Klimawandel

Citymaut, Tempolimit und höhere Steuern gegen Autopendler

Robert Klatt

Eine Reihe von Maßnahmen könnten laut einer Studie die Autofahrt zur Arbeit unattraktiver machen und somit den Pendelverkehr auf Busse, Bahnen und das Fahrrad verlagern.

Berlin (Deutschland). In Deutschland entfällt mehr als ein Fünftel (22,4 %) der Emissionen des Personenverkehrs auf das Berufspendeln. Davon wird ein Großteil (95 %) durch Autopendler verursacht. Dies ist problematisch, weil Autos nicht nur hohe Emissionen verursachen, sondern auch einen hohen Flächenverbrauch haben.

Laut einer Studie von Agora Verkehrswende in Kooperation mit dem Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung ist daran ist primär die Politik schuld, die in den letzten Jahrzehnten Anreize für immer längere Arbeitswege, die meist mit dem privaten Pkw zurückgelegt werden, geschaffen hat. Aktuell liegt die mittlere Pendelstrecke im Berufsverkehr laut der Studie bei 16 Kilometern. Im Jahr 1976 waren es nur acht Kilometer.

Klimawandel und Ölpreisfalle

Die Studienautoren haben deshalb untersucht, welche Maßnahmen eine Trendwende im Pendelverkehr einleiten könnten. Wie sie erklären, ist dies nötig, um den Klimawandel zu bekämpfen und die Abhängigkeit von Öllieferanten wie Russland zu verringern.

„Pendlerinnen und Pendler brauchen von der Politik nicht immer neue finanzielle Entlastungen, sondern einen Plan, wie sie zukünftig klimafreundlich zur Arbeit kommen können“, erklärt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.

Neuordnung der Pendlerpauschale

Die neue Bundesregierung hat bereits im Februar 2022 im Rahmen des ersten Entlastungspakets angesichts der rapide steigenden Energiepreise eine Erhöhung der Pendlerpauschale für Fernpendler beschlossen. Zudem soll in der laufenden Legislaturperiode eine Neuausrichtung der Pendlerpauschale erfolgen, um die „ökologisch-soziale Belange“ des Pendelns besser zu berücksichtigen.

Laut den Autoren der Studie reicht dies jedoch nicht aus, um eine grundlegende Trendwende im Pendelverkehr einzuleiten. Hochfeld erklärt, dass der Bund den Kommunen deshalb umfassende Entscheidungsfreiheiten einräumen sollte.

Abbau von Autoprivilegien

Wie die Studienautoren erklären, kann eine Verkehrswende auf dem Weg zur Arbeit nur funktionieren, wenn die bisherigen Autoprivilegien deutlich reduziert werden. „Eine spürbare Reduzierung der Autonutzung im Berufsverkehr und der so verursachten CO₂-Emissionen kann nur erreicht werden, wenn preisliche und infrastrukturelle Maßnahmen zur Begrenzung des Autoverkehrs ergriffen werden“, heißt es dazu in der Studie.

Mehr ÖPNV und Fahrrad

Die Verkehrsexperten sind der Ansicht, dass in Zukunft ein deutlich höherer Anteil der Pendler in Deutschland mit Bussen und Bahnen oder mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zur Arbeit fahren sollte. Die dazu benötigen Verlagerungseffekte können jedoch nur erreicht werden, wenn ein Maßnahmen-Mix die Autofahrt zur Arbeit unattraktiv macht.

„Nur wenn die Pendelnden für die tatsächlichen Kosten für Autobesitz und Autonutzung aufkommen müssen, wird ein Umstieg auf alternative Verkehrsmittel in Erwägung gezogen“, so die Autoren.

Maßnahmen gegen das Autopendeln

Als Maßnahmen gegen den Pendelverkehr per Auto nennen die Autoren eine Citymaut, die vor allem in Großstädten anfallen könnte. Eine Studie des ifo Institut (ifo) kam bereits zu dem Ergebnis, dass eine solche Maut den Verkehr deutlich reduzieren würde. Denkbar ist außerdem ein generelles Tempolimit von 30 km/h in Städten. Auch der ACE Auto Club Europa e. V. (ACE) vertritt die Ansicht, dass eine solche Maßnahme aktuell sinnvoll ist, um Kraftstoff einzusparen. Zudem ist laut den Studienautoren eine Reduzierung der kostenfreien Parkplätze eine sinnvolle Maßnahme, um das Pendeln mit dem privaten Auto zu reduzieren. Die Autoren empfehlen überdies, dass die Kfz-Steuer sich stärker an den CO₂-Emissionen der Fahrzeuge orientieren sollte. Diese Änderung würde vor allem Autos mit großen Motoren treffen.

Als Ausgleich müsste der öffentliche Nahverkehr jedoch stark ausgebaut werden. Neben höheren Kapazitäten betrifft dies primär die Taktung. Nötig sind zudem neue Nahverkehrs-Achsen, die aus einer Kombination von Quartiersbussen sowie einem Fuß- und Radverkehrsangebote bestehen könnte. Es wäre so möglich, auch die erste und letzte Meile unabhängig vom Auto in kurzer Zeit zurückzulegen. „Wenn diese Tür-zu-Tür-Mobilität nicht gewährleistet werden kann, wird im schlechtesten Fall die komplette Pendelstrecke mit dem Auto zurückgelegt und die leistungsfähige ÖPNV-Verbindung entfaltet nicht ihre vollständige Wirkung“, konstatieren die Forscher.

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