Gefahr für Kollissionen

Weltraummüll bleibt wegen Klimawandel länger im Orbit

Robert Klatt

Weltraummüll )kcotS ebodAkcotsemarF(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • Die Dichte der Erdatmosphäre nimmt durch die hohe CO₂-Konzentration ab
  • Weil dadurch der Widerstand sinkt, bleibt Weltraummüll länger in seinem Orbit

Die hohe CO₂-Konzentration reduziert die Dichte der Erdatmosphäre und sorgt dadurch dafür, dass Weltraumschrott länger in seinem Orbit bleibt.

Cambridge (England). Die CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre hat laut der Daten der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) ein neues Rekordhoch erreicht. Eine Studie der British Antarctic Survey (BAS) zeigt nun, dass Weltraummüll deshalb länger im Orbit bleibt. Wie Ingrid Cnossen in den Geophysical Research Letters erklärt, reduziert der hohe CO₂-Anteil in der Atmosphäre, deren Dichte und damit den Widerstand, dem Weltraumschrott in der Nähe der Erde ausgesetzt ist.

Der Weltraumschrott verbleibt dadurch länger in seiner Umlaufbahn um den Planeten, was wiederum das Risiko für gefährliche Kollisionen stark erhöht. Problematisch sind die Veränderungen der Dichte laut Computermodellen in Höhen zwischen 90 und 500 Kilometern.

Entwicklung der Atmosphäre

Die Studie basiert auf historischen Daten der Entwicklung der Atmosphäre der letzten 50 Jahren. Zudem erstellte Cnossen Prognosen für die kommenden 50 Jahre auf Basis unterschiedlicher Emissionsszenarien. Es ist demnach realistisch, dass die Ausdünnung der oberen Erdatmosphäre in den nächsten 50 Jahren etwa doppelt so stark ist  wie in den vergangenen 50 Jahren. Zudem verbleibt Weltraummüll laut den Simulationen auch bei moderaten Treibhausgasemissionen länger in seinem Orbit bleibt.

Effekt durch Satelliten gemessen

Erdbeobachtungssatelliten der NASA haben den verantwortlichen Effekt bereits gemessen. Die Dichte der oberen Atmosphäre sinkt demnach, weil diese durch Treibhausgase abkühlt. In der Atmosphäre haben Treibhausgase also gegenteilige Auswirkungen als auf der Erde.

Kontrolle der Weltraumverschmutzung

Die Studie zeigt laut Cnossen, dass die Kontrolle der Weltraumverschmutzung immer wichtiger wird.

„Es wird immer wichtiger zu verstehen, wie sich der Klimawandel auf diese Regionen auswirken wird, insbesondere für die Satellitenindustrie und die politischen Entscheidungsträger, die an der Festlegung von Standards für diese Industrie beteiligt sind. Weltraumschrott wird aufgrund des Risikos von Kollisionen zu einem schnell wachsenden Problem für Satellitenbetreiber, das durch den langfristigen Rückgang der Dichte in der oberen Atmosphäre noch verschlimmert wird. Ich hoffe, dass diese Arbeit dazu beitragen wird, geeignete Maßnahmen zur Kontrolle des Problems der Weltraumverschmutzung einzuleiten und sicherzustellen, dass die obere Atmosphäre auch in Zukunft eine nutzbare Ressource bleibt.“

Geophysical Research Letters, doi: 10.1029/2022GL100693

Spannend & Interessant
VGWortpixel