Auf spanischen Ferieninseln liegt der Wasserverbrauch eines Urlaubers um das Drei- bis Sechsfache über dem eines Einwohners. Ein Bewohner Spaniens benötigt im Mittel zwischen 127 und 140 Liter am Tag, ein Gast je nach Jahreszeit, Region und Angebot zwischen 300 und 1.000 Liter. Der größte Anteil entsteht dabei nicht im Hotelzimmer. Ein aktueller Bericht beziffert, wie stark der Tourismus die Wasserbilanz der Balearen und der Kanaren verschiebt und an welcher Stelle die Menge tatsächlich anfällt.
Inseln im Mittelmeer und im Atlantik sind hydrologisch geschlossene Systeme. Was an Niederschlag fällt, versickert, verdunstet oder fließt ins Meer, große Zuflüsse von außen gibt es nicht. Die natürliche Erneuerungsrate der Grundwasserkörper begrenzt deshalb, wie viel Wasser dauerhaft entnommen werden kann. Übersteigt die Entnahme diese Rate über Jahre, sinkt der Grundwasserspiegel, und in Küstennähe dringt Meerwasser in die Süßwasserlinse ein, was sich als steigender Chloridgehalt in den Brunnen zeigt. Fachleute sprechen dann von strukturellem Wasserstress. Um die Lücke zu schließen, greifen viele Inseln zur Meerwasserentsalzung, die zuverlässig Trinkwasser liefert, aber energieintensiv ist und konzentrierte Salzlake zurücklässt. Zusätzlich verschärfen undichte Verteilnetze die Lage, weil ein erheblicher Teil des aufbereiteten Wassers den Verbraucher nie erreicht.
Vor diesem Hintergrund hat die spanische Stiftung Fundación Renovables gemeinsam mit dem Ministerium für den ökologischen Wandel eine Diagnose des touristischen Wasserverbrauchs auf den Inselgebieten vorgelegt. Der Bericht mit dem Titel El consumo de agua en Canarias y Baleares wurde Anfang Juni 2026 veröffentlicht und bündelt Daten zu Verbrauch, Infrastruktur und Belastung der Gewässer. Er ordnet den Tourismus als einen der zentralen Treiber der Wassernachfrage ein, in einem Umfeld aus knappen Vorräten, hoher Klimaanfälligkeit und begrenzter natürlicher Regeneration. Methodisch schließt er an ältere Arbeiten an, die die Wassernachhaltigkeit der Inseln über Ursache-Wirkungs-Indikatoren beschreiben, etwa eine Analyse zur Wassernachhaltigkeit der Balearen im Boletín de la Asociación de Geógrafos Españoles.
Die auffälligste Zahl des Berichts betrifft nicht die Höhe, sondern die Verteilung. Rund 80 Prozent des mit dem Tourismus verbundenen Wasserverbrauchs entfallen auf indirekte Anteile innerhalb der Wertschöpfungskette, also auf Lebensmittel, Textilien, Bau und Dienstleistungen, die den Betrieb überhaupt erst ermöglichen. Der direkte Anteil, den ein Gast an Dusche, Pool und Waschmaschine wahrnimmt, liegt seit Jahren konstant bei etwa 18 bis 19 Prozent der Gesamtmenge. Damit verschiebt sich die Bewertung des Themas deutlich: Handtücher seltener wechseln zu lassen wirkt auf einen kleinen Teilbereich, während Verpflegung und Beschaffung den weit größeren Hebel darstellen. Für Teneriffa nennt der Bericht zudem Werte aus Vier-Sterne-Häusern, die zwischen 193 und 258 Liter pro Gast und Nacht liegen, wobei die Bewässerung der Gartenanlagen darin noch nicht enthalten ist.
Auf den Kanaren entfallen nach dieser Auswertung rund 11 Prozent des gesamten regionalen Wasserverbrauchs auf den Tourismus, auf Teneriffa sind es 13,4 Prozent. Das klingt zunächst moderat, trifft aber auf ein System, das bereits an seiner Grenze arbeitet. Alle vier Grundwasserkörper Teneriffas werden im schlechten mengenmäßigen Zustand geführt, weil ihr Ausbeutungsindex über dem Schwellenwert von 0,8 liegt, die Entnahme also deutlich schneller erfolgt als die natürliche Neubildung. Hinzu kommt, dass die Nachfrage saisonal genau dann kulminiert, wenn die Niederschläge ausbleiben und die Verdunstung aus Stauseen und Schwimmbecken am höchsten ist. Der Bericht verweist außerdem auf Belastungen durch Abwässer, unzureichend geklärte Einleitungen und den intensiven Chemikalieneinsatz in Pools und auf Golfanlagen, die die verfügbare Ressource zusätzlich mindern.
Die Autoren plädieren für einen Wechsel der Perspektive. Solange Politik vor allem darauf ziele, das Angebot durch neue Entsalzungskapazitäten zu erhöhen, blieben Einsparung, Effizienz und Wiederverwendung nachrangig. Sinnvoller sei es, zuerst die Verteilnetze zu sanieren, Fernüberwachung und Sensorik zur Leckortung einzuführen, die Netze feiner zu sektorieren und Investitionen auf die maroden Abschnitte zu lenken. Der Kern der Argumentation lautet, dass zusätzliche Produktion wenig nützt, wenn das Wasser den Verbraucher nicht erreicht. Für Reisende folgt daraus eine unbequeme Einordnung: Der eigene Beitrag entsteht überwiegend jenseits des Hotelzimmers. Wie empfindlich Wasserhaushalte auf klimatische Ausschläge reagieren, zeigt sich derzeit auch anderswo, etwa wenn anhaltende Trockenheit einen Stausee absinken lässt.
Boletín de la Asociación de Geógrafos Españoles, Uso de indicadores causa-efecto para el diagnóstico de la sostenibilidad hídrica en las Islas Baleares; doi:10.21138/bage.2833