Drosera arachnoides

Neue spinnenähnliche fleischfressende Pflanzenart entdeckt

von Robert Klatt

Die neuentdeckte fleischfressende Pflanze Drosera arachnoides hat einen Kranz aus langen, dünnen Blättern mit feinen Haaren, die an eine Spinne erinnern.

Antananarivo (Madagaskar). Auf der Erde existieren etwa 250 fleischfressende Sonnentau-Arten, davon kommen sechs endemisch auf der Insel Madagaskar vor. Ein internationales Team aus Wissenschaftlern hat laut einer Veröffentlichung im Fachmagazin Plant Ecology and Evolution nun eine weitere Sonnentau-Art auf Madagaskar entdeckt. Drosera arachnoides ist damit die erste neuentdeckte fleischfressende Pflanze der Insel in rund 40 Jahren.

Laut der Beschreibung der Wissenschaftler hat die bis zu sechs Zentimeter große Pflanze starke Ähnlichkeit mit einer Spinne. Sie verfügt über einen Kranz aus langen, dünnen Blättern mit feinen Haaren. Das Verbreitungsgebiet der Pflanze sind warme feuchte Felsen. Nachgewiesen wurde sie bei einem Wasserfall im Osten der Insel.

Tödliche Insektenfalle

Andreas Fleischmann, Kurator an der Botanischen Staatssammlung München erklärt, dass es sich „bei dem kleinen neuen Sonnentau Drosera arachnoides zwar nicht um den sagenumwobenen Menschenfressenden Baum Ya-te-veo handelt, den es laut Mythen aus dem 19. Jahrhundert im Landesinneren von Madagaskar gegeben haben soll, und dem die Ureinwohner dort Menschenopfer dargebracht haben sollen, dass die Pflanze für Insekten aber durchaus eine tödliche Falle darstellt.“

Drosera arachnoides ist gefährdet

Aufgrund des kleinen Verbreitungsgebiets wurde Drosera arachnoides umgehend nach der Entdeckung durch die Internationale Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet eingestuft. Unklar ist bisher, ob die Sonnentau-Art ausschließlich auf Madagaskar vorkommt oder ob noch andere Gebiete auf der südlichen Halbkugel von der Pflanze erschlossen wurde.

Wie alle Sonnentau-Arten fängt auch Drosera arachnoides seine Beute mit Tentakeln, auf denen kleine Drüsen eine klebrige Flüssigkeit abgeben. Durch das starke Glitzern der Tröpfchen werden besonders fliegende Insekten angezogen. Einigen Sonnentau-Arten können außerdem ihre Blätter bewegen, um so ihre Opfer mit noch mehr Schleim zu benetzen. Anschließend erstickt die Beute, die dann von der Pflanze durch Enzyme in der Drüsenflüssigkeit verdaut wird. Fleischfressende Pflanzen können so den geringen Nährstoffgehalt in ihren Verbreitungsgebieten kompensieren und auch Regionen bevölkern, die für viele Pflanzen unbewohnbar sind.

Plant Ecology and Evolution, doi: 10.5091/plecevo.2020.1705

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