Reduzierte Emissionen

CO₂-Preis auf Importe in die EU stärkt die globale Klimapolitik

 Robert Klatt

EU-Klimapolitik entfaltet Wirkung über Europa hinaus )moc.sotohptisoped5691namthgiN(Foto: © 

Handelspartner der Europäischen Union (EU) müssen bei vielen Gütern einen CO₂-Preis entrichten, wenn sie selbst keine CO₂-Steuer auf ihre Unternehmen erheben. Nun wurde analysiert, welche Auswirkungen dieser Marktmechanismus auf die globale Klimapolitik hat.

Potsdam (Deutschland). Die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre hat seit 2004 um mehr als zehn Prozent zugenommen. Immer mehr Staaten haben deshalb eine CO₂-Steuer eingeführt, die oft aber zu gering ist, um die Emissionen tatsächlich zu reduzieren, und stattdessen lediglich zusätzliche Steuereinnahmen erzielt. In Anbetracht dieser Situation hat die Europäische Union (EU) den sogenannten Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) eingeführt.

Es handelt sich dabei um eine CO₂-Bepreisung für Importe aus Drittländern, die anfällt, wenn diese kein eigenes Bepreisungssystem haben. Das Ziel des CBAM ist es, die Handelspartner der EU dazu zu bringen, ebenfalls eine CO₂-Steuer für ihre Unternehmen einzuführen. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun eine Studie publiziert, die die Effekte des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus untersucht hat.

„Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus soll der Industrie innerhalb der EU helfen, zu dekarbonisieren und dabei wettbewerbsfähig zu bleiben – doch nicht weniger wichtig ist, was außerhalb der EU geschieht. Wir beobachten bereits, dass andere Länder wie Brasilien oder die Türkei auf den CBAM mit einem eigenen CO₂-Preis reagieren. Wir haben einen neuen Ansatz entwickelt, um diesen Politik-Diffusions-Effekt abzuschätzen. Er liefert starke Hinweise darauf, dass der EU Green Deal tatsächlich das Potenzial hat, die Klimapolitik in anderen Ländern zu stärken.“

Verknüpfung von Handelsökonomie und Spieltheorie

Die Forscher des PIK haben Methoden der Handelsökonomie und der Spieltheorie verknüpft, um die Auswirkungen des Grenzausgleichsmechanismus zu untersuchen. Wie sie erklären, können die Handelspartner der EU selbst entscheiden, ob sie für ihre Stahl-, Eisen-, Aluminium-, Zement-, Düngemittel-, Elektrizitäts- und Wasserstoffexporte an Staaten in der EU die CO₂-Zahlungen leisten oder ob sie selbst eine CO₂-Steuer einführen und dadurch vom CBAM entbunden werden. Welche Option sie wählen, hängt laut den Wissenschaftlern hauptsächlich von den ökonomischen Interessen der Handelspartner, dem CO₂-Preis und den bereits bestehenden Mitgliedern der Klimakoalition ab.

Deutlich geringere CO₂-Emissionen

Das Modell der Studie, mit dem Warenströme für Wirtschaftssektoren aus 43 Ländern bei einem CO₂-Preis von 100 Dollar je Tonne analysiert wurden, zeigt, dass der CO₂-Preis der EU die lokalen Emissionen um 505 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr reduziert. Ohne einen Grenzausgleich sinken die Gesamtemissionen aber nur um 305 Millionen Tonnen, weil viele der energieintensiven Produkte in diesem Szenario importiert werden. Es besteht somit ohne einen Grenzausgleich, bei dem Importe einem CO₂-Preis unterliegen, eine große „CO₂-Lücke“ (40 %).

Der Grenzausgleich reduziert die globalen CO₂-Emissionen um 399 Millionen Tonnen und die CO₂-Lücke ist deutlich kleiner (15 %). Inzwischen haben Kanada, Japan, Südkorea und Taiwan als Reaktion auf den CO₂-Preis der EU eine eigene CO₂‑Steuer eingeführt. Die Gesamtemissionen durch den CO₂-Grenzausgleich und die neu eingeführte CO₂-Steuer in den vier Ländern führen dazu, dass die globalen Emissionen um 691 Millionen Tonnen sinken. Das Modell zeigt zudem, dass ein erweiterter CO₂-Grenzausgleichmechanismus dazu führen könnte, dass weitere Länder eine CO₂-Steuer einführen, darunter sogar die U. S. A. …

„Unsere Ergebnisse stützen und quantifizieren die schon länger existierende Hypothese, dass der CBAM der EU einen sogenannten Brüssel-Effekt auslösen könnte. Damit ist gemeint: Aufgrund der zentralen Stellung der EU in internationalen Lieferketten zeigen in Brüssel beschlossene Maßnahmen auch Wirkung außerhalb der EU. Mehr Klimaschutz führt zu noch mehr Klimaschutz. Dies kann eine wichtige Rolle bei der Begrenzung des Klimawandels spielen, insbesondere wenn internationale Klimaverhandlungen ins Stocken geraten.“

Quellen:

Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)

Studie im Fachmagazin Journal of the Association of Environmental and Resource Economists (JAERE), doi: 10.1086/742163

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