Golf von Akaba

Salzsee unter dem Roten Meer entdeckt

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Bei der Kartierung des Roten Meeres hat ein Tauchroboter überraschend einen küstennahen unterseeischen Salzsee entdeckt
  • Die dort herrschen Lebensbedingungen gehören zu den extremsten der Erde
  • Um das sauerstoffarm und hochgradig salzige Wasser hat sich ein Ökosystem mit vielen Lebewesen, darunter auch Haie, gebildet
  • Die im Salzsee lebenden Bakterien könnten bei der Suche nach Leben auf anderen Planeten helfen

Ein Tauchroboter hat zufällig einen Salzsee unter dem Roten Meer entdeckt, dessen Lebensbedingungen zu den extremsten der Erde gehören. Die dort lebenden Bakterien könnten deshalb bei der Suche nach Leben auf anderen Planeten helfen.

Miami (U.S.A.). Die meisten Salzseen der Erde sind lebensfeindlichen Gewässer, in deren sauerstoffarmen Salzlauge nur Extremophile, also speziell an die Extrembedingungen angepasste Mikroorganismen, überleben können. Neben Salzseen in Vulkankratern, in Wüsten und unter dem Eis der Pole hat die Geologie inzwischen auch Salzsee am Grund einiger Meere entdeckt.

Nun haben Forscher der University of Miami einen weiteren unterseeischen Salzsee unter dem Roten Meer entdeckt. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Nature Communications entdeckte das Team um Sam Purkis den Salztümpel, als sie den Meeresgrund vor der Küste von Saudi-Arabien mit einem ferngesteuerten Tauchroboter karierten. Dabei stießen sie im Golf von Akaba auf eine auffällige Senke. „Wir hatten Glück, denn die Entdeckung erfolgte in den letzten fünf Minuten der zehnstündigen Tauchzeit“, so Purkis.

Unterseeischer Tümpels ist extrem sauerstoffarm und hochgradig salzig

Das Wasser der in 1.770 Meter Tiefe direkt vor dem Küstenhang entdeckten Vertiefung unterscheidet sich chemisch und optisch deutlich vom übrigen Meerwasser. Das Wasser der Senke ist mit einer Salinität von 160 PSU hochgradig salzig und extrem sauerstoffarm. Es handelt sich bei der Entdeckung also zweifelsohne um einen unterseeischen Salzsee.

„Es ist der erste Fund eines solchen Laugentümpels außerhalb des Hauptbeckens des Roten Meeres“, erklären die Entdecker. Fast alle zuvor bekannten unterseeischen Salzseen im Roten Meer liegen im zentralen Graben, wo das Auseinanderweichen der Erdplatten zu einer großen Verwerfung geführt hat. Der nun entdeckte NEOM-Salzsee befindet sich hingegen im Akaba-Seitenarm des Roten Meeres und ist nur zwei Kilometer von der Küste entfernt.

Unterseeischer Salzsee mit 10.000 Quadratmetern Fläche

Der Unterseeische Salzsee ist rund 260 Meter lang, 70 Meter breit und besitzt eine Fläche von etwa 10.000 Quadratmetern. Die Senke liegt rund 800 Meter tiefer als der übrige Meeresgrund im Golf von Akaba. Die Untersuchung des unterseeischen Extremgewässers zeigt, dass die Lauge aus einer unterirdischen Steinsalzschicht in Küstennähe stammt. Der Tauchroboter konnte oberhalb des Salzsees mehrere Stellen entdecken, aus denen die schimmernde Salzlauge austritt und von dort in den Salzsee fließt.

Bakteriengemeinschaften leben im Salzsee

Der Rand des unterseeischen Laugentümpels ist grau. Danach folgen leuchtend orange Ablagerungen, die durch im Grenzbereich zwischen Lauge und dem normalen Meerwasser lebende Bakteriengemeinschaften gebildet werden. Im salzigen und sauerstoffarmen Wasser des Salzsees leben hingegen nur wenige Bakterien, die sich an die anaerobe Umwelt angepasst haben.

Im direkten Umkreis des eher lebensfeindlichen Laugentümpels hat sich zudem ein Ökosystem mit unterschiedlichen Lebewesen entwickelt. Die dort lebenden Meerestiere scheinen davon zu profitieren, dass andere Organismen versehentlich in den Salzsee geraten und dort sterben. Zu den Lebewesen in der Oase am Meeresgrund gehören Plattfische, Aale und sogar Haie.

„Die Aale wurden mehrfach dabei beobachtet, wie sie in die Lauge abtauchten, wahrscheinlich um Tiere zu fangen, die von dem anoxischen Wasser betäubt oder getötet worden waren“, erklärt Purkis. Zudem entdeckte der Tauchroboter große Kolonien von Langhorngarnelen, die am Rande des Salzsees tote Organismen sammelten.

Extremster Lebensraum der Erde

„Solche unterseeischen hypersalinen und sauerstofffreien Laugentümpel sind für die Forscher besonders spannend, denn sie repräsentieren eines der extremsten Habitate der Erde“, erklären die Autoren. Laut ihnen könnten die Lebensbedingungen im Inneren des Salzsees vergleichbar mit dem Mars sein. „Die Entdeckung einer reichen Gemeinschaft von Mikroben, die in einer so extremen Umwelt überleben, kann daher auch bei der Suche nach Leben jenseits unseres Planeten helfen“, so Purkis.

Zudem zeigt der neuentdeckte Salzsee unter dem Roten Meer, dass auch lebensfeindliche Orte sich zu einer Oase entwickeln können. „Die chemosynthetischen Aktivitäten der mikrobiellen Gemeinschaft im Tümpel ernähren direkt und indirekt eine reiche Ansammlung von mehrzelligen Tieren wie Fischen, Krebsen und Mollusken“, erklären die Forscher.

Nature Communications, doi: 10.1038/s43247-022-00482-x

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