Robert Klatt
Der Klimawandel führt in vielen Regionen, darunter auch Deutschland, dazu, dass der Sommer immer länger wird. Dies gefährdet Systeme, die von saisonalen Signalen abhängen, etwa die Landwirtschaft.
Vancouver (Kanada). Der Klimawandel führt global zu mehr Wetterextremen, etwa Hitzewellen, die laut einer Studie des Earth and Society Research Hub (ESRAH) der Universität Hamburg (UHH) auch in gemäßigten Regionen wie Deutschland immer intensiver und unberechenbarer werden. Viele Menschen haben zudem seit Langem das Gefühl, dass der Sommer sich zunehmend ausdehnt und in Zeiträume übergeht, die zuvor noch zum Frühling und Herbst gehört haben.
Forscher der University of British Columbia (UBC) haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, ob der Sommer sich tatsächlich ausdehnt. Dazu haben sie nicht die klassische kalenderbasierte Definition des Sommers, also von Dezember bis Februar auf der Südhalbkugel und von Juni bis August auf der Nordhalbkugel, verwendet, sondern die Jahreszeit anhand des realen Wetters definiert. Als Sommer galt demnach in der Studie der Zeitraum im Jahr, in dem die Temperatur über dem Normalniveau der wärmsten Jahresphase aus den Jahren 1961 bis 1990 lag.
Die Analyse zeigt, dass die Sommer immer länger werden und die Zunahme deutlich schneller abläuft als die Forschung bisher angenommen hat. In vielen Regionen der Erde läuft die Entwicklung rund 50 Prozent schneller ab als in alten Messungen. Laut der Studie wird der Sommer in den Regionen zwischen den Tropen und den Polarkreisen im Zeitraum von 1990 bis 2023 um etwa sechs Tage pro Jahrzehnt länger. 2010 ging man noch davon aus, dass die Rate bei vier zusätzlichen Tagen pro Jahrzehnt liegt.
In manchen Regionen ist die Verlängerung noch höher, etwa in Sydney (Australien), wo sie bei etwa 15 Tagen pro Jahrzehnt liegt. Der Sommer dauert dort inzwischen 130 Tage, während es 1990 noch 80 Tage waren. Laut den Forschern können diese signifikanten Veränderungen zu großen Problemen führen, etwa bei der Wasser- und Energieversorgung.
"Diese Ergebnisse stellen das infrage, was wir als normalen Ablauf der Jahreszeiten betrachten. Wann der Sommer einsetzt und wie schnell er kommt, beeinflusst Muster und Verhaltensweisen in der Pflanzen- und Tierwelt sowie in der menschlichen Gesellschaft.“
Die Daten zeigen zudem, dass die Übergänge zwischen den Jahreszeiten immer schneller ablaufen. Der Wechsel vom Frühling zum Sommer und vom Sommer zum Herbst ist also immer plötzlicher, und anstatt einer langsamen Temperaturveränderung kommt es zu einem abrupten Wechsel. Systeme, die von saisonalen Signalen abhängen, etwa die Landwirtschaft, werden dadurch zunehmend vor Probleme gestellt.
„Die Veränderungen könnten für eine Vielzahl von Systemen sehr störend sein. Die Erwartung auf der Nordhalbkugel, dass der Sommer im Juni beginnt, ist tief in Planung und Politik verankert. Das bedeutet, dass wir möglicherweise nicht ausreichend auf frühere Hitze vorbereitet sind.“
Laut den Forschern entstehen durch die neuen Erkenntnisse weitere Fragen, etwa wie die längeren Sommer und die schnellen Übergänge sich auf Extremwettereignisse auswirken werden und wie die verschobenen Wachstumsperioden die Nahrungsmittelversorgung beeinflussen. Zudem könnte es nötig sein, die aktuellen Klimamodelle, auf denen viele politische Entscheidungen basieren, entsprechend anzupassen.
Quellen:
Pressemitteilung der University of British Columbia (UBC)
Studie im Fachmagazin Environmental Research Letters, doi: 10.1088/1748-9326/ae5724