Robert Klatt
Religiöse Konflikte in Nigeria zwischen nomadischen, muslimischen Viehhirten und sesshaften Christen nehmen durch den Klimawandel zu. Die Situation lässt sich auf ähnliche Regionen, etwa die Sahelzone, übertragen.
Berlin (Deutschland). Inzwischen haben mehrere Studien belegt, dass der Klimawandel nicht nur die Umwelt und die Gesundheit beeinflusst, sondern auch zu mehr Flüchtlingen führt und das Risiko für bewaffnete Konflikte erhöht. Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) haben nun eine Studie publiziert, die untersucht hat, ob die Effekte des Klimawandels, etwa mehr Dürren und Hitzewellen, sich auf lokale Konflikte zwischen religiösen Gruppen in Afrika auswirken. Die untersuchten Gruppen aus Nigeria waren nomadische Viehhirten, hauptsächlich muslimische Fulani, und Bauern, die hauptsächlich Christen sind.
Um zu analysieren, wie der Klimawandel das Zusammenleben der Christen und Muslime beeinflusst, haben sie die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung in 300 Gebieten in Nigeria mithilfe der Zahl der dortigen Kirchen und Moscheen und die dort aufgetretenen Dürren im Zeitraum von 1997 bis 2020 mithilfe von historischen Wetterdaten erfasst.
Die Daten zeigen, dass das Risiko für Konflikte und Gewalt in Gebieten, in denen sowohl die Viehzüchter als auch die sesshafte Bevölkerung überwiegend dem Islam angehören, in Dürreperioden, die durch den Klimawandel immer öfter auftreten, nicht zunimmt. In Gebieten, in denen muslimische Viehzüchter und sesshafte Bevölkerung, die überwiegend christlich ist, gemeinsam leben, treten religiöse Spannungen unabhängig vom Klimawandel öfter auf. Die Gewalt nimmt bei Dürren jedoch zu. Dies zeigt, dass eine negative Wechselwirkung zwischen bestehenden religiösen Konflikten und den Auswirkungen des Klimawandels besteht.
Eine Umfrage zeigt, dass die religiösen Gruppen unterschiedliche Ursachen für die Konflikte sehen. Die christlichen Umfrageteilnehmer argumentieren vor allem mit Misstrauen gegenüber den muslimischen Fulani, während diese die in Dürrephasen knapper werdenden Ressourcen als Grund sehen.
Laut den Wissenschaftlern lassen sich die Ergebnisse auch auf ähnliche Regionen übertragen, etwa die Sahelzone. Sie sprechen sich deshalb für eine Kombination aus Maßnahmen aus, die die Auswirkungen der Dürren reduzieren, etwa ein besseres Wassermanagement und politische Maßnahmen, etwa das Schaffen von alternativen Einkommensquellen, die weniger stark vom Klimawandel beeinflusst werden. Sinnvoll wären laut ihnen zudem Programme, die das Vertrauen zwischen den Religionen erhöhen, um zu verhindern, dass Dürren und andere ökologische Probleme zu Gewalt führen.
Quellen:
Pressemitteilung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB)