Killer-T-Zellen & Neutrophile

Blutwerte ermöglichen Prognose über Covid-19-Krankheitsverlauf

von Robert Klatt

Eine Kombination aus wenig Killer-T-Zellen und vielen Neutrophilen erhöht das Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf deutlich. Dies trifft vor allem Menschen mit Vorerkrankungen, alte Menschen aber auch Menschen mit starkem Übergewicht.

Wuhan (China). Laut einer Studie der Huazhong University of Science and Technology lassen sich schwere Krankheitsverläufe bei Covid-19 anhand von zwei Typen von Abwehrzellen im Blut prognostizieren. Die im Fachmagazin EBioMedicine publizierte Forschungsarbeit basiert auf Gesundheitsdaten von 40 Covid-19-Patienten, die in einem Krankenhaus der chinesischen Millionenstadt Wuhan behandelt wurden.

Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie sowie Co-Autor der Studie erklärt, dass „die chinesischen Studienergebnisse auch bei einer Reihe deutscher Patienten bestätigt werden konnten.“

Killer-T-Zellen und Neutrophile erlauben Prognose

Zur Prognose dienen sogenannte Killer-T-Zellen mit dem Oberflächenmarker (CD8), die virusinfizierte Körper­zellen abtöten und so die Vermehrung des Coronavirus SARS-CoV-2 hemmen. Laut Dittmer „haben Patienten, die nur wenige von diesen Zellen haben, ein hohes Risiko, schwere Symptome wie etwa eine Lungenentzündung oder Gerinnungsstörungen zu entwickeln.“

Außerdem lässt sich der Covid-19-Krankheitsverlauf an sogenannten Neutrophilen prognostizieren. Wie Dittmer erklärt, „sind die eigentlich dafür da, Bakterien abzuwehren. Sie können aber auch T-Zellen in ihrer Funktion unterdrücken.“ Patienten, die eine geringe Anzahl an T-Zellen und eine hohe Anzahl an Neutrophilen haben, leiden deshalb häufiger unter einem schweren Krankheitsverlauf.

Vorerkrankungen und Übergewicht sorgen für schweren Covid-19-Krankheitslauf

Wie Dittmer ausführt, „sind besonders Patienten mit Vorerkrankungen, die dazu führen, dass die Anzahl der T-Zellen abnimmt, etwa Patienten nach Transplantationen, die Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen erhalten davon betroffen.“ Dies sind häufig Krebspatienten während einer Chemotherapie aber auch Senioren, deren T-Zellen durch das hohe Alter abnimmt.

Außerdem bestätigten die Studiendaten eine französische Studie, laut der Übergewicht ebenfalls das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erhöht. Laut Dittmer „weiß man, dass übergewichtige Personen schwächere und weniger T-Zellen haben.“ Dies zeigt sich auch an statischen Daten, laut denen 70 Prozent der schweren COVID-19-Verläufe an der Uniklinik Essen übergewichtige Männer waren.

Vitamine können Killer-T-Zellen stimulieren

Aus den neuen Studienergebnissen leiten die Wissenschaftler ab, dass man durch das Stimulieren der Killer-T-Zellen zu Beginn einer Infektion die natürliche Abwehr erhöhen könnte. Dies ist durch bestimmte Impfstoffe aber auch durch die Vitamine A und C möglich.

Außerdem kann das Risiko nach einer Transplantierten durch eine geringere Dosis der Medikamente zur Abwehrunterdrückung reduziert werden. Krebspatienten sollten hingegen bei einer SARS-CoV-2-Infektion ihre Chemotherapie unterbrechen, um das Immunsystem zu entlasten, bis die Covid-19-Erkrankungen überstanden ist.

Bessere Behandlung von Risikopatienten

Michael Lohoff, Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universität Marburg schreibt in einem Begleitkommentar, dass „Ein sicherer Test, der eine prognostische Aussage über die zu erwartende Schwe­re einer COVID-19-Erkrankung zulässt, sehr hilfreich wäre.“ Laut dem Immunologen könnte man Risikopatienten so früher stationär behandeln.

Lohoff merkt jedoch an, dass die Probandenzahl der Studie sehr gering ist. Laut ihm „sollte man diesen Befund unbedingt an weiteren Patienten, bevorzugt in einem anderen Erdteil, bestätigen – auch um so einen etwaigen Beitrag der Genetik der Patienten auszuschließen.“ In Deutschland sind laut Dittmer umfangreiche Studie zu Covid-19 inzwischen schwer, weil nur noch wenige Patienten mit schweren Verläufen in die Kliniken eingeliefert werden.

EBioMedicine, doi: 10.1016/j.ebiom.2020.102763

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