Begrünung

Satellitendaten zeigen zunehmend mehr Bäume am Rand der Sahara

 Dennis L.

(KI Symbolbild). In Teilen der Sahara und besonders in Übergangszonen zum Sahel breiten sich Pflanzen und Bäume wieder stärker aus. Die positive Nachricht dahinter ist keine einzelne Momentaufnahme, sondern stützt sich auf langjährige Satellitendaten. Entscheidend ist, welche Messgröße Forscher vergleichen und wie sie Vegetationszunahme im Trockengebiet definieren. )IKnessiW dnu gnuhcsroF(Foto: © 
Auf den Punkt gebracht
  • Mehr Niederschlag fördert am Sahararand neues Pflanzenwachstum
  • Steigende CO2-Düngung verbessert oft die Wassernutzung vieler Pflanzen
  • Langjährige Satellitendaten zeigen mehr Gehölzbedeckung in Teilen Afrikas

In Randzonen der Sahara wird regional mehr Vegetation erfasst als in früheren Vergleichszeiträumen. Auswertungen mit Satellitendaten und hochaufgelösten Flächendaten zeigen in Teilen trockener Gebiete eine Zunahme von Sträuchern und Bäumen. Die Entwicklung betrifft vor allem Übergangsräume zwischen Wüste und stärker bewachsenen Landschaften und wird über Zeiträume von mehreren Jahrzehnten beschrieben. Entscheidend für die Einordnung ist die jeweilige Messgröße, weil Vegetationsaktivität, Blattfläche und Gehölzbedeckung unterschiedliche Aspekte derselben Landschaft abbilden.

Eine Wüstengrenze ist in der Praxis kein fester Linienzug, sondern ein Übergangsraum mit starken Schwankungen zwischen Jahren und Jahrzehnten. In solchen Trockengebieten reagieren Pflanzenbestände bereits auf vergleichsweise kleine Änderungen bei Wasserverfügbarkeit, Bodeneigenschaften und Störfaktoren. Deshalb kann sich der sichtbare Charakter einer Fläche deutlich verändern, obwohl keine abrupte Umwandlung der gesamten Region stattfindet. Für die Einordnung der Sahara ist vor allem der Bereich zum Sahel wichtig, weil dort saisonales Wachstum, Strauchaufwuchs und längerfristige Vegetationsverschiebungen besonders gut messbar sind. Der geografische Hintergrund lässt sich über Sahara vertiefen, während die Grundbeobachtung im Datensatz bereits ohne zusätzliche Deutung klar bleibt: In Teilen des Wüstenrandes nimmt die Pflanzendecke zu.

Die zugrunde liegenden Mechanismen sind biologisch und klimatisch gut nachvollziehbar. Pflanzen in Trockengebieten wachsen nicht nur auf Niederschlagssignale, sondern reagieren auch auf Änderungen der Wasserverluste über die Blätter und auf die Länge der Wachstumsphase. Die oft genannte CO2-Düngung beschreibt dabei einen realen Effekt, der die Photosynthese und bei vielen Arten auch die Wassernutzung beeinflussen kann. Ob daraus tatsächlich mehr sichtbare Vegetation entsteht, hängt jedoch zusätzlich von Boden, Temperatur, Beweidung und Bränden ab. Gerade in Übergangszonen können mehrere kleine Vorteile zusammen zu messbaren Flächentrends führen. Biologische Grundlagen zu diesem Zusammenhang sind im Themenfeld Photosynthese gut einzuordnen, während regionale Datensätze zeigen, wo sich diese Prozesse im Landschaftsbild tatsächlich niederschlagen.

Was Satellitendaten in trockenen Regionen tatsächlich messen

Fernerkundung erfasst nicht direkt eine politische oder geographisch festgelegte Wüstengrenze, sondern messbare Eigenschaften der Landoberfläche. Dazu zählen spektrale Signale der Vegetation, saisonale Veränderungen und strukturbezogene Merkmale, aus denen Forscher Trends ableiten. Ein wichtiges Maß in globalen Vegetationsanalysen ist der Blattflächenindex, weil er die gesamte Blattfläche pro Bodenfläche beschreibt und damit langfristige Änderungen der Vegetationsaktivität vergleichbar macht. Wenn der Blattflächenindex über längere Zeit zunimmt, zeigt das eine reale Änderung der Pflanzenbedeckung oder Blattmasse. Für Trockengebiete ist diese Information besonders wertvoll, weil dort Schwankungen stark sein können und kurze Beobachtungsfenster leicht in die Irre führen. Langjährige Satellitendaten reduzieren dieses Problem, indem sie Trends über Jahrzehnte sichtbar machen und regionale Signale gegenüber kurzfristigen Ausschlägen besser einordnen.

