CO₂-neutraler Strom

Windparks verändern die Sedimentablagerung in der Nordsee

 Robert Klatt

Windpark in der Nordsee )moc.sotohptisopedsnoyl_ttocs(Foto: © 

Offshore-Windparks beeinflussen die Sedimentablagerung und damit auch den CO₂-Kreislauf stark. In den kommenden Jahren könnte der massive Ausbau der Windenergie dazu führen, dass die CO₂-Speicherung in der Nordsee abnimmt.

Geesthacht (Deutschland). Die installierte Windkraftleistung in der deutschen Nordsee soll bis 2050 auf 70 Gigawatt (GW) ausgebaut werden. Die großen Windparks, etwa He Dreiht, der bald 1,1 Millionen Haushalte mit Strom versorgen soll, verändern die Ökosysteme laut mehreren Studien jedoch, etwa indem sie manche Wasservögel vertreiben und durch den Wake-Effekt die Meeresströmungen verändern. Forscher des Helmholtz-Zentrums Hereon haben nun eine neue Studie publiziert, laut der die Windparks die Sedimentablagerungen großräumig und langfristig verändern können, vor allem in der Deutschen Bucht. 

Wie die Forscher erklären, transportiert die Nordsee kontinuierlich Schwebstoffe, die vom Meeresboden stammen oder aus Flüssen und vom Ärmelkanal aus dem Atlantischen Ozean einströmen. Die Schwebstoffe durchlaufen einen Zyklus, indem sie sich mehrmals ablagern und erneut aufgewirbelt werden, bis sie sich schlussendlich in einem Gebiet mit schwacher Strömung als Schlamm absetzen.

Windkraftanlagen als Hindernis

Um zu untersuchen, wie die Offshore-Windparks den Sedimenttransport und die Sedimentablagerung verändern, haben die Forscher ein neues Modell entwickelt, das den Einfluss der Atmosphäre, Wellen und Strömungen einbezieht. Das Modell zeigt, dass die bereits existierenden Windparks in der Nordsee eine signifikante Umverteilung der Sedimente auslösen, die jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen Schlamm und das darin gebundene CO₂ beeinflussen.

Ein Großteil der Sedimente besteht aus organischen Materialien, etwa abgestorbenen Meerestieren und -pflanzen, enthält also gebundenes CO₂. Wenn die Sedimente zum Meeresboden absinken, wird das CO₂ dort für Jahrhunderte gespeichert, also der Atmosphäre entzogen. Die Meere werden deshalb auch als Kohlenstoffsenke bezeichnet und verhindern, dass der Klimawandel noch schneller abläuft.

„Unsere Simulationen legen nahe, dass sich der Effekt durch den Ausbau der Offshore-Windparks über die kommenden Jahrzehnte hinweg deutlich verstärken wird. Das kann die langfristige Funktionsweise des Ökosystems und der Kohlenstoffspeicherung in der Nordsee beeinflussen.“

Hoher Einfluss auf die Deutsche Bucht

Laut dem Modell ist der Einfluss in der deutschen Bucht am größten. Mehr als die Hälfte der gesamten Sedimentumverteilung der Nordsee entfällt auf dieses Gebiet (52 %).

„Das hebt diese Region als besonders betroffen hervor.“

In weiteren Studien möchten die Wissenschaftler untersuchen, welchen Einfluss die veränderte Sedimentablagerung in der Nordsee auf empfindliche Küstenregionen, etwa das Wattenmeer, hat und ob dadurch die Kapazität der Kohlenstoffsenke abnimmt.

„Mit einem verbesserten Verständnis der Sedimentverteilung und Kohlenstoffspeicherung in der Nordsee können wir langfristige Risiken für die Küstenstabilität, Navigationssicherheit in der Schifffahrt und die Funktionsweise von Ökosystemen in der Deutschen Bucht abschätzen. Unsere Ergebnisse liefern wertvolle Grundlagen für den nachhaltigen Ausbau der Offshore‑Windenergie und helfen Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Industrie, neue Windparks umweltfreundlich zu planen.“

Quellen:

Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums Hereon

Studie im Fachmagazin Communications Earth & Environment, doi: 10.1038/s43247-026-03390-6

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