Langzeitfolgen unklar

WHO warnt vor Gefahren von E-Zigaretten

Robert Klatt

Die WHO warnt vor E-Zigaretten, weil ihre Langzeitfolgen kaum erforscht sind, sie eine Einstiegsdroge für Kinder sind und weil sie Rauchen wieder salonfähig machen könnten.

Genf (Schweiz). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt in ihrem 8. Bericht über die Tabak-Epidemie vor den Gefahren von E-Zigaretten. Als E-Zigaretten definiert die WHO alle Geräte, in denen Flüssigkeiten erhitzt werden, um die dabei entstehenden Aerosole zu inhalieren. Klar ausgeklammert sind in der Definition der WHO hingegen Tabakerhitzer, also Geräte, die Tabak erhitzen, statt diesen wie in einer Zigarette zu verbrennen.

Das hohe Risiko liegt laut der WHO vor allen in den Geschmacksstoffen der Liquids wie „Lakritz“, „Zuckerwatte“ und „Gummibärchen“ sowie im Nikotin und den weiteren Chemikalien. Diese sind laut verschiedenen Studien schädlich für die Gesundheit und begünstigen unter anderem entzündungsfördernde Bakterien im Mund sowie Zellschäden im Herz und Blutgefäßen.

E-Zigaretten machen Kinder zu Rauchern

Außerdem bemängelt die WHO, dass E-Zigaretten durch ihre speziellen Geschmacksrichtungen gezielt an Kinder vermarktet werden. Diese werden im späteren Leben zwei- bis dreimal häufiger zu Rauchern herkömmlicher Zigaretten als andere Jugendliche. Bestätigt wird dies auch durch eine Studie der University of California laut der E-Zigaretten eine Einstiegsdroge sind, die Jugendliche zu Rauchern macht.

Langzeitfolgen von E-Zigaretten kaum erforscht

Laut Daten der WHO werden in der Europäischen Union (EU) tausende verschiedene Marken von E-Zigaretten- und -Liquids (Flüssigkeiten) angeboten. Bisher konnte die Wissenschaft deren langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit aber noch nicht erforschen. „Aber es zeichnet sich zunehmend ab, dass diese Produkte nicht harmlos sind“, erklärt die WHO. Als Beispiel nennt die Organisation Liquids, deren Nikotingehalt doppelt so hoch ist bei herkömmlichen Zigaretten.

Auch in angeblich nikotinfreien Produkten wurde das Suchtmittel laut WHO-Tabak-Experte Rüdiger Krech bereits mehrfach nachgewiesen. Es ist für den Verbraucher deshalb kaum möglich zwischen Liquids mit und ohne Nikotin zu unterscheiden. „Das ist nur eine Methode, wie die Industrie die Tabak-Kontrollmaßnahmen unterläuft“, erklärt der WHO Experte.

Bessere Regulierung von E-Zigaretten

„Elektronische Nikotingeräte müssen besser reguliert werden“, fordert WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Es sollen so die Versuche der Hersteller unterbunden werden, mit ihren Produkten vom etablierten Rauchverboten ausgenommen zu werden. Ansonsten könnte laut der WHO Rauchen auch in Innenräumen wieder salonfähig werden.

„Wo sie nicht verboten würden, sollten Behörden Kinder, Jugendliche und andere Zielgruppen besser vor den Schäden durch solche Geräte schützen“, so der WHO Experte. Michael Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York und Gründer der Wohltätigkeitsorganisation Bloomberg Philanthropies, der den Bericht sponserte, stimmt den Vorschlägen der WHO zu und erklärt, dass die Hersteller von E-Zigaretten mit ihren Produkten „eine neue Generation an den Haken bekommen wollen.“

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