Robert Klatt
Manche Forscher sind der Ansicht, dass der Klimawandel nur durch solares Geoengineering begrenzt werden kann. Nun wurde eine Studie publiziert, laut der die Maßnahmen einen Terminationsschock auslösen könnten, dessen Schäden, die des Klimawandels übertreffen würden.
Mexiko-Stadt (Mexiko). Die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre hat seit 2004 um mehr als zehn Prozent zugenommen. Einige Wissenschaftler sind angesichts dieser Entwicklung der Ansicht, dass der Klimawandel nur verlangsamt werden kann, wenn man die Sonneneinstrahlung um ein bis zwei Prozent reduziert. In den letzten Jahren hat die Wissenschaft mehrere Optionen für das sogenannte solare Geoengineering konzipiert, etwa ein Cluster aus Blasen im Weltraum, ein gigantischer Sonnenschirm im Weltraum und Diamantstaub in der obersten Luftschicht der Atmosphäre, der Sonnenlicht in den Weltraum reflektieren soll.
In der Wissenschaft gibt es aber auch kritische Stimmen, laut denen das solare Geoengineering große Risiken haben könnte oder schlicht technisch oder wirtschaftlich nicht umsetzbar ist. Forscher der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) haben nun eine Studie publiziert, die die Risiken untersucht hat und sich mit Fragen beschäftigt hat, ob solares Geoengineering ökonomisch sinnvoll ist und unter den aktuellen soziopolitischen Bedingungen umsetzbar wäre.
„Solares Geoengineering ergibt sich direkt aus der Verzweiflung, die durch das Scheitern internationaler Klimaschutzmaßnahmen hervorgerufen wird.“
Laut der Studie könnte Geoengineering, wenn es durch die Maßnahmen nicht zu weiteren Problemen kommt, die Auswirkungen des Klimawandels halbieren. Die Autoren erklären jedoch, dass die Maßnahmen erhebliche Folgeprobleme verursachen könnten, darunter etwa einen sogenannten „Terminationsschock“, der durch ein plötzliches Ende des Geoengineerings entstehen kann und signifikante Veränderungen der Wettermuster auslösen würde.
Um die wirtschaftlichen Auswirkungen zu berechnen, haben die Forscher ein Modell verwendet, in dem bereits 2020 Aerosole in der Atmosphäre freigesetzt wurden. Der Temperaturanstieg konnte dadurch bis 2100 auf 2,8 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden, während die Forschung aktuell davon ausgeht, dass der Klimawandel bis zu diesem Zeitpunkt zu einem realen Temperaturanstieg von 4,5 Grad Celsius führen wird.
Das Modell zeigt, dass ein plötzliches Ende des hypothetischen Geoengineerings nach zehn Jahren dazu führen würde, dass die globale Temperatur bis 2038 um 0,6 Grad Celsius zunehmen würde. Es würden dadurch Kosten von rund einer Billion US-Dollar bis 2100 entstehen, während die ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels ohne eine Begrenzung durch Geoengineering oder andere Klimaschutzmaßnahmen auf 868 Milliarden US-Dollar geschätzt werden.
Ein plötzliches Ende des Geoengineering und der daraus resultierende Terminationsschock würden also rund 15 Prozent höhere Kosten verursachen. Die hohen Kosten entstehen vor allem, weil das plötzliche Auftreten der klimatischen Änderung den betroffenen Parteien, etwa der Landwirtschaft, nicht ausreichend Zeit für entsprechende Anpassungsmaßnahmen lässt.
„Ein Terminationsschock wäre viel schlimmer, als wenn wir nichts tun würden und der Klimawandel ungebremst weiterginge.“
Die Studie hat zudem untersucht, ob sicheres Geoengineering möglich ist. Laut dem Modell kann dies nur funktionieren, wenn man sicherstellt, dass die Maßnahmen für das solare Geoengineering nicht plötzlich ausfallen und ein Ende nur schrittweise über Jahrzehnte erfolgt. Angesichts der politischen Probleme und Kriege auf der Erde ist es somit unwahrscheinlich, dass Geoengineering sicher umgesetzt werden kann, weil die dafür nötige internationale Zusammenarbeit und langfristige Planbarkeit fehlen.
„Ironischerweise sind es ausgerechnet die gleichen Governance-Versäumnisse, die solares Geoengineering politisch attraktiv machen, die die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb untergraben.“
Die Forscher sind deshalb der Meinung, dass solares Geoengineering nur eine mittelfristige Ergänzung sein kann und eine Reduzierung der CO₂-Emissionen nicht ersetzt.
Quellen:
Studie im Fachmagazin Environmental Research Climate, doi: 10.1088/2752-5295/ae33df