektenzucht hingegen nicht immer die klimafreundlichste Alternative.

„Wenn die Insektenproduktion hauptsächlich andere Tiere füttert, ohne den Fleischkonsum zu senken, sollten sich politische Entscheidungsträger fragen, ob diese Investitionen unser Ernährungssystem verändern oder es lediglich stabilisieren.“

Quellen:

Studie des Stockholm Environment Institute (SEI), doi: 10.51414/sei2026.010

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