Einstiegsdroge

E-Zigaretten erhöhen bei Jugendlichen späteren Tabakkonsum

Robert Klatt

Jugendlicher mit E-Zigarette )kcotS ebodAyexelA(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • Jugendliche, die vor dem 15. Lebensjahr E-Zigaretten „dampfen“, rauchen im späteren Teenageralter häufiger und mehr Tabakzigaretten
  • Die Studiendaten belegen somit die Entrenchment-Hypothese, laut der frühe Muster den Takabkonsum verstärken

Jugendliche, die bereits vor dem 15. Lebensjahr E-Zigaretten „dampfen“, rauchen im späteren Teenageralter häufiger und mehr Tabakzigaretten. E-Zigaretten scheinen also eine Einstiegsdroge zu sein.

West Lafayette (U.S.A.). Eine Studie der University of California kam 2021 zu dem Ergebnis, dass Jugendliche, die E-Zigaretten rauchen, eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit haben, als Erwachsene gewohnheitsmäßige Raucher zu werden. Wissenschaftler der Purdue University um Brian Kelly haben nun erneut untersucht, ob der Konsum von E-Zigaretten bei Jugendlichen sich auf den Tabakkonsum auswirkt.

Anlass der im Fachmagazin Tobacco Control publizierten Studie war die Raucherprävalenz unter Jugendlichen, die in den letzten Jahrzehnten stark gesunken ist. Ob diese Entwicklung auf E-Zigaretten zurückgeht, hat die Wissenschaft bisher kaum untersucht.

„Wir wollten herausfinden, ob E-Zigaretten junge Zigarettenraucher eher vom Tabak weglenken (Disruption-Hypothese) oder bei ihnen vielmehr frühe Muster des Tabakkonsums verstärken (Entrenchment-Hypothese).“

Studie mit 1.893 Jugendlichen

In der vorliegenden Studie wurden insgesamt 1.893 Jugendliche untersucht, die bereits vor Vollendung des 15. Lebensjahres mit dem Rauchkonsum begonnen hatten. Diese Stichprobe setzt sich aus zwei Teilgruppen zusammen: 1.090 Jugendlichen aus der Millennium Cohort Study und 803 Teilnehmenden aus der Population Assessment of Tobacco and Health Study (PATH). Die Befragung der Probanden erfolgte regelmäßig bis zum Erreichen des 17. Lebensjahres und umfasste Fragen zu ihrem Konsumverhalten hinsichtlich elektronischer und konventioneller Zigaretten. Es zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der jungen Raucher ebenfalls Erfahrungen mit E-Zigaretten sammelten.

Rauchen und Dampfen oft parallel

In der Studie gab über die Hälfte der jugendlichen Raucher aus dem Vereinigten Königreich (57 %) und den U.S.A. (58 %) an, dass sie ebenfalls E-Zigaretten konsumieren. Im fortgeschrittenen Jugendalter zeigte sich, dass Individuen, welche sowohl in früheren Jahren geraucht als auch E-Zigaretten verwendet hatten, signifikant häufiger weiterhin Zigaretten konsumierten im Vergleich zu jenen, die keine Erfahrung mit E-Zigaretten hatten.

Innerhalb der britischen Teilnehmenden wiesen 61 Prozent der ehemaligen E-Zigaretten-Nutzer im späteren Jugendalter weiterhin einen Zigarettenkonsum auf – im Gegensatz zu 50 Prozent derjenigen, die keine E-Zigaretten verwendet hatten. Die entsprechenden Daten für die U.S.A betrugen 42 Prozent und 24 Prozent.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Jugendliche, welche bereits in jungen Jahren sowohl geraucht als auch E-Zigaretten verwendet hatten, im späteren Verlauf mit einer 1,45-fachen (Vereinigtes Königreich) beziehungsweise 2,19-fachen (USA) höheren Wahrscheinlichkeit Zigaretten konsumierten, verglichen mit jenen, die in der Vergangenheit keine E-Zigaretten genutzt hatten.

Tabakkonsum nimmt durch „frühes“ Dampfen zu

Jugendliche, die in der Vergangenheit sowohl geraucht als auch E-Zigaretten konsumiert hatten, wiesen nicht nur eine höhere Prävalenz des Rauchens im fortgeschrittenen Jugendalter auf, sondern konsumierten auch eine größere Anzahl an Zigaretten. In der Studie wurde häufiges Rauchen definiert als der Konsum von weniger als sechs Zigaretten pro Woche oder 27 oder mehr pro Monat. Bei den ehemaligen E-Zigaretten-Nutzern im Vereinigten Königreich war der Anteil derjenigen, die häufig rauchten, nahezu doppelt so hoch (37 %) im Vergleich zu den Nichtnutzern von E-Zigaretten (23 %). In den USA zeigte sich sogar eine fast dreifache Häufigkeit (20 % gegenüber 7 %) bei denjenigen, die früher E-Zigaretten konsumiert hatten.

„Unsere Ergebnisse sind konsistent mit der Entrenchmenthypothese. E-Zigaretten scheinen dazu zu führen, dass Jugendliche, die früh mit dem Zigaretten rauchen angefangen haben, später häufiger und mehr rauchen.“

Eine Evidenz dafür, dass E-Zigaretten den Konsum der Droge Tabak bei Jugendlichen reduzieren, konnten die Autoren hingegen nicht finden.

Tobacco Control, doi: 10.1136/tc-2022-057717

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