Robert Klatt
Hangzhou (China). Der Klimawandel bedroht zunehmend die Gesundheit des Menschen, vor allem durch Hitzewellen, die auch in gemäßigten Regionen wie Deutschland immer intensiver und öfter auftreten und unter anderem das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen erhöhen. Die Erderwärmung führt zudem dazu, dass sich Krankheitserreger, die zuvor nur in den Tropen existiert haben, in andere Gebiete ausbreiten können, etwa der Einzeller Naegleria fowler, der auch als hirnfressende Amöbe bezeichnet wird.
Forscher der Zhejiang Chinese Medical University (ZJMU) haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, wie der Klimawandel sich auf Chikungunya, eine Viruskrankheit, die in tropischen und subtropischen Regionen vorkommt, auswirkt und durch Mücken übertragen wird. Chikungunya führt bei den meisten Menschen zu starken Gelenk- und Muskelschmerzen, Fieber, Erschöpfung, Übelkeit, Hautausschlag sowie Rücken- und Kopfschmerzen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Chikungunya eine der am stärksten vernachlässigten Tropenkrankheiten.
Daten des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigen, dass es 2026 bisher etwa symptomatische Chikungunyafälle gegeben hat, an denen neun Menschen gestorben sind. Ein Großteil der Chikungunyafälle ist in Südamerika aufgetreten, während die Viruskrankheit derzeit in Europa und Nordamerika noch nicht durch Insekten verbreitet wird. Laut der Analyse der ZJMU könnte sich dies durch den Klimawandel bis 2100 aber ändern, weil sich die Risikogebiete durch die höheren Temperaturen stark ausdehnen.
„Derzeit sind 139 Länder oder Regionen, die 21,3 Prozent der weltweiten Landfläche ausmachen, Risikogebiete für das Chikungunyavirus. Aber wir zeigen, dass sich das Virus unter Klimawandelmodellen weiter nach Norden in gemäßigte Regionen ausbreiten wird, insbesondere in den Nordosten Nordamerikas, Mitteleuropa und Ostasien.“
Das Chikungunyavirus wurde lange fast nur von der Gelbfiebermücke Aedes aegypti, die in tropischen Gebieten in der Nähe von Menschen lebt, übertragen. Bei einem großen Ausbruch in den Jahren 2005/2006 entstand die neue Virusvariante E1-A226V, die seitdem vor allem durch die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus verbreitet wird.
Um zu analysieren, wie sich die Risikogebiete durch den Klimawandel ändern, haben die Forscher analysiert, wo die beiden Mückenarten und das Virus aktuell vorkommen. Anschließend haben sie unterschiedlichen Klimaszenarien des Weltklimarats (IPCC) und Umweltfaktoren kombiniert, um zu modellieren, sie sich die Risikogebiete ausdehnen.
"Unsere Ergebnisse zeigten, dass der Klimawandel Chikungunya hauptsächlich dadurch beeinflusst, dass sich verändert, wo seine Mückenüberträger leben können. In unserer Studie war die Asiatische Tigermücke besonders wichtig und erklärte mehr 70 Prozent der vorhergesagten Verbreitung des Virus.“
Angesichts des hohen Risikos empfehlen die Forscher, dass spätestens 2040 Überwachungssysteme für Mücken eingerichtet werden sollten und dass die Politik und die Gesundheitssysteme entsprechende Präventions- und Behandlungsmaßnahmen frühzeitig planen.
„Die Öffentlichkeit muss nicht in Panik geraten, aber Gesundheitssysteme sollten sich frühzeitig vorbereiten. Zum Beispiel können Gesundheitsbehörden bereits jetzt handeln, indem sie Aedes-Mücken überwachen, Ärzte darin schulen, Chikungunya schnell zu erkennen, die Mückenbekämpfung verstärken und schnelle Reaktionspläne einrichten, bevor Ausbrüche auftreten. Diese Schritte sind besonders wichtig in gemäßigten Regionen, in denen die Krankheit bislang keine routinemäßige Herausforderung für das Gesundheitswesen war.“
Quellen:
Studie im Fachmagazin Frontiers in Cellular and Infection Microbiology, doi: 10.3389/fcimb.2026.1808175