Globale Begrünung liefert den übergeordneten Rahmen

Mehrjährige Auswertungen vegetierter Landflächen zeigen seit Jahren, dass Begrünungstrends auf großen Flächen der Erde auftreten. In der häufig zitierten Analyse zur globalen Vegetationsentwicklung wurden Datensätze aus verschiedenen Sensorsystemen und Modellrechnungen kombiniert, um die Entwicklung des Blattflächenindex und wahrscheinliche Treiber zu bewerten. Dabei wird CO2-Düngung als wichtiger Faktor für die beobachteten Zunahmen eingeordnet, neben weiteren Einflüssen durch Klima und Landnutzung. Für die Sahara und angrenzende Trockengebiete ist dieser Befund nicht als isolierter Beweis zu lesen, sondern als Rahmen, der regionale Vegetationszunahmen plausibel macht. Die Studie zur globalen Begrünung 2016 beschreibt diesen Zusammenhang auf globaler Ebene, während regionale Arbeiten zeigen, in welchen Landschaften sich die Änderungen besonders deutlich in der Fläche abbilden.

Hohe Auflösung zeigt mehr Gehölzbedeckung in Teilen Afrikas

Für die Ausbreitung von Sträuchern und Bäumen ist die Analyse der Gehölzbedeckung in Subsahara-Afrika besonders relevant, weil sie mit Landsat-Daten auf einer räumlichen Auflösung von etwa 30 m arbeitet. Diese Auflösung erlaubt eine deutlich genauere Erfassung struktureller Veränderungen als reine grobskalige Grünsignale. In den ausgewerteten nicht bewaldeten Biomen wird über mehrere Jahrzehnte eine netto zunehmende Gehölzbedeckung beschrieben, wobei die Stärke der Veränderung regional variiert. Damit wird sichtbar, dass vormals sehr karge Flächen in Teilen des Kontinents häufiger von Gehölzen geprägt sind als in früheren Zeitabschnitten. Die Studie zur Gehölzbedeckung in Afrika 2018 betrachtet zugleich Einflussfaktoren wie Niederschlag und Feuerregime und liefert damit eine direkte Datengrundlage für die Ausbreitung von Pflanzen in trockenen Übergangsräumen.

Welche Faktoren die Ausbreitung von Pflanzen am Wüstenrand steuern

Regionale Vegetationszunahmen entstehen nicht durch einen einzelnen Auslöser. In Trockengebieten wirken CO2-Düngung, Niederschlag und Feuerregime zusammen, zusätzlich beeinflusst durch Bodeneigenschaften, Nutzung und die zeitliche Verteilung der Regenereignisse. Mehr Niederschlag kann Keimung und Etablierung von Jungpflanzen begünstigen, während eine geringere Brandfläche die Überlebenschancen von Sträuchern und jungen Bäumen erhöht. Gleichzeitig kann eine verbesserte Wassernutzung unter erhöhtem Kohlendioxid den Stress in Trockenphasen abschwächen. Daraus ergibt sich ein konsistentes Bild für Randzonen der Sahara und angrenzende Bereiche des Sahel: Vegetation kann sich regional ausbreiten und über Jahre stabiler auftreten als zuvor. Ein ergänzender Kontext zu Regenänderungen in Nordafrika findet sich bei mehr Regen in der Sahara, ohne dass damit alle regionalen Unterschiede aufgehoben wären.

Was sich daraus für die Formulierung der Schlagzeile ableiten lässt

Die sachlich belastbare Formulierung lautet, dass sich in Teilen der Sahara und besonders in Übergangszonen zum Sahel Pflanzen sowie regional Sträucher und Bäume auf vormals kargen Flächen ausbreiten. Diese Aussage stützt sich auf langjährige Satellitendaten, auf den Blattflächenindex in globalen Analysen und auf hochaufgelöste Auswertungen zur Gehölzbedeckung in Afrika. Damit wird eine reale Flächenentwicklung beschrieben, keine einzelne Wetterphase und keine reine Momentaufnahme. Die Formulierung bleibt zugleich präzise, weil sie regionale Unterschiede und die Rolle mehrerer Einflussfaktoren berücksichtigt. Für den atmosphärischen Hintergrund zu Landökosystemen lässt sich das Themenfeld CO2 ergänzen, während die zentrale Aussage im Datensatz bereits klar erkennbar ist: In Teilen trockener Randzonen wächst heute mehr Vegetation als in früheren Vergleichszeiträumen.

Nature Climate Change, Greening of the Earth and its drivers; doi:10.1038/nclimate3004
Nature Communications, Drivers of woody plant encroachment over Africa; doi:10.1038/s41467-018-04616-8

Spannend & Interessant
VGWortpixel