Genaktivität beeinflusst

Folsäuremangel des Vaters erhöht Risiko für Fehlbildungen beim Baby

von Robert Klatt

Ein Folsäuremangel des Vaters erhöht das Risiko schwerer Missbildungen beim Baby um 30 Prozent, weil das Epigenom verändert wird.

Montreal (Kanada). Die Wissenschaft hat bereits durch unzählige Studien belegt, dass schwangere Frauen durch die falsche Ernährung aber auch andere Verhaltensweisen wie Alkoholkonsum oder bestimmte Kosmetikprodukte Fehlgeburten, Missbildungen und andere Gesundheitsprobleme beim Baby auslösen können. Die Ernährung des Vaters und daraus entstehende mögliche Folgen für die Gesundheit des Kindes wurden hingegen kaum untersucht. Kürzlich veröffentlichte Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass auch ein regelmäßiger Alkoholkonsum des Vaters vor der Schwangerschaft das Risiko eines Herzfehlers beim Baby deutlich erhöht.

Eine Studie der McGill University zeigt nun, dass auch die Ernährung des Vaters die Gesundheit des Kindes signifikant beeinflussen kann. Laut der im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Ergebnisse erhöht ein Folsäuremangel die Fehlbildungsrate um bis zu 30 Prozent.

Zellstoffwechsel ohne Folsäure nicht möglich

Aus Folsäure, die auch als Folat bezeichnet wird, erzeugt der Körper ein Koenzym, das essenziell für das Kopieren der Desoxyribonukleinsäure (DNA) und damit für die Zellteilung ist. Ein Mangel an Folsäure sorgt deshalb dafür, dass bestimmte Aminosäuren nicht ausreichend produziert werden können. Schwangere Frauen sollten deshalb laut den Verzehrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) 550 µg Folsäure pro Tag konsumieren. In den Stillzeit werden täglich 450 µg empfohlen, was deutlich über den in den Folsäure Informationen angegeben normalen Verzehrempfehlung von 300 µg für gesunde Erwachsene liegt. Qualitativ hochwertige Vitamine zur Vorbeugung oder Bekämpfung eines Folsäuremangels findet man beispielsweise bei Vitavalley.

Versuche mit Mäusen zeigen Folgen des Folsäuremangels

Die Folgen einer mangelhaften Folsäureversorgung bei werdenden Müttern umfassen vor allen Fehlbildungen des Kopfes und offene Rücken. Um zu untersuchen, welche Folgen ein Folsäuremangel des Vaters vor der Zeugung verursacht, haben die Wissenschaftler der kanadischen Universität bei einer Gruppe männlicher Mäuse von Geburt an eine entsprechende Unterversorgung ausgelöst. Im geschlechtsreifen Alter wurden die Tiere anschließend mit Weibchen verpaart, die keinen Folsäuremangel hatten. Die Kontrollgruppe bestand aus männliche und weiblichen Mäusen, die beide von Geburt an mit ausreichend Folsäure versorgt wurden.

Romain Lambrot, Hauptautor der Studie erklärt, dass die Wissenschaftler „sehr überrascht waren, dass es beim Nachwuchs der Männchen mit Folsäuremangel einen fast 30-prozentigen Anstieg von Geburtsfehlern gab.“ Weil der Folsäuremangel ausschließlich aufseiten der Väter vorlag, schließend die Studienautoren darauf, dass die Fehlbildungen auf den Folsäuremangel des Vaters zurückzuführen sind.

Folsäuremangel beeinflusst Genaktivität

Um zu untersuchen, welche Wirkung des Folsäuremangel beim Vater auslöst, analysierten die Wissenschaftler die Spermien und das Erbgut der Mäuse. Der Fokus lag dabei nicht auf der Abfolge der einzelnen Gene, sondern vor allem auf dem Epigenom, das die Aktivität der Gene beeinflusst. Wie die Studienautoren erklären, „ist das Genom im Laufe des Lebens relativ statisch, während sich das Epigenom hochdynamisch anhand von internen und externen Einflüssen verändert“.

Vorherige Studien zeigten bereits, dass auch die Ernährung diese Anlagerung des Erbguts verändern kann und dass diese Veränderungen auch auf die Nachkommen vererbt werden können.

Gene können nicht gelesen werden

Die Analyse ergab, dass das Epigenom während der Spermienentwicklung zwar fast komplett zurückgesetzt wird aber auch, dass ein Folsäuremangel dafür sorgt, dass dies in einigen Stellen nicht geschieht. Dies sorgt dafür, dass das epigenetische Muster weiter in den Spermien vorhanden bleibt und so bei der Zeugung auf den Embryo übertragen wird. Wichtige Gene können deshalb nicht gelesen werden, was schlussendlich die Fehlbildungen auslöst.

Sarah Kimmins, Hauptautorin der Studie erklärt, dass „die Wissenschaft nun weiß, dass die Information über den Folsäurestatus vom Vater an den Embryo weitergegeben wird – mit schlimmstenfalls fatalen Konsequenzen.“ Besonders häufig tritt ein Folsäuremangel bei Männern auf, die übergewichtigen Männern mit einer fettreichen Ernährung auf, die verhindert, dass das Vitamin aufgenommen wird. Die Wissenschaftler empfehlen daher angehenden Vätern besonders auf ihre Ernährung zu achten und Weizenkeime, Vollkornbrot und Gemüse in ihren Speiseplan zu integrieren.

Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms3889

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