Hohe Investitionen nötig

Klimaziele erfordern deutlich schnelleren Ausbau der CO₂-Entnahme

 Robert Klatt

CO₂-Entnahme muss deutlich schneller wachsen )moc.sotohptisopedketivdalv(Foto: © 

Die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre nimmt kontinuierlich zu und beschleunigt den Klimawandel. Um die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, ist deshalb ein deutlicher Ausbau der CO₂-Entnahmesysteme nötig.

Potsdam (Deutschland). Die CO₂-Emissionen des Menschen haben dazu geführt, dass die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre inzwischen auf 424 parts per million (ppm), den höchsten Wert seit zwei Millionen Jahren, gestiegen ist. In Anbetracht des daraus resultierenden Klimawandels sprechen sich immer mehr Institutionen, etwa der Klimabeirat der Europäischen Union (EU), dafür aus, nicht nur die Emissionen zu reduzieren, sondern auch CO₂ mit Direct Air Capture (DAC) Techniken aus der Luft zu entfernen. Dieses kann dann eingespeichert oder als Rohstoff verwendet werden.

Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun eine Studie publiziert, laut der die aktuellen Maßnahmen für die CO₂‑Entnahme aus der Atmosphäre und die Ausbauzusagen der einzelnen Länder bis 2050 nicht ausreichen, um den Klimawandel auf maximal 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Laut der Studie müssten die CO₂‑Entnahmekapazitäten 2050 rund fünf Milliarden Tonnen pro Jahr höher sein, um dieses Ziel zu erreichen. Die Technik müsste dafür schneller ausgebaut werden als andere Maßnahmen gegen die Erderwärmung, etwa den Ausbau der Solarenergie.

„Bis 2035 haben Länder rund 2,7 Milliarden Tonnen CO₂-Entnahme zugesagt, bis 2050 etwa 3,6 Milliarden Tonnen. Klimaszenarien, die die Erwärmung wieder auf 1,5°C senken, brauchen aber deutlich mehr, vor allem langfristig. Die Lücke wächst deshalb mit der Zeit stark an. Die meisten Zusagen setzen auf Wälder und andere landbasierte Maßnahmen, während neue Technologien bislang nur eine kleine Rolle spielen. Wenn Emissionen nicht schneller sinken, wird die Lücke noch größer.“

2,2 Milliarden Tonnen CO₂ Entnahme

Laut der Studie entfernen die Länder aktuell rund 2,2 Milliarden Tonnen CO₂ jährlich aus der Luft. Ein Großteil davon entfällt aber auf Maßnahmen wie die Wiederaufforstung und nur ein minimaler Anteil auf die technische CO₂‑Entnahme (0,1 %), deren jährliche Ausbaurate jedoch hoch ist (40 %).

Wie die Forscher erklären, ist die deutliche Reduzierung der CO₂-Emissionen noch immer das zentrale Mittel gegen den Klimawandel. Ein deutlicher Ausbau der CO₂‑Entnahmekapazitäten ist aber entscheidend, um die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und den Höhepunkt der Erderwärmung zu minimieren.

„Wir können uns nicht auf eine einzige Methode zur CO₂-Entnahme verlassen. Konservative Schätzungen gehen für einzelne Methoden von Potenzialen von jeweils etwa einer Milliarde Tonnen CO₂ pro Jahr aus. Deshalb brauchen wir einen breiten Mix verschiedener Ansätze, die zu unterschiedlichen Regionen und Anwendungen passen. Das schafft Flexibilität und senkt Kosten und Risiken für Nachhaltigkeit.“

Unzureichende Umsetzung von CO2-Entnahme

Die Studie zeigt zudem, dass nur ein kleiner Teil der geplanten CO₂‑Entnahmekapazitäten (20 %) in den letzten Jahren tatsächlich umgesetzt wurde. Staaten investieren aber zunehmend mehr in die Forschung in diesem Bereich und in die Umsetzung von Pilotprojekten. Aktuell entfallen etwa drei Prozent der Klimatechnologieinvestitionen auf die CO₂-Entnahme.

„Ob mehr in CO₂-Entnahme investiert wird, hängt stark davon ab, ob Unternehmen künftig eine stabile Nachfrage erwarten können. Im Moment ist diese Nachfrage aber noch sehr unsicher. Viel passiert nur in wenigen Ländern und bei wenigen Technologien. Das macht den Bereich anfällig: Wenn sich politische Regeln oder finanzielle Anreize ändern, kann das den Fortschritt weltweit ausbremsen.“

Quellen:

Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)

Pressemitteilung der Universität Oxford

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