Sa Dragonera

Wassertemperatur vor Mallorca steigt erstmals über 33 Grad

 Dennis Lenz

Wassertemperatur vor Mallorca steigt erstmals über 33 Grad
(Symbolbild) Eine Messboje vor der Küste Mallorcas hat mit 33,02 Grad Celsius die höchste Wassertemperatur registriert, die bislang in spanischen Gewässern dokumentiert wurde. Das westliche Mittelmeer liegt derzeit rund vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Meeresforscher sehen darin ein deutliches Signal für eine ungewöhnlich intensive marine Hitzewelle, deren Folgen bis in den Herbst reichen könnten. (Foto: © Forschung und Wissen)

Das Mittelmeer erreicht in diesem Sommer Werte, die es dort noch nie gab. Eine Messboje vor Mallorca hat eine Wassertemperatur von 33,02 Grad Celsius registriert und damit einen historischen Höchststand markiert. Der spanische Wetterdienst Aemet meldet für das westliche Mittelmeer derzeit Abweichungen von rund vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Was nach angenehmem Badewetter klingt, beunruhigt Meeresforscher zunehmend, denn ein derart überhitztes Meer verändert Ökosysteme und Wetterlagen gleichermaßen.

Wenn sich die oberen Wasserschichten eines Meeres über Wochen deutlich stärker erwärmen als im langjährigen Mittel, sprechen Ozeanografen von einer marinen Hitzewelle. Solche Ereignisse entstehen bevorzugt unter stabilen sommerlichen Hochdruckgebieten, wenn intensive Sonneneinstrahlung auf eine ruhige See trifft. Fehlt der Wind, wird das Oberflächenwasser kaum mit kühleren Schichten aus der Tiefe durchmischt, sodass sich eine vergleichsweise flache, aber extrem warme Deckschicht ausbildet. Die Wassertemperatur an der Oberfläche kann dann innerhalb weniger Tage um mehrere Grad steigen. Das Mittelmeer ist für diese Entwicklung besonders anfällig, weil es ein halbumschlossenes Becken bildet, das nur über die schmale Straße von Gibraltar mit dem Atlantik verbunden ist und Wärme entsprechend schlecht wieder abgeben kann. Es zählt deshalb zu den Meeresregionen, die sich deutlich schneller erwärmen als der globale Durchschnitt.

Rekordwerte an europäischen Küsten häufen sich seit Jahren. Auch weiter nördlich zeigen Langzeitmessungen denselben Trend, wie der Temperaturrekord in der Nordsee vor Helgoland belegt, den das Alfred-Wegener-Institut dokumentiert hat. Im Mittelmeerraum fällt die aktuelle Erwärmung jedoch mit einer außergewöhnlich hartnäckigen Hitzeperiode an Land zusammen. Seit Ende Mai schieben sich immer wieder Hochdruckgebiete aus Afrika über Südwesteuropa, die sowohl die Luft als auch das Meer aufheizen. Während Badegäste die Entwicklung vor allem daran bemerken, dass das Meer keine Abkühlung mehr bietet, registrieren die Messnetze der Behörden einen Wert nach dem anderen, der die bisherigen Höchststände übertrifft.

Höchste Wassertemperatur in spanischen Gewässern gemessen

Der neue Spitzenwert stammt von einer Messboje vor der kleinen Insel Sa Dragonera an der Westküste Mallorcas, die von der spanischen Hafenbehörde Puertos del Estado betrieben wird. Nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes Aemet zeigte die Station dort 33,02 Grad Celsius an, während der staatliche Fernsehsender RTVE noch vor der offiziellen Bestätigung durch die Hafenbehörde berichtete, es handle sich um den höchsten jemals in spanischen Gewässern gemessenen Wert. Die Boje liegt in einem Seegebiet, das bei den Balearen ohnehin zu den wärmsten des westlichen Mittelmeers gehört. Bemerkenswert ist aber weniger der Einzelwert als die großräumige Lage, denn die Abweichung von rund vier Grad über dem langjährigen Mittel betrifft derzeit weite Teile des Beckens zwischen Spanien, Frankreich und Italien. Forschern zufolge ist der menschengemachte Klimawandel der maßgebliche Treiber dieser Entwicklung.

Folgen für Meeresbewohner und Badegäste

Für die Lebenswelt unter der Oberfläche bedeutet ein derart warmes Meer erheblichen Stress. Viele mediterrane Arten, darunter Seegraswiesen, Muscheln und festsitzende Wirbellose, sind an sommerliche Spitzen um 28 Grad angepasst und geraten bei länger anhaltenden höheren Werten an physiologische Grenzen. Wärmeliebende Organismen profitieren dagegen und breiten sich aus, was das ökologische Gefüge verschiebt. Wie stark warme Jahre einzelne Gewinner begünstigen, zeigt sich derzeit auch daran, dass Spaniens Strände einen Ansturm giftiger Quallen erleben, deren Vermehrung durch hohe Temperaturen beschleunigt wird. Badegäste spüren die Entwicklung zudem unmittelbar, weil das Meer seine Funktion als natürliche Klimaanlage verliert. Ein Bad in über 30 Grad warmem Wasser kühlt den Körper kaum noch ab, und die aufgeheizte See hält die Nächte an den Küsten tropisch warm.

Warum das warme Meer den Herbst gefährlich macht

Die im Wasser gespeicherte Energie verschwindet nicht mit dem Ende der Badesaison, sondern bleibt dem Wettergeschehen über Monate erhalten. Ein überhitztes Mittelmeer liefert im Herbst enorme Mengen an Wärme und Feuchtigkeit, wenn erste Kaltluftvorstöße aus Norden über die warme Wasserfläche ziehen. Aus diesem Kontrast können sich heftige Stürme mit sintflutartigen Regenfällen entwickeln, wie sie den spanischen Mittelmeerraum in den vergangenen Jahren mehrfach getroffen haben. Meteorologen warnen deshalb bereits jetzt, dass die aktuelle Rekordwärme das Potenzial für solche Extremereignisse erhöht. Hinzu kommt, dass die Küstenregionen mitten in der Hauptsaison zusätzlich unter Druck stehen, denn der Tourismus verschärft die Lage vor Ort erheblich, wie eine aktuelle Analyse zeigt, nach der Urlauber den sechsfachen Wasserverbrauch von Einheimischen aufweisen. Ob der Rekord von Sa Dragonera in diesem Sommer noch übertroffen wird, hängt nun davon ab, wie lange die aktuelle Hochdrucklage über Südwesteuropa bestehen bleibt.

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