Suche nach Außerirdischen

Weltgrößtes Radioteleskop hat Testphase erfolgreich abgeschlossen

von Robert Klatt

Das neue FAST-Radioteleskop in China ist dreimal empfindlicher als das bisher größte Radioteleskop in Puerto Rico. Ein Ziel des 160 Millionen Euro teuren Projekts ist China zum ersten Land der Erde zu machen, das Signale von Außerirdischen entdeckt.

Peking (China). Laut einer Mitteilung des Five-hundred-meter Aperture Spherical Telescope (FAST), dem weltweit größten Radioteleskop, wurde die dreijährige Test- und Kalibirerungsphase erfolgreich beendet. Das in der chinesischen Provinz Guizhou in der Dawodang-Depression errichtete Radioteleskop hat einen Durchmesser von 500 Metern und soll China zu einer führenden Nation im Bereich der Astronomie machen. Dazu gehört laut der Regierung Peking das Ziel, China zum ersten Land zu machen, dass Signale von Außerirdischen empfängt. Während der Testphase wurde das Teleskop hauptsächlich zur Beobachtung von Neutronensternen genutzt. Dabei wurden mehr als 100 schnell rotierende Pulsare gefunden.

Die Leistung des FAST-Radioteleskops ist laut eigenen Angaben mindestens dreimal so hoch wie die des Arecibo-Observatorium in Puerto Rico, das das bisher das größte und sensitivste Radioteleskop war. Aufgrund des enormen Leistungssprungs rechnet die Astronomie in den kommenden Jahren mit einer Reihe bahnbrechender Neuentdeckung im Universum.

Internationale Astronomen zur Nutzung eingeladen

Während der Testphase war die Nutzung des neuen Radioteleskops ausschließlich chinesischen Wissenschaftler vorbehalten. In Zukunft soll das Teleskop laut Zhiqiang Shen, Direktor des Shanghai Astronomical Observatory und Co-Vorsitzender des Fast-Überwachungsausschusses der chinesischen Akademie der Wissenschaften aber auch von internationalen Wissenschaftlern genutzt werden dürfen.

Neben der Suche nach Außerirdischen im Rahmen von SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence), soll das Radioteleskop auch die Quellen von Gravitationswellen ausfindet machen und dabei helfen eine Erklärung für Fast Radio Bursts (FRBs), dies sind extragalaktische Ausbrüche von Radiostrahlung, finden. Aufgrund der enormen Größe des Teleskops erwarten Forscher, dass  auch sehr schwache Radiowellen im Weltraum, die bisher nicht aufgezeichnet werden konnten, erkannt werden können.

Die hohe Empfindlichkeit des Teleskops zeigte sich bereits im August und September 2019, als das gigantische Messinstrument hunderte Signale der Fast-Radio-Burst-Quelle 121102 erkannte, die von anderen Teleskopen nur zu geringen Teilen wahrgenommen wurden.

4.400 Aluminiumplatten bilden das Himmelsauge

Das im chinesischen Tianyan (Himmelsauge) genannte Teleskop wurde in fünf Jahren Bauzeit aus 4.400 einzelnen Aluminiumplatten errichtet. Die Kosten lagen bei etwa 160 Millionen Euro. Durch die Möglichkeit einzelne Aluminiumplatten separat auszurichten, ist es möglich mit dem Radioteleskop parallel mehrere Bereiche des Weltraums zu beobachten.

Eine weitere Leistungssteigerung soll in Zukunft auch die Suche nach Exoplaneten ermöglichen, die bisher noch nie mit Hilfe von Radioteleskopen erkannt wurden. Dazu sollen 36 weitere Schüsseln mit jeweils fünf Meter Durchmesser installiert werden. Es handelt sich wie Li erklärt dabei zwar um Standardinstrumente mit nur geringer Leistung, die aber in Kombination die Auflösung des Radioteleskops verhundertfachen können.

Neues Rechenzentrum geplant

Außerdem hofft Li darauf, dass das Kontrollzentrum des Teleskops in die Stadt Guiyang verlagert wird, wo ein 23 Millionen Euro teures Rechenzentrum die Arbeit der Astronomen unterstützten soll. Dies würde laut Li die Auswertung der Daten erleichtern, was derzeit ein Hauptproblem des Forschungsprojekts ist. Außerdem wäre der Zugang für Wissenschaftler und Techniker einfacher, die derzeit in die entlegene Region des Teleskops reisen müssen. Über die dafür notwendige Investition wird derzeit noch mit der Regierung verhandelt.

Handynutzung im Umkreis des Teleskops verboten

Wie ernst es China mit der Erforschung des Weltraums meint, zeigt auch ein kürzlich eingeführtes Verbot für Smartphones, Drohnen und eine Reihe anderer elektronischer Geräte im Umkreis des FAST-Radioteleskops, um Störungen durch Funkwellen zu vermeiden. Wissenschaftler warnten bereits vor Kurzen davor, dass die Einführung des 5G-Netzes die Himmelsbeobachtung deutlich erschweren könnte, weil Radioteleskope und Mobilfunkunternehmen teilweise dieselben Frequenzen nutzen.

Beim FAST-Teleskop werden Störungen hingegen hauptsächlich durch Touristen erwartet, die das Teleskop fotografieren wollen. Eine Nutzung störender Elektronik im Umkreis von fünf Kilometern kann daher mit bis zu 30.000 Yuan, dies sind etwa 4.000 Euro, Geldstrafe belegt werden.

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