Yarkovsky-Effekt

Asteroid Apophis könnte 2068 die Erde treffen

Robert Klatt

Der Yarkovsky-Effekt verschiebt die Bahn des Asteroiden Apophis pro Jahr um 170 Meter. 2068 könnte der 350 Meter große Asteroid deshalb auf der Erde einschlagen.

Honolulu (U.S.A.). Der nach dem ägyptischen Gott der Zerstörung benannte Asteroid Apophis umkreist die Sonne in etwa 323 Tagen. Dabei kreuzt der 350 Meter große Asteroid (99942) Apophis immer wieder die Erdbahn. In den Jahren 2029, 2036 und 2068 kommt der Apophis der Erde wieder gefährlich nahe.

Am 13. April 2029 kann man den Asteroiden von der Erde sogar mit bloßem Auge sehen, wenn er knapp oberhalb des geostationären Satellitenorbits die Erdbahn kreuzt. Die Gravitation des Planeten wird die Flugkurve des Asteroiden aufgrund der geringen Entfernung dabei beeinflussen. Ursprünglich ist die Astronomie deshalb davon ausgegangen, dass Apophis beim nächsten Kreuzen der Erdbahn im April 2036 auf dem Planeten einschlagen könnte.

Einschlag 2036 oder 2068 wahrscheinlich?

In den letzten Jahren kamen neue Berechnungen, die auf Daten von Vorbeiflügen des Asteroiden mit weiter Distanz zur Erde basieren, jedoch zu dem Ergebnis, dass ein Einschlag 2036 und 2068 nahezu ausgeschlossen werden kann. Die Astronomie ging deshalb davon aus, dass zumindest in diesem Jahrhundert durch den Erdbahnkreuzer keine Gefahr ausgeht.

Eine neue Beobachtung der University of Hawaii zeigt nun, dass die Berechnungsdaten, auf denen die Prognose basiert, falsch waren. Laut einer Veröffentlichung im AAS Division of Planetary Science zeigen Beobachtungen der Asteroiden, die mit dem Subaru-Teleskop auf dem Mauna Kea im Januar und März 2020 erfolgten, dass Apophis nicht mehr in der Umlaufbahn ist, wo die Astronomie ihn erwartet hatte.

170 Meter Verschiebung pro Jahr

Laut David Tholen „zeigen die neuen Beobachtungen, dass der Asteroid von einem rein gravitativen Orbit abdriftet – um rund 170 Meter pro Jahr.“ Die Flugbahn der Asteroiden verlagert sich dadurch permanent, was in der bisherigen Risikoeinschätzungen aber nicht berücksichtigt wurde. Wie Tholen erklärt, „ist das genug, um das Einschlagsszenario für 2068 weiter im Spiel zu halten.“

Yarkovsky-Effekt verursacht Flugbahn-Verschiebung

Ausgelöst wird die kürzlich beobachtete Verschiebung der Flugbahn durch den sogenannten Yarkovsky-Effekt, der durch die unterschiedlichen hohen Temperaturen wegen der verschieden starkem Sonneinstrahlung auf den Seiten des Asteroiden verursacht wird. In Abhängigkeit von Tempo, Richtung und Eigenrotation des Asteroiden sorgt der Strahlungsdruck für eine leichte Ablenkung nach innen oder außen. Der Effekt ist zwar relativ gering, kann über Jahre die Bahn des Asteroiden aber trotzdem signifikant beeinflussen.

Einschlagsszenarien müssen neu berechnet werden

Als Reaktion auf die neuen Beobachtungen müssen die Astronomen nun die Einschlagsszenarien für die nächsten Kreuzungen der Erdbahn neu berechnen. Parallel dazu wird der Asteroid detailliert überwacht, um Veränderungen der Bahn frühzeitig erkennen zu können. Dies erfolgt zeitnah im Dezember 2020 und April 2021, wenn Wissenschaftler Apophis mit dem NEOWISE-Weltraumteleskop der NASA beobachten können. Dabei soll auch die Stärke des Yarkovsky-Effekts auf Apophis näher bestimmt werden, um eine genaue Risikoeinschätzung erstellen zu können.

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