Klimawandel

CO₂-Emissionen der U.S.A. kosteten die Welt seit 1990 zehn Billionen Dollar

 Robert Klatt

Emissionen der U.S.A. führen zu hohen wirtschaftlichen Schäden )moc.sotohptisopedettellebrc(Foto: © 

Der Klimawandel führt zu hohen ökonomischen Schäden, etwa durch Ernteausfälle. Nun wurde berechnet, dass allein die CO₂-Emissionen der U.S.A. seit 1990 global Schäden in Höhe von rund zehn Billionen Dollar verursacht haben. Weil das CO₂ sich noch immer in der Atmosphäre befindet, wachsen die Schäden der bereits erfolgten Emissionen in den kommenden Jahrzehnten weiter.

Stanford (U.S.A.). Die CO₂-Emissionen des Menschen haben dazu geführt, dass der CO₂-Gehalt auf 424 parts per million (ppm) angestiegen ist, ein Rekordwert, der zuletzt vor rund zwei Millionen Jahren erreicht wurde. Der dadurch verursachte Klimawandel führt nicht nur zu Umweltproblemen, sondern schadet auch der Wirtschaft, etwa indem er signifikante Ernterückgänge bei vielen Grundnahrungsmitteln auslöst. Forscher der Stanford University arbeiten deshalb seit mehreren Jahren an einem Modell, das die ökonomischen Auswirkungen von CO₂-Emissionen ermitteln soll.

Laut ihrer nun publizierten Studie haben die seit 1990 ausgestoßenen CO₂-Emissionen der U.S.A. global wirtschaftliche Schäden von über 10 Billionen US-Dollar verursacht, von denen rund ein Drittel auf die Wirtschaft des Landes entfällt. Ein Großteil der wirtschaftlichen Schäden der historischen CO₂-Emissionen steht aber noch bevor.

„Unsere Daten zeigen, dass die Auswirkungen eines besonders heißen Jahres lange nachwirken können. Wenn man diese langfristigen Effekte einbezieht, steigen die Schadensschätzungen deutlich.“

Unvermeidbare Kosten des Klimawandels

Das Modell basiert auf einer Berechnungsmethode, die die Kosten des Klimawandels erfasst, die weder anpassbar noch vermeidbar sind. Diese sind laut den Forschern Müll vergleichbar, durch den nicht bezahlte Entsorgungsrechnungen entstehen.

„Wir denken beim Klimawandel meist an zwei Strategien: Emissionen reduzieren oder uns an die Folgen anpassen. Doch der Umgang mit Schäden, die trotz dieser Maßnahmen entstehen, ist die dritte Säule, über die viel zu wenig gesprochen wird.“

„Wenn wir Müll produzieren, dürfen wir ihn nicht einfach irgendwo abladen, weil dadurch Kosten für andere entstehen. Normalerweise bezahlen wir jemanden für die Entsorgung. Unsere Treibhausgasemissionen sind vergleichbar, nur haben wir die Rechnung nie beglichen, und die Kosten steigen weiter an.“

Hohe Schäden in Entwicklungsländern

Neben den U.S.A., wo laut dem Modell ein Großteil der ökonomischen Schäden entstanden ist (3 Billionen US-Dollar), haben die CO₂-Emissionen der U.SA. seit 1990 vor allem in Europa (1,4 Billionen US-Dollar), Indien (500 Milliarden US-Dollar) und Brasilien (330 Milliarden US-Dollar) hohe Schäden verursacht. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung sind die Schäden in den betroffenen Entwicklungs- und Schwellenländern also deutlich größer.

„Es zeigt sich, dass die Emissionen der USA der eigenen Wirtschaftsleistung erheblich geschadet haben.“

Die Forscher haben zudem berechnet, wie hoch die wirtschaftlichen Schäden durch die Förderung und Nutzung von Öl des Konzerns Saudi Aramco sind. Das zwischen 1988 und 2015 geförderte Öl des Unternehmens hat demnach bis 2020 global zu Schäden von rund drei Billionen US-Dollar geführt. Weil die CO₂-Emissionen sich noch in der Atmosphäre befinden, könnten die dadurch verursachten Schäden bis 2100 auf rund 64 Billionen US-Dollar steigen.

„Solange eine Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid in der Atmosphäre verbleibt, verursacht sie Erwärmung, und diese Erwärmung verursacht Schäden.“

CO₂ aus der Atmosphäre entfernen

Die Wissenschaftler erklären, dass das Filtern von CO₂ aus der Atmosphäre dabei helfen kann, die kommenden Schäden zu entfernen. Dabei ist vor allem die Geschwindigkeit entscheidend. Eine Tonne CO₂, die 25 Jahre in der Atmosphäre verbleibt, hat bereits rund die Hälfte ihres ökonomischen Schadens verursacht.

„Unsere Studie zeigt, dass aufgrund der sich verstärkenden Effekte der Erwärmung auf das Wirtschaftswachstum die Zeit seit der Emission entscheidend ist, um Verluste und Schäden korrekt zu berechnen und Lösungen zu bewerten.“

Zudem betonen die Autoren, dass die Schäden durch die CO₂-Emissionen in der Realität wohl noch deutlich größer sind. Die Studie hat lediglich ökonomische Folgen betrachtet, weitere Faktoren aber nicht berücksichtigt.

„Wir haben Auswirkungen, die sich nicht im Bruttoinlandsprodukt widerspiegeln, nicht berücksichtigt, etwa den Verlust von Biodiversität oder kulturellen Lebensräumen. Außerdem gewichtet unser Ansatz einige Klimafolgen wie den Meeresspiegelanstieg oder extreme Ereignisse zu gering. Das macht unsere Schätzungen konservativ.“

Quellen:

Pressemitteilung der Stanford University

Studie im Fachmagazin Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10272-6

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