Robert Klatt
München (Deutschland). Der Klimawandel sorgt dafür, dass Wetterextreme, etwa Starkregen, Dürren und Hitzewellen, immer öfter auftreten. Laut einer Studie des Earth and Society Research Hub (ESRAH) der Universität Hamburg (UHH) trifft dies auch auf Mittel- und Nordeuropa zu, also klimatisch gemäßigte Regionen, in denen die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen deutlich zugenommen hat. Forscher des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo für Information und Forschung) haben nun eine Studie publiziert, laut der diese Entwicklung dazu führt, dass es in vielen Ländern in den kommenden Jahren vermehrt zu Stromausfällen kommen wird.
Die Forscher haben für ihre Studie analysiert, wie oft in Deutschland, Australien, Brasilien, China und Mexiko im Zeitraum von 2013 bis 2023 Stromausfälle aufgetreten sind. Laut den Daten treten Stromausfälle vor allem während Extremwettereignissen auf, also während Ereignissen, die durch den Klimawandel zunehmen.
„Deutschland hat ein vergleichsweise zuverlässiges Stromnetz, aber Extremwetter und Hitzewellen werden auch hierzulande die Infrastruktur zunehmend unter Druck setzen.“
Laut der Studie treten ungeplante Stromausfälle in Deutschland vor allem im Hochsommer auf. In den untersuchten Dezembermonaten war die Zahl der Stromausfälle in der Bundesrepublik im Mittel am geringsten (3.616) und in den Julimonaten am höchsten (5.546). In den warmen Sommermonaten, die global durch den Klimawandel immer länger werden, ist das Risiko für einen Stromausfall somit deutlich höher als in kühleren Jahreszeiten. Den Rekord hat der Sturm Niklas am 31. März 2015 verursacht, durch den es in Deutschland an einem einzigen Tag zu 1.887 Stromausfällen gekommen ist.
„Extreme Hitze, Gewitter und stärkere Stürme im Sommer belasten das deutsche Stromsystem spürbar. Jedoch fällt im Vergleich zu Brasilien oder Mexiko in absoluten Zahlen der Strom in Deutschland deutlich seltener aus.“
In Deutschland dauert ein ungeplanter Stromausfall im Mittel rund zwei Stunden. In den anderen untersuchten Ländern ist die Dauer deutlich höher, darunter etwa China, wo ein ungeplanter Stromausfall durchschnittlich rund sechs Stunden andauert.
Wie die Autoren erklären, sorgt die zunehmende Vernetzung der Stromnetze in Europa dafür, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland zunimmt. In vielen anderen Ländern sind die Stromnetze aber deutlich weniger mit dem Ausland vernetzt und können somit Schwankungen schlechter ausgleichen. Das Risiko für längere Stromausfälle und Kettenausfälle, die mehrere Länder betreffen, nimmt in diesen Regionen durch den Klimawandel besonders stark zu. Die Forscher empfehlen deshalb, dass die Länder in Anbetracht der zunehmenden Risiken von Stromausfällen enger zusammenarbeiten sollten.
Quellen:
Pressemitteilung des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e. V. (ifo für Information und Forschung)