Robert Klatt
Der Klimawandel führt global zu immer mehr Hitzewellen, Dürren und Extremregen. Die aktuell als Weideflächen nutzbaren Gebiete werden dadurch immer kleiner, und schon bald könnten über 100 Millionen Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren.
Potsdam (Deutschland). Der Klimawandel führt global zu immer mehr Hitzewellen, Dürren und Extremregen, die bei den Grundnahrungsmitteln Weizen, Mais, Reis, Soja, Gerste und Maniok deutliche Ernterückgänge auslösen werden. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun eine Studie publiziert, laut der die Erderwärmung auch die globalen Weideflächen für Rinder, Schafe und Ziegen deutlich verkleinern wird.
„Weidehaltung ist stark von Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit abhängig.“
Die Berechnungen zeigen, dass zwischen 36 und 50 Prozent der aktuell nutzbaren Weideflächen bis 2100 verloren gehen, sich also nicht mehr für die Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen eignen. Der Klimawandel zerstört damit die Lebensgrundlage von rund 110 bis 140 Millionen Menschen, die von der Weidewirtschaft leben.
Wie die Wissenschaftler erklären, führen die klimatischen Veränderungen dazu, dass die Weidewirtschaft in vielen Gegenden in Zukunft nicht mehr funktioniert. Besonders betroffen sind Regionen, die aktuell schon unter wirtschaftlicher und politischer Instabilität leiden und in denen die Nahrungsversorgung unsicher ist.
Am größten sind die Folgen in Afrika, wo bereits die heutigen Temperaturen sich in vielen Regionen kaum für die Weidehaltung eignen. Die Erderwärmung sorgt dafür, dass sich die dortigen Klimazonen verschieben und somit in Regionen wie dem Kongobecken und dem äthiopischen Hochland die Bedingungen der Weidewirtschaft zunehmend schlechter werden. Die für Weidewirtschaft geeigneten Grasflächen verkleinern sich dadurch in Afrika je nach Klimaszenario um 16 bis 65 Prozent.
„Da die afrikanische Landmasse am Südlichen Ozean endet, würden sich die für Weidewirtschaft geeigneten Temperaturbereiche langfristig über den Kontinent hinaus verlagern, mit dem Ergebnis, dass nutzbare Weideregionen verloren gehen.“
in Kenia, wo die Massai und Samburu ihre Rinder halten, und am Horn von Afrika, wo Nomaden mit Schaf- und Ziegenherden umherziehen, sorgt der Klimawandel immer häufiger für Dürren. Zudem sinken die Niederschläge in der Regenzeit zunehmend. Somalia hat deshalb im November 2025 bereits einen Dürrenotstand ausgerufen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat errechnet, dass die geringen Regenmengen in Kenia dazu geführt haben, dass rund zwei Millionen Menschen aufgrund der schlechten Ernten nicht ausreichend mit Nahrung versorgt werden konnten.
„Diese Verschiebung weg von dem, was wir als klimatisch günstigen Bereich identifizieren, stellt gängige Anpassungsstrategien massiv infrage. Ansätze wie die Haltung anderer Tierarten oder die saisonale Wanderung von Herden reichen angesichts der Größenordnung der Veränderungen nicht mehr aus“
Die Autoren des PIK sprechen sich in Anbetracht der Entwicklung dafür aus, den weiteren Anstieg der Durchschnittstemperatur möglichst zu begrenzen, um die Leistungsfähigkeit der Weidewirtschaft und Landwirtschaft zu erhalten.
„Um diese Risiken für die Weidewirtschaft zu begrenzen, ist eine schnelle Abkehr von fossilen Energieträgern und eine deutliche Reduktion der Emissionen nötig.“
Quellen:
Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)
Studie im Fachmagazin PNAS, doi: 10.1073/pnas.2534015123