Reduzierte CO₂-Emissionen

Schnellbusse, höhere Parkgebühren und Elektroautos schützen das Klima

 Robert Klatt

Elektroauto nutzt einen kostenfreien Parkplatz )moc.sotohptisoped011valsorim(Foto: © 

Baden-Württemberg (BW) möchte, dass der Verkehr bis 2040 klimaneutral wird. Eine Analyse zeigt nun, dass neue Schnellbuslinien, höhere Parkgebühren für Verbrenner und kostenlose Parkplätze für Elektroautos dabei helfen können, die CO₂-Emissionen zu senken.

Karlsruhe (Deutschland). In Baden-Württemberg (BW) soll der Verkehr in Anbetracht des Klimawandels bis 2040 klimaneutral sein. Als Zwischenziel sollen die CO₂-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Forscher des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) haben deshalb untersucht, mit welchen Maßnahmen man diese ambitionierten Klimaziele erreichen kann. Sie haben dazu mit seiner sogenannten empirischen ex-post-Analyse untersucht, wie stark bereits umgesetzte Maßnahmen die CO₂-Emissionen im Straßenverkehr verändert haben.

Höhere Parkgebühren für Bewohner, Gewerbe und Pendler

In BW dürfen Kommunen seit Juli 2021 die Gebühren für das Bewohnerparken frei festlegen. Zuvor lag die Grenze bei 30,70 Euro pro Jahr. Mehrere Städte und Gemeinden haben diese Möglichkeit genutzt, und die Parkgebühren stark erhöht. Die Forscher haben am Beispiel von Tübingen, wo das Bewohnerparken je nach Antriebsart, Fahrzeuggewicht und Einkommen nun durchschnittlich 126 Euro kostet, untersucht, wie sich dies auf die Autozahl und die verkehrsbedingten CO₂-Emissionen ausgewirkt hat.

Die Analyse zeigt, dass die deutlich höheren Parkgebühren für Bewohner zu einem Rückgang der Autos (- 2,6 %) und einer Reduzierung der CO₂-Emissionen um 12,4 Kilogramm CO₂ pro Bewohner pro Jahr geführt haben. In Landau, wo nicht das Bewohnerparken, sondern das Dauerparken durch Gewerbetreibende und Pendler, teurer wurde, sind die Autozahl (- 2,2 %) und die CO₂-Emissionen (- 18,4 Kilogramm) ebenfalls deutlich gesunken. In beiden Städten werden nun öfter öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder genutzt.

Schnellbus statt eigener Autos

In Freiburg wurde im Dezember 2022 eine neue Schnellbuslinie eingeführt, die mehrere Gemeinden im Umland mit dem Bahnnetz und der Stadt verbindet. Die Schnellbuslinie reduziert die Fahrzeiten der Pendler deutlich. Laut der Analyse fahren deshalb viele Fahrgäste lieber mit dem Bus, obwohl sie ein eigenes Auto besitzen (33 %). Die Buslinie verhindert dadurch CO₂-Emissionen der Autos in Höhe von 157 Tonnen pro Jahr. Weil die Busse mit Diesel fahren und 103 Tonnen CO₂-Emissionen jährlich produzieren, liegt die Ersparnis bei 54 Tonnen CO₂ pro Jahr. Elektrobusse würden diese Ersparnis verdreifachen.

Kostenlose Parkplätze für Elektroautos

Stuttgart hat bereits 2012 kostenlose Parkplätze für Elektroautos eingeführt, um diese attraktiver zu machen und einen zusätzlichen Anreiz für einen Wechsel von einem Verbrenner zu schaffen. Weil die Maßnahme so erfolgreich war und der Anteil von Elektroautos in Stuttgart (8 %) fast doppelt so hoch war, wie im bundesweiten Durchschnitt, ist die Maßnahme Ende 2022 ausgelaufen. Die Analyse des Fraunhofer ISI, dass von 2018 bis 2022 durch die Maßnahme in Stuttgart rund 15.460 rein elektrische Fahrzeuge und 10.160 Plug-in-Hybride anstelle von Verbrennern angeschafft wurden. In diesem Zeitraum wurden dadurch rund 63.000 Tonnen CO₂-Emissionen eingespart.

Wie die Forscher erklären, zeigt ihre ex-post-Analyse somit, dass die drei Maßnahmen maßgeblich dazu beitragen können, die CO₂-Emissionen im Straßenverkehr zu senken. Die höheren Parkgebühren in Tübingen und Landau haben zudem nicht nur die Autozahl reduziert, sondern auch die kommunalen Einnahmen erhöht.

„Die Maßnahmen tragen nicht nur messbar zum Klimaschutz bei, sondern erzielen auch erhebliche Einnahmen für die Kommunen. Ideal ist eine Kombination aus mehreren Maßnahmen.“

Quellen:

Pressemitteilung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI)

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