Robert Klatt
Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens) liefern deutlich umwelt- und klimafreundlichere tierische Proteine als Rindfleisch und ähnliche Quellen. Nun wurde analysiert, wie die gefressene Biomasse sich auf die Klimabilanz der Insekten auswirkt.
Dummerstorf (Deutschland). Die Produktion von tierischen Proteinen, allen voran Rindfleisch, das bis zu 40-mal CO₂-intensiver als andere Proteinquellen ist, verursacht signifikante Umwelt- und Klimaschäden. Die Wissenschaft sucht deshalb nach alternativen Lebensmitteln, die eine ausreichende, aber auch nachhaltige Proteinversorgung ermöglichen. Eine dieser Alternativen ist die Larve der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens), deren Protein dem Sojaprotein ähnelt.
Die Soldatenfliegenlarven können auf unterschiedlichen Biomassequellen leben, darunter auch Reste der Lebensmittelindustrie, die normalerweise im Müll landen würden. Eine Studie des National Research Institute for Agriculture, Food and Environment (INRAE) hat kürzlich gezeigt, dass diese sogenannten Waste-to-Nutrition-Verfahren die CO₂-Emissionen der Insektenzucht deutlich reduzieren und die Ernährung nachhaltiger machen. Man geht deshalb davon aus, dass Soldatenfliegenlarven und ähnliche Insekten die Proteinproduktion deutlich umwelt- und klimafreundlich machen können.
Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) haben nun eine Studie publiziert, die erstmals systematisch untersucht hat, wie die Qualität und Nährstoffzusammensetzung der Biomasse sich auf den Nährstoffgehalt und die CO₂-Emissionen von Soldatenfliegenlarven auswirkt. Die zwischen dem neunten und 16. Tag erhobenen Emissionsdaten zeigen, dass die CO₂- und Ammoniakemissionen stark durch die Nährstoffzusammensetzung der gefressenen Biomasse beeinflusst werden.
Wenn die Biomasse nährstoffarm ist, wachsen die Insekten deutlich schlechter und produzieren weniger Protein, emittieren aber mehr CO₂. Eine sehr nährstoffhaltige Biomasse sorgt hingegen für ein besseres Wachstum und einen höheren Proteingehalt, aber am Ende der Wachstumsphase auch für höhere Ammoniakemissionen.
Laut den Forschern ist es entscheidend, wie die Emissionen der Insektenzucht bewertet werden.
„Emissionen lassen sich nur sinnvoll einordnen, wenn sie auf den tatsächlichen Output bezogen werden, etwa auf den Proteinansatz oder die Trockenmasse der Larven. Höhere absolute Emissionen bedeuten nicht zwangsläufig eine schlechtere Klimabilanz, wenn die Emissionen je Einheit des erzeugten hochwertigen Proteins geringer sind.“
Die Studiendaten zeigen, dass die CO₂-Emissionen der Soldatenfliegenlarven im Verhältnis zur produzierten Proteinmenge deutlich geringer sind als bei Rindern, Hühnern und Schweinen. Die quantitativen Emissionsdaten helfen zudem dabei, das Futter der Insektenlarven so zu optimieren, dass diese besonders effizient Proteine produzieren, also das optimale Verhältnis aus Proteinen und Emissionen erreichen.
In weiteren Studien möchten die Forscher bald den gesamten Lebenszyklus für das Insektenprotein analysieren, also nicht nur die Emissionen beim Wachstum der Soldatenfliegenlarven, sondern auch die Emissionen, die etwa bei der Produktion der Futtermittel anfallen.
Quellen:
Pressemitteilung des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN)
Studie im Fachmagazin Bioresource Technology, doi: 10.1016/j.biortech.2025.133812