Xenotransplantation

Genveränderte Schweineherzen in hirntote Menschen implantiert

Robert Klatt

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Auf den Punkt gebracht
  • Zwei hirntoten Menschen wurden erfolgreich Schweineherzen transplantiert
  • Damit keine Abstoßungsreaktionen auftreten, wurden zuvor einige Gene der Spenderorgane verändert
  • In Zukunft sollen Xenotransplantation dabei helfen, den Mangel an Spenderorganen auszugleichen

Zwei hirntoten Menschen wurden erfolgreich genveränderte Schweineherzen transplantiert. In Zukunft sollen Xenotransplantationen dabei helfen, den großen Bedarf an Spenderorgane zu decken.

New York City (U.S.A.). In den meisten Ländern herrscht ein signifikanter Mangel an Spenderorganen. Viele Betroffene müssen deshalb mehrere Jahre warten, bevor sie eine Transplantation erhalten können. Die Wissenschaft erforscht deshalb seit Langem sogenannte Xenotransplantationen, bei denen Menschen tierische Organe erhalten. In Zukunft soll dies dabei helfen, den großen Bedarf an Spenderorgane zu decken.

Mediziner der University of Maryland School of Medicine (UMSOM) transplantierten erstmals einem lebenden Menschen im Januar 2022 ein genetisch modifiziertes Schweineherz. Der unheilbar herzkranke Patient David Bennett erschien nach der Operation zunächst stabil, verstarb jedoch zwei Monate nach der Transplantation. Sehr wahrscheinlich war dafür ein Virus verantwortlich, mit dem das transplantierte Schweineherz infiziert war.

Erneute Xenotransplantation von Schweineherzen

Nun haben Mediziner der New York University (NYU) erneut Xenotransplantationen mit Schweineherzen durchgeführt. Die genveränderten Organe erhielten zwei hirntote Menschen, deren Körper von Beatmungsgeräten versorgt werden. Das Ziel der experimentellen Operationen war es, Xenotransplantationen im klinischen Alltag zu üben.

„Wir wollen die Technik in eine typische, alltäglich durchgeführte Herztransplantation integrieren – nur eben mit einem nichtmenschlichen Organ“, erklärt Nader Moazami, chirurgischer Direktor für Herztransplantationen am Langone Transplant Institute der NYU. Die Xenotransplantationen erfolgten deshalb ohne experimenteller Medikamente und Geräte. Verwendet wurden bei den Operationen lediglich die Medikamente der regulären Transplantationsmedizin.

Neue Quelle für Spenderorgane

Alex Reyentovich, medizinischer Direktor für Herztransplantationen, hält die erfolgreichen Xenotransplantationen für einen entscheidenden Schritt hin zu einer neuen Quelle für Spenderorgane, Laut ihm wollen die Wissenschaftler „ein tiefes Verständnis“ dafür entwickeln, wie Xenoherztransplantation auf mechanischer, molekularer und immunologischer Ebene ablaufen. „Dabei wollen wir prüfen, ob es möglich ist, medizinische Standardpraktiken und Werkzeuge zu verwenden“, erklärt Reyentovich.

Genveränderungen der Schweineherzen

Die verwendeten Schweineherzen besaßen zehn genetische Modifikationen. Ein Großteil der Genveränderungen sorgt dafür, dass menschliche Proteine exprimiert werden. Zudem wurden vier spezifische Gene der Schweine ausgeschaltet, damit der Körper der Empfänger die tierischen Organe nicht abstößt. Bisher verliefen die Xenotransplantationen, die am 16. Juni 2022 und am 9. Juli 2022 erfolgten, erfolgreich. Anzeichen für ein Abstoßungsverhalten wurden nicht entdeckt.

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