Übergewicht

Kaum Unterschiede zwischen Diätformen vorhanden

Robert Klatt

Welche Diätform übergewichtige Menschen zum Abnehmen wählen ist praktisch egal. Stattdessen kommt es auf Kontinuität und eine dauerhafte Umstellung der Lebensgewohnheiten an.

Hamilton (Kanada). Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich der Anteil der Menschen mit Übergewicht im Vergleich zum Jahr 1975 auf fast 40 Prozent (1,9 Milliarden Menschen) verdreifacht. 650 Millionen Erwachsene, dies sind 13 Prozent der Weltbevölkerung, sind sogar fettleibig. Besonders problematisch ist laut einer von Wissenschaftlern des Kings College London im American Journal of Public Health publizierten Studie für diese Personengruppe nicht das Abnehmen, sondern das dauerhafte Halten ihres Gewichts. Es kommt somit häufig zu einem „Teufelskreis“ aus Gewichtsverlust und erneuter Gewichtszunahme, der auch als Jojo-Effekt bezeichnet wird.

Wissenschaftler der McMaster University in Kanada haben aus diesem Grund untersucht, ob der langfristige Gewichtsverlust durch die Art der Diät beeinflusst werden kann. Außerdem analysierte das unter Leitung von Bradley Johnston auch, welche der Diäten die Herz-Kreislauf-Gesundheit am positivsten beeinflusste. Insgesamt werteten die Wissenschaftler dazu laut ihrer Publikation im British Medical Journal 121 Studien mit 21.942 Probanden über 18 Jahren aus, deren Body-Mass-Index (BMI) über 25 lag.

14 Diätformen im Vergleich

Bei allen für die Metastudie ausgewerteten Studien folgten die Probanden einer von 14 populären Diätformen für mindestens zwölf Monate. Zu den Diäten gehörten unter anderem extreme Low-Carb-Diäten (z. B. Zone, Atkins und South Beach), extreme Low-Fat-Diäten (z. B. Conley und Ornish) und einige relativ ausgewogene Diätformen mit etwa 55 Prozent Kohlehydrat- und etwa 25 Prozent Fettanteil in der Ernährung wie die sogenannte Mittelmeerdiät und die vor allem in den U.S.A. beliebte Weight Watchers Diät. Außerdem wurde auch die DASH-Diät untersucht, die speziell zur Senkung des Blutdrucks konzipiert wurde.

Gewichtsverlust nahezu identisch

Neben dem Körpergewicht wurde bei allen Probanden nach sechs und zwölf Monaten außerdem der Blutdruck und die Cholesterinwerte bestimmt, um die Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit zu untersuchen. Im Mittel konnten die Probanden so unabhängig von der angewandten Diät nach sechs Monaten etwa fünf Kilogramm überschüssiges Gewicht verlieren. Einzig extrem Low-Carb- und Low-Fat-Diäten konnten einen geringfügig höheren Gewichtsverlust auslösen, sind laut den Studienautoren im Alltag aber auch deutlich schwerer.

Andere Studien haben außerdem belegt, dass die Betreuung durch einen Experten den Gewichtsverlust innerhalb desselben Zeitraums erhöhen kann. Die Betreuung durch einen Ernährungsberater verhindert eine Mangelernährung, die auch bei Übergewichtigen schnell im Zuge einer plötzlichen Ernährungsumstellung entstehen kann.

Fleisch- und Gemüseanteil ohne Einfluss auf den Abnehmerfolg

Wie Johnston erklärt, „führten alle drei Gruppen von Diäten – Low-Carb, Low Fat oder ausgewogene – zu größeren Gewichtsverlusten und einer besseren Blutdrucksenkung als eine normale Ernährung.“ Auch der Fleisch- und Gemüseanteil hat laut der Metastudie der kanadischen Wissenschaftler nahezu keinen Einfluss auf den Abnehmerfolg. Diäten mit einem hohen Fleischanteil wie Atkins sind also rein auf den Gewichtsverlust bezogen genauso empfehlenswert wie die Mittelmeerdiät oder DASH, bei denen Gemüse einen hohen Anteil einnimmt. Deutliche Unterschiede gab es hingegen bei der Senkung des Blutdrucks und des Cholesterinspiegel, wo in beiden Fällen die Mittelmeerdiät die besten Resultate brachte.

Gewichtsabnahme oft nicht langfristig

Leider zeigt die Metastudie auch, dass die positiven Effekte unabhängig von der Diätform bei fast allen Probanden zwölf Monaten nachdem Ende der Diät wieder zurückgingen. Im Mittel bauten die Studienteilnehmer wieder so viel neues Gewicht auf, dass sie netto nur noch zwei Kilogramm leichter waren als ihr Ausgangsgewicht vor der Diät. Laut Johnston „deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass fast alle Diätformen und populären Markendiäten nach einem Jahr einen nur minimalen Gewichtsverlust bringen und die Unterschiede zwischen den Diäten dabei klein und meist trivial sind.“

Keine „Gewinner-Diät“

Der Abnehmerfolg und die Auswirkungen auf die Gesundheit ist laut den Studienergebnissen also nicht davon abhängig welche Diät ein Mensch wählt, sondern wird stark dadurch beeinflusst, ob er sein Ernährungsverhalten und seine Lebensgewohnheiten langfristig verändert. Oft funktioniert dies gut, wenn ein Ernährungsberater auch weiter unterstützend genutzt wird, auch wenn das Wunschgewicht bereits erreicht wurde. Ähnlich urteilen in einem Begleitkommentar auch Helen Truby und Terry Haines von der Monash University, die schreiben, dass „Die breite Palette der populären Diäten eine große Spanne an Wahlmöglichkeiten aber keinen klaren Gewinner bietet.“

Die Wissenschaftler konstatieren daher, dass „Menschen  daher einfach die Diät wählen sollten, die ihnen am besten liegt, ohne Rücksicht auf das propagierte Ausmaß des Abnehmerfolgs.“

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